Samstag, 10. Dezember 2016


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Aktuelle Zahlen zur Rauschgiftkriminalität und zu den Drogentoten 2009 in Deutschland

Gemeinsame Pressekonferenz der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und des Präsidenten des Bundeskriminalamtes

(lifePR) (Berlin, ) Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist auf den drittniedrigsten Stand der letzten zehn Jahre gesunken. Im Jahr 2009 kamen 1.331 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben, ein Rückgang um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1.449).

Überdosen von Heroin und Mischkonsum von Heroin mit anderen Drogen sind immer noch die häufigsten Todesursachen. Weiter angestiegen sind die Todesfälle aufgrund gesundheitlicher Langzeitschädigungen. Ihr Anteil ist von 11 % (2006) auf rund 20 % (2009) der Verstorbenen angestiegen.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: "Der Rückgang im vergangenen Jahr zeigt, dass die Drogentodeszahlen langfristig sinken. Diese Entwicklung bestätigt, dass die Angebote zur gesundheitlichen Versorgung für Drogenabhängige notwendig sind und eine Überlebenshilfe darstellen. Unverzichtbare Hilfs- und Behandlungsangebote sind deshalb: Maßnahmen zur Schadensreduzierung, wie die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, Drogenkonsumräume, Spritzentausch und Kontakt-läden sowie die diamorphingestützte Behandlung, die derzeit in die Regelversorgung überführt wird."

2009 wurden in Deutschland 18.139 Erstauffällige Konsumenten harter Drogen registriert - ein Rückgang um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Entgegen dieser Gesamtentwicklung ist die Zahl der Erstauffälligen Konsumenten von Amphetamin im Jahr 2009 im fünften Jahr in Folge um nochmals 1,2 Prozent auf 10.315 Personen gestiegen. Das Durchschnittsalter der Amphetaminkonsumenten betrug 26 Jahre und war damit im Vergleich zu den anderen harten Drogenarten niedriger (Heroin: 31 Jahre, Kokain: 30 Jahre).

Deutliche Steigerungen der Sicherstellungsmengen waren im Jahr 2009 bei Kokain und Heroin zu verzeichnen. Die sichergestellte Kokainmenge betrug rund 1.700 kg - 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei der sichergestellten Heroinmenge war ein Anstieg um rund 51 Prozent auf insgesamt 758 kg zu verzeichnen. Amphetaminsicherstellungen gab es in einer Größenordnung von 1.400 kg - acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Infolge ausbleibender Großsicherstellungen wie im Jahr 2008 sanken die Sicher-stellungen bei den Cannabisprodukten deutlich, bei Haschisch um 39 Prozent auf 2.220 kg und bei Marihuana um 52 Prozent auf 4.298 kg.

2009 wurden in Deutschland 67 Cannabis-Outdoor- und 342 Cannabis-Indoor-Plantagen und damit 21 Prozent (2008: 517) weniger als im Vorjahr festgestellt.

Allerdings hat die Zahl der so genannten Profi-Plantagen - dazu zählen solche Plantagen mit Anbaukapazitäten von 1.000 und mehr Cannabispflanzen - im letzten Jahr von 18 auf 26 zugenommen. Dies spricht für eine zunehmende Professionalisierung der Gruppierungen.

Insgesamt wurden 127.718 Cannabis-Pflanzen sichergestellt, davon rund 91.000 in Indoor-Plantagen. Indoor-Plantagen ermöglichen durch spezielle Pflanzenzüchtungen und den Einsatz von technischem Equipment sehr viel höhere Produktionsmengen. Außerdem liegt hier der THC-Gehalt mit durchschnittlich 12% deutlich höher als bei herkömmlich im Freien gezüchteten Pflanzen. Damit steigt der Grad der Gesundheitsgefährdung und das Abhängigkeitspotenzial für die Konsumenten.

Afghanistan ist weiterhin Hauptursprungsland des in Europa und in Deutschland gehandelten Heroins. Die so genannte Balkanroute spielt beim Schmuggel von Heroin südwestasiatischer Herkunft - insbesondere aus Afghanistan über die Türkei nach Westeuropa und damit auch nach Deutschland - weiterhin eine herausragende Rolle.

Im Bereich des international organisierten Kokainschmuggels zeichnet sich ebenfalls keine Entspannung ab. Neben den USA bleibt vor allem Europa Absatzmarkt für Kokain aus Südamerika. Ost- und südosteuropäische Seehäfen haben dabei an Bedeutung gewonnen.

BKA Präsident Jörg Ziercke: "Sowohl das Beispiel Afghanistan für Heroin als auch das Beispiel Südamerika für Kokain zeigen, dass der Hebel zur Bekämpfung der Drogenkriminalität nach wie vor in den Herkunftsländern anzusetzen ist. Nur wenn es uns gelingt, die Rauschgiftproduktion in den Herkunftsländern zu unterbinden, können wir den Zufuhrdruck nach Europa und Deutschland nachhaltig schwächen.

Ziel ist es, unsere polizeilichen Gegenmaßnahmen - mehr noch als bisher - im Rahmen unserer Vorverlagerunsstrategie in Kooperation mit den Behörden vor Ort zu verstärken. Die Doppelstrategie ist dabei zum einen auf die Bekämpfung der Produktion als auch auf die Unterbindung der Zufuhr von Chemikalien ausgerichtet. Denn ohne Chemie gibt es kein Heroin oder Kokain."
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