- Pressemitteilung BoxID 337210
Wenn Schüler sich selbst verletzen: Studie untersucht neue frühzeitige Therapie
Jugendlichen, die sich selbst körperlich verletzen (meist durch sogenanntes "ritzen") und im Zusammenhang damit häufig auch andere riskante und selbstschädigende Verhaltensweisen zeigen, soll mit einer neuen verhaltenstherapeutischen Kurzzeittherapie frühzeitig und effektiv geholfen werden. Ärzte und Psychologen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg haben dazu jetzt eine Studie zur Therapie von rund 70 betroffenen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren aus Heidelberg und dem Rhein-Neckar Kreis gestartet. Ziel ist es, die Wirksamkeit der speziell an Jugendliche angepassten sowie mit Hilfe eines Manuals standardisierten und damit einfach anwendbaren Therapieform mit herkömmlichen Behandlungsmethoden zu vergleichen. Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt das Forschungsprojekt mit 40.000 Euro.
Bei dem neuen Behandlungskonzept sollen die Jugendlichen in therapeutischen Einzelsitzungen Handlungs- und Denkstrategien lernen, die sie sofort in ihr alltägliches Leben integrieren können und die ihnen dabei helfen sollen, das selbstverletzende Verhalten zu reduzieren oder ganz zu beenden. Die passende Strategie hängt dabei stark vom Jugendlichen und der jeweiligen Situation ab .In akuten Stresssituationen kann es z.B. helfen eine SMS an die beste Freundin zu senden, Musik zu hören, bestimmte Düfte zu riechen oder auf eine scharfe Peperoni zu beißen, die sie mit sich tragen. Hierbei geht es darum den Selbstverletzungsdruck durch alternative Handlungen oder starke Sinnesreize zu reduzieren. Auch das Erkennen und Regulieren von Gefühlen ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie sowie die Stärkung des Selbstwertgefühls. Dabei hilft ein Manual, welches die Jugendlichen gemeinsam mit dem Therapeuten bearbeiten und nach der Therapie als Hilfe auch zuhause nutzen können.
Die Jugendlichen werden zufällig der neuen Therapie oder einer herkömmlichen Behandlungsmethode zugeordnet. Alle erhalten vor der Behandlung, direkt nach der Behandlung und sechs Monate danach eine umfassende Diagnostik mit Hilfe von strukturierten Interviews und Fragebögen.
Wohlbefinden und Selbstwertgefühl verbessern
"Wir möchten herausfinden, ob die neue Therapie den betroffenen Schülern entscheidend besser hilft als herkömmliche Verfahren", erklärt Studienleiter Dr. Michael Kaess, der die Studie gemeinsam mit Professor Dr. Romuald Brunner, leitender Oberarzt, und Professor Dr. Franz Resch, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, initiiert hat. Nicht nur das selbstverletzende Verhalten soll vermindert oder gar eingestellt werden. Auch Wohlbefinden und Selbstwertgefühl sollen verbessert und Depressivität verringert werden.
"Dieses Störungsbild ist noch wenig erforscht", erklärt Professor Brunner. "Wir möchten überprüfen, ob gleichzeitig vorliegende psychosoziale Beeinträchtigungen oder belastende Kindheitserfahrungen Verlauf und Erfolg der Therapie beeinflussen und wie wir diese Faktoren in eine Therapieprognose einbeziehen können."
Eltern und betroffene Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten können sich gerne in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie melden.
Viele Schüler zeigen riskante Verhaltensweisen
Ein hohes Maß an Jugendlichen ist gefährdet. Dies zeigt eine repräsentative Untersuchung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg im Jahr 2010 als deutscher Beitrag zu der von der Europäischen Kommission geförderten Studie "Saving and Empowering Young Lives in Europe" (SEYLE):
Unter mehr als 1.400 Schülern im Alter von 14 bis 16 Jahren aus dem Rhein-Neckar-Kreis gab ein Drittel aller Mädchen an, sich schon einmal absichtlich eine Schnittverletzung zugefügt zu haben; rund 18 Prozent der Schülerinnen und 8 Prozent der Schüler tun dies häufiger. Rund ein Drittel der Mädchen berichtet von Depressivität, 15 Prozent hatten nach eigenen Angaben bereits Selbstmordabsichten, acht Prozent haben bereits versucht, sich umzubringen. Jungen liegen bei Drogen und Alkohol vorn: Zwölf Prozent trinken wöchentlich oder häufiger Alkohol, 15 Prozent haben schon Erfahrungen mit Drogen gemacht. 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler zeigte eine riskante Internetnutzung, bei knapp 5 Prozent gehen Experten gar von einer exzessiven Nutzung aus mit schwerwiegenden Konsequenzen für die seelische Gesundheit der Schüler. Aktuell werden die Daten aller elf Teilnehmerländer in einer großen Datenbank analysiert. Insgesamt hatten über 12.000 Schüler an der Studie teilgenommen.
Informationen im Internet: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kurzzeittherapie-bei-selbstschaedigenden.127255.0.html
Über die Dietmar Hopp Stiftung
Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte zu ermöglichen. Das Stiftungsvermögen besteht aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung, die zu den größten Privatstiftungen Europas zählt, über 300 Millionen Euro ausgeschüttet. Gefördert werden gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Sport, Medizin, Soziales und Bildung. Um kraftvoll und nachhaltig Nutzen in den vier Förderbereichen zu stiften, verwirklicht die Dietmar Hopp Stiftung ihre satzungsgemäßen Zwecke ferner durch gezielte Förderaktionen. Der Schwerpunkt der Förderaktivitäten liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich der Stifter besonders verbunden fühlt. Die Dietmar HoppStiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen, im Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und in der Sportregion Rhein-Neckar e.V.
Über Universitätsklinikum Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
www.klinikum.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren
Berufe hautnah erleben
, Bildung & Karriere, Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken
Am 20. Juni fällt der Startschuss zur 11. IHK-Bildungsmesse. Über 150 Aussteller aus allen Branchen und Berufsbereichen werden dann drei Tage lang das Veranstaltungscenter...
Traditioneller Tag der offenen Tür für Studieninteressierte am 25. Mai 2013 an der Technische Hochschule Wildau
, Bildung & Karriere, Technische Hochschule Wildau [FH]
Am kommenden Sonnabend, dem 25. Mai 2013, öffnet sich die Technische Hochschule Wildau wieder speziell für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer,...
Seminar "Visionär der Neuen Zeit" in Hamburg mit Margit Kronenberghs
, Bildung & Karriere, Margit Eres Kronenberghs
. Termin: 16. Juni 2013 Beginn: 11.00 Uhr Dauer: ca. 5 - 6 Stunden Die Zeit ist schwer zu berechnen, sie hängt davon ab, wie viele Themen bei den Teilnehmern...



