Sonntag, 11. Dezember 2016


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Gesundheitspolitische Traumtänzer

(lifePR) (Berlin / Augsburg, ) Vier Meldungen springen in der vorösterlichen Zeit ins Auge, die sich in ihrer Kernaussage kontroverser nicht gegenüber stehen könnten:

Zum einen die Aussagen der Ökonomen beim "Gesundheitskongress des Westens 2015": Durch die Aufgabe von 210 Kliniken könne man jährlich fast 600 Mio. Euro sparen.

Zum anderen die bereits sattsam bekannten Forderungen des GKV-Spitzenverbandes, hier in seinem Geschäftsbericht 2014: "Qualität - Verbessern, sichern, veröffentlichen".

Demgegenüber zwei Berichte über dramatische Betten-Situationen an der Medizinischen Hochschule Hannover ("Niedersachsens größter Klinik droht der Infarkt", NDR) und des Klinikums Plauen ("Helios-Klinikum Plauen platzt aus allen Nähten", Freie Presse), Situationen wie sie derzeit in vielen großen Kliniken bundesweit an der Tagesordnung sind.

Die letztgenannten Reporte lassen erahnen, wie sich für die Bürger/Versicherten/ Patienten die Situation an bundesdeutschen Krankenhäusern entwickeln dürfte, wenn die Weisheiten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsförderung (RWI) umgesetzt würden.

Nach Stilllegung von 210 Kliniken bundesweit müssen die ja weiterhin existierenden kranken Menschen auf die verbliebenen Krankenhäuser verteilt werden, also auf Häuser, die bereits heute bei einer eher unspektakulären Grippewelle ganz schnell an die Grenzen ihrer Kapazitäten gelangen.

Was macht es da schon, wenn Zweibett-Zimmer mit drei Patienten belegt werden oder die weiteren Kranken dann notgedrungen auf dem Flur stehen: Hauptsache Billig! Hauptsache Sparen! Das Statement des RWI gipfelt dann in dem Vorschlag, die durch die angedachte Schließung der Kliniken anfallenden weiten Transportwege durch einen Ausbau des Hubschrauber-Netzes zu kompensieren. Patienten als Stückgut, so kann man "Wirtschaftsförderung" auch verstehen.

Dass der GKV-Spitzenverband in dem 112 Seiten umfassenden Geschäftsbericht 2014 bei seinen fast schon gebetsmühlenartigen Forderungen nach Qualität natürlich nicht die Versorgung der Patienten in überfüllten Kliniken im Auge hat, versteht sich von selbst. Auch er möchte die Zahl der Klinikbetten drastisch reduzieren und die Vergütungen möglichst noch von Heilerfolgen abhängig machen. Was bei derartigen Forderungen in der Öffentlichkeit leider nicht realisiert wird, ist zum einen die Tatsache, dass bereits heute an der großen Mehrzahl bundesdeutscher Krankenhäuser eine hervorragende Behandlungsqualität die Regel ist. Dies ist insbesondere auch im Vergleich mit vielen europäischen Ländern so. Zum anderen wird aber ein weiterer Abbau von Klinikbetten zu einer nochmals ansteigenden Arbeitsverdichtung in den verbliebenen Häusern führen, eine höchst bedenkliche Situation, die mit den Forderungen der Kassen nach "mehr Qualität" schon aus Kapazitätsgründen nicht zu vereinbaren ist.

Die Bürger Initiative Gesundheit e.V. hat sich zu diesen Thematiken gerade in jüngster Vergangenheit mehrfach besorgt geäußert: Die Interessen der Bürger/Versicherten/ Patienten, die von manchen "Playern" im Gesundheitswesen immer vorgeschoben werden, bleiben ganz klar bei den Vorschlägen des RWI und des GKV-Spitzenverbandes auf der Strecke. Deren abstrusen Sparplänen wird sowohl eine wohnortnahe Patientenversorgung geopfert, als auch ein systematisches Burn-out aller Beschäftigten im Gesundheitswesen billigend in Kauf genommen.

Die Bürger Initiative Gesundheit e.V. stellt fest:

Es wird Zeit, dass sich die mündigen Bürger und die Gesundheitsberufe zusammenfinden, um dem höchst gefährlichen Einfluss der Ökonomen im Gesundheitswesen und dem nicht minder gefährlichen Lobbyismus der Krankenkassen Einhalt zu gebieten. Weder ein Ökonom noch ein Kassenvertreter hat je einen Patienten von seinen Leiden kuriert, die Beschäftigten im ambulanten und stationären Gesundheitssektor aber millionenfach! Die Präferenzen sind ganz klar erkennbar, Handeln ist angesagt!
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