Freitag, 09. Dezember 2016


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Verbraucherzentrale kritisiert Festpreisangebot der entega Intransparente Preise

Vergleich mit anderen Angeboten unmöglich

(lifePR) (Mainz, ) Für viel Verwirrung sorgt das Erdgas-Festpreisangebot, das der hiesige Energieversorger entega vor rund zwei Wochen seinen Kunden unterbreitet hat. Seitdem laufen die Telefone bei der Verbraucherzentrale heiß. Viele Kunden sind verunsichert, verstehen das Angebot nicht und wissen nicht, was sie tun sollen. "Die Verunsicherung ist nachvollziehbar", so Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, "denn die entega sagt nicht klar, was eine Kilowattstunde Erdgas in diesem Modell kosten soll." Man versucht stattdessen, das Angebot schmackhaft zu machen, indem man "abgesicherte Erdgasmengen" in insgesamt acht Paketen von 6.000 bis 63.000 kWh anbietet und zwar entweder für einen Zeitraum von 6 Monaten oder für 18 Monate. Dafür sollen die Kunden einen Aufschlag zwischen monatlich 23 und 87 Euro auf ihren bisherigen Abschlagsbetrag zahlen. Alternativ sind auch Einmalzahlungen zwischen 149 und 1.499 Euro möglich, die mit einem kleinen Rabatt in Höhe von 3,6 % verbunden sind. In den Kundenbriefen schreibt man, dass damit die Versorgung mit Erdgas "individuell, kalkulierbar und sicher" sei.

"Bei genauer Betrachtung erkennt man die massive Preiserhöhung, die damit verbunden ist", kritisiert Weinreuter. Teilt man die Beträge für die Einmalzahlungen durch die zugehörigen abgesicherten Gasmengen, ergeben sich defacto Preiserhöhungen von umgerechnet 2,2 bis 2,5 Ct pro kWh. Im Vergleich zum aktuellen Preis im Vertragsmodell "Clever Gas 2" in Höhe von 5,78 Ct pro kWh, bedeutet dies einen Zuschlag von 38 bis 43%. "Sichern Sie sich jetzt Ihren aktuellen Erdgaspreis für bis zu weiteren 18 Monaten", schreibt die entega dazu. Dies ist eine teure Sicherheit. Aber dies ist noch nicht alles, denn der Kunde muss sich für eine feste Menge entscheiden. Liegt der Verbrauch über dieser Menge, muss er für den Mehrverbrauch den aktuellen Marktpreis im "Clever-Gas"-Modell zahlen. Was passiert, wenn sein Jahresverbrauch daunter liegt, darüber schweigt sich das Unternehmen aus. "Wie viel man genau für die verbrauchte Erdgasmenge pro kWh zahlt, erfährt man also erst nach Erhalt der nächsten Abrechnung. Bei steigenden Erdgaspreisen ist dies sicher nicht die Lösung für die Kunden, wie die entega es verspricht", darauf weist Weinreuter hin.

Geht man vom aktuellen Preis aus und zählt die Aufschläge dazu, ergibt sich ein Preis zwischen 7,98 Ct und 8,28 Ct pro kWh - jedoch ohne Berücksichtigung von Mehr- oder Minderverbrauchsmengen. Ein solcher Preis für einen Zeitraum von 6 oder 18 Monaten würde sich nur lohnen, wenn der vergleichbare übliche Preis im kompletten Zeitraum deutlich darüber liegen würde. Es ist zu vermuten, dass die entega - wie viele andere Versorger auch
- zum 1. November oder 1. Dezember die Preise für ihre "normalen" Bezugskonditionen deutlich erhöhen wird. Nur sagt sie bisher nicht, wie hoch der Preisanstieg ausfallen wird. Man bietet also aktuell seinen Kunden ein Festpreisangebot an, dessen Konditionen unklar sind und nennt auch nicht den künftigen Preis für die mögliche Alternative. Dieser wird vermutlich erst nach Ablauf des Stichtags 12.9. bekannt gegeben, bis zu dem sich die Kunden für das Festpreisangebot entscheiden sollen. Wegen der mangelnden Preistransparenz ist auch ein Vergleich mit den Preisen konkurrierender Anbieter nicht möglich. So ist das Angebot in erster Linie ein Versuch der entega, Kunden an sich zu binden, verbunden mit einer Preissicherung auf hohem Niveau. "Transparenz sieht anders aus", so Weinreuter.

Alternativ bietet die entega auch ein Produkt mit dem Namen "ENTEGA Clever Gas INDEX" an, bei dem eine quartalsweise Ölpreisbindung festgeschrieben wird. Dieses Angebot wird als innovativ gepriesen, "weil ähnlich zukunftsweisende Angebote für Endverbraucher bislang kaum möglich waren". Was daran innovativ ist, nachdem die Gasbranche seit Jahren ihre Preiserhöhungen mit der Ölpreisbindung rechtfertigt, bleibt offen.

Solange keine Preistransparenz gegeben ist, kann die Verbraucherzentrale nicht dazu raten, das Festpreisangebot anzunehmen. Wenn man berücksichtigt, dass der Rohölpreis auf den internationalen Märkten in den letzten Wochen um etwa 25 % gefallen ist, und man davon ausgehen kann, dass sich dies - wenn dieser Trend anhält - spätestens in einem halben Jahr auch bei den Erdgaspreisen bemerkbar machen wird, sind Festpreisangebote auf diesem Niveau nicht zu empfehlen. Dagegen kann sich ein Blick auf die Angebote der Konkurrenz lohnen. Für Kunden aus Mainz und Umgebung liefern neben der entega noch weitere fünf Anbieter Erdgas, zu denen man wechseln könnte. Vor allem, wenn die zu erwartende Preiserhöhung der entega bekannt wird, sollte man einen Versorgerwechsel gründlich prüfen.

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