Donnerstag, 08. Dezember 2016


Zahl der Arbeitslosen im Dezember gestiegen - Trotzdem geringste Dezemberarbeitslosigkeit seit 1991

Arbeitslosenzahl in Sachsen gestiegen - 257.570 Sachsen sind ohne Beschäftigung

(lifePR) (Nürnberg, ) Im Dezember waren im Freistaat Sachsen 257.570 Arbeitslose gemeldet. Das waren 7.266 oder 2,9 Prozent mehr als im November. Gegenüber dem Vorjahr wurden 3.497 oder 1,3 Prozent Arbeitslose weniger gezählt. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember bei zwölf Prozent.

Überblick

"Für den Anstieg in der Arbeitslosigkeit im Dezember gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen wurden in der Landwirtschaft und im Baubereich die ersten Mitarbeiter entlassen. Wegen der frostigen Witterungsbedingungen können die Außenarbeiten nicht mehr in vollem Umfang ausgeübt werden, so dass sich viele Beschäftigte bei den Arbeitsagenturen und ARGEn arbeitslos melden mussten. Zum anderen führen sinkende Teilnehmerzahlen in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik ebenfalls zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Diese überwiegend saisonalbedingte Entwicklung haben wir in jedem Jahr im Dezember zu verzeichnen und ist insofern nichts Neues. Erfreulich ist jedoch, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Ende des vergangenen Jahres mit plus 2,9 Prozent deutlich geringer ausgefallen ist als im Vorjahr (plus 4,9 Prozent). Der durchschnittliche Dezemberanstieg seit 1991 liegt bei rund 4 Prozent", erklärt Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Einen wesentlichen Grund dafür, dass die Arbeitslosigkeit nicht über den saisonal üblichen Anstieg hinausgeht, sieht Cordt in der anhaltenden Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes. "Würden die sächsischen Betriebe das Kurzarbeitergeld nicht so stark nutzen um ihre Beschäftigten im Unternehmen zu halten, würde der Blick auf den Arbeitsmarkt deutlich düsterer aussehen. An die Betriebe in der Bauwirtschaft appelliere ich, die Schlechtwetterzeiten mit dem Saisonkurzarbeitergeld zu überbrücken und die Fachkräfte und eingespielten Teams nicht zu entlassen", so Cordt weiter.

Mit dem Konjunkturpaket II wurden Anfang 2009 die Möglichkeiten zur Förderung der beruflichen Weiterbildung beschäftigter Arbeitnehmer erweitert. Wird die ausfallende Arbeitszeit zur Qualifizierung der Mitarbeiter genutzt, so kann die Agentur für Arbeit diese Fortbildung teilweise oder ganz finanzieren.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Arbeitslosigkeit liegt in den gesunkenen Teilnehmerzahlen in Arbeitsgelegenheiten, auslaufenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und übrigen Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Im Dezember waren fast 7.000 weniger Teilnehmer in diesen Maßnahmen integriert als im Vormonat. Der Grund dafür ist, dass viele Maßnahmen zum Jahresende auslaufen.

"Auch im kommenden Jahr setzen wir auf Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik.Dazu gehören Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem zweiten Arbeitsmarkt genauso, wie die Förderung von Beschäftigungsverhältnissen auf dem ersten Arbeitsmarkt und vor allem die Qualifizierung. Denn nur wenn die Qualifikation stimmt und der Bewerber zu der freien Stelle passt, lässt sich ein Arbeitsplatz erfolgreich besetzen", erklärt Cordt.

Unverändert ist die Situation bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Derzeit sind in Sachsen rund 1,4 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit sank nach aktuellen Hochrechnungen die Zahl von Oktober 2008 zu Oktober 2009 um 10.810 Personen. Das entspricht einem Beschäftigungsrückgang um 0,8 Prozent.

Ein genaueres Bild ergibt sich, wenn man die einzelnen Wirtschaftsbereiche betrachtet. Das Gesundheits- und Sozialwesen hat, wie auch in den vergangenen Monaten, von einem deutlichen Beschäftigungszuwachs profitiert und steht damit weiterhin auf Platz eins. Binnen Jahresfrist sind hier rund 13.000 neue Beschäftigungsverhältnisse entstanden (plus 7,8 Prozent). Auch der Bereich der öffentlichen Verwaltung (plus 1,9 Prozent), die sonstigen Dienstleistungen (plus 1,1 Prozent) und das Gastgewerbe (plus 1 Prozent) konnten in den vergangenen zwölf Monaten Beschäftigung aufbauen.

