Samstag, 10. Dezember 2016


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Die größten Fußangeln für Bauherren

Bau- und Leistungsbeschreibungen und Bau- verträge oft unzureichend

(lifePR) (Mainz, ) Bei Bau- und Leistungsbeschreibungen, aber auch bei Bauverträgen liegt einiges im Argen, diese Erfahrung macht die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bei ihren Beratungen für private Bauherren immer wieder. Die größten Schwachstellen sind lückenhafte oder unpräzise Bau- und Leistungsbeschreibungen sowie irreführende und für Verbraucherinnen und Verbraucher nachteilige Vertragsklauseln. Bauherren und Immobilienkäufer können diese Mängel teuer zu stehen kommen. Außerdem können sie langwierige rechtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen.

Rund 80 Prozent der Eigenheime und Eigentumswohnungen werden heute nicht mehr mit dem Architekten gebaut, sondern vom Bauträger, Bauunternehmer oder als Fertighaus gekauft. Daher haben viele Bauherren keinen Fachmann zur Qualitätssicherung an ihrer Seite. Als Laien müssen sie mit Profis verhandeln und viele Entscheidungen treffen, deren Tragweite sie oft nur schwer beurteilen können. "In Deutschland gibt es kein auf die Bedürfnisse privater Bauherren zugeschnittenes Baurecht und auch keine gesetzlichen Vorgaben für aussagekräftige Leistungsbeschreibungen", kritisiert Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Umso wichtiger ist es, mögliche Fallstricke im Vorfeld zu kennen und sich umfassend zu informieren."

Die Bau- und Leistungsbeschreibung stellt das "Fundament" eines Bauvorhabens dar. Sie sollte daher alle Angaben zum Rohbau, zur Haustechnik und zum Innenausbau enthalten. Die in der Praxis verwendeten Beschreibungen lassen aber oft sehr zu wünschen übrig. "Das größte Manko sind fehlende oder ungenau beschriebene Leistungen", so die Erfahrungen von Uta Maria Schmidt, Bauexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. "Da werden beispielsweise massive Typenhäuser ab Oberkante Bodenplatte, also ohne Keller und Bodenplatte, angeboten oder es fehlen bei schlüsselfertigen Häusern Erdarbeiten oder Hausanschlüsse. Begriffe wie "hochwertige Sanitärobjekte" oder "Armaturen namhafter Hersteller" bieten dem Unternehmer einen großen Interpretationsspielraum." Oft heißt es auch "Änderungen aus organisatorischen, technischen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorbehalten". In solchen Fällen ist die Leistungsbeschreibung nicht viel wert. Auch der vielfach praktizierte Verweis auf DIN-Normen zum Beispiel beim Lärmschutz ist ungenügend, da dort lediglich Mindeststandards festgelegt sind, die in der Praxis oft nicht ausreichen.

Die häufigsten Probleme bei Bauverträgen traten im Zusammenhang mit der fristgerechten Fertigstellung des Bauvorhabens auf sowie mit Baumängeln und der vertraglichen Absicherung der Gewährleistungsansprüche. So konnten Bauherren z. B. nicht zum vereinbarten Zeitpunkt einziehen, weil der Unternehmer den Bau nicht rechtzeitig fertig gestellt hatte oder die Beseitigung von Mängeln noch ausstand. Mehrkosten durch die Anmietung von Lagerräumen oder Hotelzimmern waren die Folge.

70 bis 80 Prozent der Bauwerkverträge wird nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen Teil B (VOB/B) abgeschlossen. "Dies führt aber in wichtigen Punkten, zum Beispiel bei der kürzeren Verjährungsfrist, zu massiven Nachteilen für private Bauherren", stellt Thomas Somplatzki, Vertragsanwalt für Baurecht der Verbraucherzentrale, fest. "Für Bau- und Rechtslaien ist das Regelwerk zudem kompliziert, wenig konkret und kaum praktikabel."

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, einen garantierten Festpreis sowie einen genau datierten Fertigstellungstermin für das Bauvorhaben zu vereinbaren. Für den Fall, dass diese Vereinbarungen nicht eingehalten werden, sollte eine Vertragsstrafe vereinbart werden. Um Mängelansprüche durchsetzen zu können, ist ein vertraglich vereinbarter Sicherungseinbehalt sinnvoll oder eine Bankbürgschaft, die der Unternehmer stellt. Beim Sicherungseinbehalt wird ein Teil der Kaufsumme über den Zeitraum der Gewährleistungsfrist einbehalten.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bei der Verbraucherzentrale Bau- und Leistungsbeschreibungen und Bauverträge prüfen lassen. So lassen sich mögliche Fußangeln frühzeitig erkennen und man kann Problemen vorbeugen. Bauherren erhalten zudem Argumentationshilfen für die Vertragsverhandlungen mit dem Unternehmer.

Wer sich im Vorfeld informieren will, findet auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter www.vz-rlp.de auch zahlreiche Ratgeber rund um das Thema Bauen. Der Ratgeber Musterbaubeschreibung enthält beispielsweise detaillierte Informationen und eine Checkliste zum Ausfüllen.

Persönliche Beratung bietet die Verbraucherzentrale nach Terminvereinbarung unter der Rufnummer 01805 60 75 60 20, montags und donnerstags von 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr sowie dienstags von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr in Mainz an (0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; aus den Mobilfunknetzen gelten die Tarife der jeweiligen Anbieter).

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