Deutlichste Beschäftigungsverluste im Vorjahresvergleich musste insbesondere das verarbeitende Gewerbe hinnehmen. Fast 13.300 oder 4,5 Prozent der Arbeitsplätze gingen in den letzten zwölf Monaten verloren. Auch im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung gab es innerhalb eines Jahres mit minus 6.484 Arbeitplätzen (minus 15 Prozent) einen starken Beschäftigungsabbau.

"In den kommenden Monaten wird die Arbeitslosigkeit voraussichtlich weiter steigen. Vor allem im Januar werden wir die Folgen von weiteren witterungsbedingten Entlassungen, auslaufenden befristeten Verträgen und den Entlassungen zum Quartalsende spüren. Aber auch krisenbedingt wird die Arbeitslosigkeit in Sachsen zunehmen. Wir sind auf eine steigende Arbeitslosigkeit vorbereitet. Jedem, der seinen Job verliert, werden wir schnell und unbürokratisch helfen. Auf eine gute Beratung, schnelle Vermittlungsangebote und eine zügige Leistungsgewährung können sich die Betroffenen verlassen", verspricht Cordt.

Zugang an freien Stellen

Die sächsischen Unternehmen meldeten den Agenturen und den Arbeitsgemeinschaften im Dezember insgesamt 6.189 freie Stellen. Damit nahm das Angebot im Vorjahresvergleich um 226 Stellen oder um 3,8 Prozent zu. Gegenüber November wurden 1.277 Stellen weniger gemeldet (minus 17,1 Prozent).

Mit 1.779 Stellenmeldungen war der Personalbedarf aus dem Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen am höchsten. Unternehmen aus den Branchen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz suchten 941 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Gesundheits- und Sozialwesen meldete 696 freie Stellen und aus dem verarbeitenden Gewerbe gab es 553 Stellenmeldungen. Das Gastgewerbe suchte 450 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Jugendarbeitslosigkeit

Insgesamt waren im Dezember sachsenweit 26.040 junge Arbeitslose gemeldet - der niedrigste Wert seit 1998. Gegenüber November gab es 310 junge Arbeitslose weniger (minus 1,2 Prozent). Im Vorjahresvergleich ergibt sich ein Rückgang um 7,2 Prozent (minus 2.007). Der Anteil der arbeitslosen unter 25-Jährigen an allen Arbeitslosen beträgt derzeit 10,1 Prozent (Dezember 2008: 10,7 Prozent).

Situation für Ältere

Die Zahl älterer Arbeitsloser stieg im Vormonatsvergleich um 3.440 (plus 4,1 Prozent) an. Ende Dezember waren in Sachsen 86.973 Frauen und Männer im Alter ab 50 Jahre arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 3.168 (3,8 Prozent) ältere Arbeitslose mehr. Der Anteil der über 50-Jährigen an allen Arbeitslosen liegt aktuell bei 33,8 Prozent.

Langzeitarbeitslosigkeit

Im Dezember stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen an. Mit insgesamt 76.584 Frauen und Männern wurden 1.283 Langzeitarbeitslose mehr gezählt als im November (plus 1,7 Prozent). Gegenüber Dezember 2008 nahm die Langzeitarbeitslosigkeit um 5.014 Personen ab. (minus 6,1 Prozent).

Unterbeschäftigung

Der Einsatz von Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik entlastet den Arbeitsmarkt spürbar. Um dennoch ein möglichst umfassendes Bild vom Defizit an regulärer Beschäftigung zu erhalten, lohnt sich der Blick auf die Entwicklung der Unterbeschäftigung.

Insbesondere Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, Trainingsmaßnahmen und vorruhestandsähnliche Regelungen verringern die Arbeitslosigkeit kurzzeitig (aktuelle Entlastung: 17.876). Auch die Teilnehmer an beruflichen Qualifizierungen und an Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes sowie arbeitsunfähig Erkrankte gelten nicht als arbeitslos (aktuelle Entlastung: 56.176). Frauen und Männer, die eine Förderung für die Selbstständigkeit erhalten oder sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit befinden, haben einen längerfristigen Entlastungseffekt auf die Arbeitslosigkeit (aktuelle Entlastung: 15.249).

Im Dezember lag die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) insgesamt bei 346.871. Gegenüber dem Vormonat ist sie um 1.782 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lediglich um 0,5 Prozent (1.689) zugenommen.

Entwicklung in den Direktionsbezirken

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember in allen Direktionsbezirken an. Den höchsten Anstieg im Vergleich zum Vormonat verzeichnete der Direktionsbezirk Chemnitz mit 4,3 Prozent (plus 3.831). In den Direktionsbezirken Dresden und Leipzig wurden 3,0 Prozent (plus 2.887) bzw. 0,8 Prozent (plus 548) Arbeitslose mehr gezählt.

Im Vorjahresvergleich ging die Zahl der Arbeitslosen jedoch in allen Direktionsbezirken zurück. Den stärksten Rückgang gab es im Direktionsbezirk Leipzig. Hier wurden 2.605 arbeitslose Frauen und Männer weniger gezählt (minus 3,8 Prozent). Im Direktionsbezirk Dresden gab es 875 Arbeitslose weniger (minus 0,9 Prozent). Im Direktionsbezirk Chemnitz bewegte sich die Arbeitslosigkeit nahezu auf Vorjahresniveau (minus 17).

Entwicklung in den Agenturbezirken

Im Vormonatsvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosen in allen Agenturbezirken an. Der Agenturbezirk Annaberg-Buchholz verzeichnete im Dezember den höchsten Anstieg. Mit plus 7,6 Prozent waren 1.399 Arbeitnehmer mehr ohne Job.

In Bautzen und Pirna waren es 1.768 beziehungsweise 675 Arbeitslose mehr (jeweils plus 4,9 Prozent). Der Agenturbezirk Chemnitz verzeichnete gegenüber November ein Plus von 1.178 Arbeitslosen (plus 4,3 Prozent) und in Oschatz gab es 759 (plus 3,9 Prozent) Arbeitslose mehr.

Im Vorjahresvergleich hat sich die Zahl der Arbeitslosen in den Agenturbezirken unterschiedlich entwickelt. Dabei verzeichneten die Agenturbezirke Pirna mit minus 7,2 Prozent (minus 1.120) und Bautzen mit minus 5,7 Prozent (minus 2.270) den stärksten Rückgang, gefolgt von Leipzig und Plauen mit minus 5,2 Prozent (2.860) beziehungsweise minus 2,7 Prozent (minus 378). Den deutlichsten Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnete der Agenturbezirk Dresden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen und Männer um 8,8 Prozent (plus 2.733) an. In Annaberg-Buchholz und in Oschatz stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2,2 Prozent (plus 428) beziehungsweise um 1,8 Prozent (plus 350) an.

Die niedrigsten Arbeitslosenquoten in Sachsen verzeichnete der Agenturbezirk Plauen mit 10,8 Prozent, gefolgt von Pirna mit 10,9 Prozent. In Chemnitz und Dresden beträgt die Arbeitslosenquote jeweils 11 Prozent. Die höchsten Quoten gab es in den Arbeitsagenturen Leipzig und Oschatz mit jeweils 13,1 Prozent, gefolgt von Annaberg-Buchholz und Bautzen mit jeweils 13 Prozent.

Übersicht nach Kreisen

Mit einer Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent hat der Vogtlandkreis Landkreis im Dezember sachsenweit die geringste Quote. Danach folgen die Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit jeweils 10,9 Prozent.

Im Landkreis Görlitz und der kreisfreien Stadt Leipzig liegen die Arbeitslosenquoten mit aktuell 14,5 Prozent beziehungsweise 13,6 Prozent am höchsten.

Hinweis:Daten über Bewegungen am Arbeitsmarkt sowie zur Arbeitslosigkeit in den Berufen beziehen sich nur auf die Erhebungen der Agenturen für Arbeit und der Arbeitsgemeinschaften SGB II. Von den Trägern der Grundsicherung nach dem SGB II in den Landkreisen, die am so genannten Optionsmodell teilnehmen, liegen keine Angaben vor.
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