Mittwoch, 07. Dezember 2016


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Am Computer "Virtuelle Patienten" behandeln

Internationale Auszeichnung im Bereich der Lehrforschung / Heidelberger Kinderarzt bekommt "Miriam Friedman Ben-David New Educator Award"

(lifePR) (Heidelberg, ) Lernen an praxisrelevanten Fällen ? das war schon immer das Ziel der praktischen Ausbildung in der Medizin. Leider fehlt es manchmal an passenden Patienten. Dr. Sören Huwendiek, Arzt und Master of Medical Education an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, hat maßgeblich an der Einbindung des Projektes "Virtuelle Patienten" in den Lehrplan der medizinischen Fakultät mitgearbeitet. Mit einem interaktiven Computerprogramm können Medizinstudenten virtuelle Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung eigenständig behandeln. Auf der Tagung der Association for Medical Education in Europe (AMEE) erhielt Huwendiek für herausragende Leistungen und besonderes Engagement in der medizinischen Lehre den mit 2.000 Euro dotierten "Miriam Friedman Ben-David New Educator Award".

Am eigenen Computer per Internet können Medizinstudenten der Heidelberger Fakultät ihre Patienten vom Aufnahmegespräch über klinische Untersuchung und Diagnostik bis hin zur erfolgreichen Therapie begleiten. Dabei müssen sie aktiv durch Freitexteingabe Gespräche führen, selbstständig Entscheidungen treffen, weitere Untersuchungen anordnen und die Diagnose mit einem bestimmten Code verschlüsseln. Per Mausklick auf ein Stethoskop können sie Atemgeräusche hören, ein weiterer Klick und Röntgenbilder oder Laborwerte erscheinen auf dem Bildschirm. Zu jeder Entscheidung erhält der Student ein direktes Feedback. Das interaktive Lernprogramm, das auf realitätsnahen Fallbeispielen aus der Klinik aufgebaut ist, soll die Studenten so gut wie möglich auf den wirklichen Kontakt mit Patienten vorbereiten. Ersetzen kann man die echte Begegnung mit dem Patienten natürlich nicht.

"Ich hatte mir auch einmal überlegt Lehrer zu werden"

Dr. Sören Huwendiek hatte schon immer Spaß an der Lehre und erwarb nach seinem Studium in einer berufsbegleitenden Ausbildung den Titel "Master of Medical Education" (Universität Bern). Zusammen mit Professor Dr. Martin Haag, Medizinische Informatik der Fachhochschule Heilbronn, leitet er das Zentrum für virtuelle Patienten an der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Huwendieks Interesse gilt vor allem der Frage, welchen Sachverhalt Medizinstudenten mit welcher Methode am besten lernen. Aber nicht nur der objektivierbare Lernerfolg ist entscheidend, sondern auch die Meinung der Studenten, die in Diskussionsrunden mit den Dozenten erfragt wird. Eines seiner Projekte sind die virtuellen Patienten, mit dem der 35-jährige bereits zahlreiche Preise gewonnen hat. Nun hat er vor, an der Universität in Maastricht, noch einen weiteren Doktortitel im Bereich der Lehrforschung zu erwerben, nach dem Motto: "Man kann sich gar nicht genug auf diesem Gebiet weiterbilden."

Lehrforschung für praxisnahen Unterricht

In einem hoch spezialisierten Universitätskrankenhaus stehen nicht immer die passenden Fälle für den praktischen Unterricht am Patienten zur Verfügung. Die Studenten betreuen den Patienten nicht von Anfang bis Ende und sind somit bei wichtigen Entscheidungen nicht eingebunden. Auch schwere Notfälle treffen in der Regel nicht pünktlich zum Studentenunterricht in der Klink ein. "Durch virtuelle Patienten lernen die Studierenden, Denk-, Handlungs- und Entscheidungsprozesse nachzuvollziehen, die sie als Ärzte treffen müssen", erklärt Huwendiek.

Der Hauptteil der Arbeit beim Erstellen der virtuellen Patienten fließt in das sogenannte "Clinical Reasoning". Dabei geht es um die Frage, wie der klinisch erfahrene Arzt zu einer bestimmten Diagnose kommt, und wie man diesen Prozess transparent und nachvollziehbar für den Studenten gestalten kann. Neben virtuellen Patienten beschäftigt sich Huwendiek auch mit dem Einsatz von Schauspiel-Patienten im Studentenunterricht und prüft, für welche Unterrichtseinheiten sich der Aufwand besonders lohnt.

Ausbau des Projektes für die gesamte Medizinische Fakultät

Virtuelle Patienten werden in der Kinderheilkunde schon seit 1999 eingesetzt, seit 2005 werden sie auch zu Prüfungen genutzt. Die teilnehmenden Studenten geben immer wieder an, ihr Wissen aktiv anwenden zu können und fühlen sich hervorragend auf die Praxis vorbereitet. Sie wünschen sich ausdrücklich den Einsatz virtueller Patienten in allen Fachbereichen. Daran arbeitet Huwendiek. Mit Studiengebühren, wird das Projekt aktuell jedes Jahr auf zwei weitere Fachbereiche ausgedehnt. Dass es sich nicht nur um eine Spielerei, sondern um eine echte Verbesserung der medizinischen Lehre handelt, zeigen die zahlreichen Publikationen und das wachsende Interesse an virtuellen Patienten auf internationaler Ebene.

Miriam Friedman Ben-David New Educator Award

Der "Miriam Friedman Ben-David New Educator Award" wird von der Association for Medical Education in Europe (AMEE), der größten internationalen Vereinigung in der medizinischen Lehre, ausgeschrieben. Bewerber dürfen nicht länger als 5 Jahre in der medizinischen Lehre tätig gewesen sein. Honoriert werden Design und Implementierung von innovativen Lehrmethoden in der Medizin. Miriam Friedman Ben-David selbst war eine begnadete und von vielen bewunderte Professorin, die sich um die Lehrforschung verdient gemacht hat. Der Preis wurde 2008 zum ersten Mal verliehen.

Literatur: www.medizinische-fakultaet-hd.uni-heidelberg.de/Publikationen.109883.0.html?&FS=0&L=

Weitere Informationen:
www.virtuellepatienten.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de/I---Allgemeine-Paediatrie-Stoffwechsel-Gastroenterologie-Nephrologie.106613.0.html

Universitätsklinikum Heidelberg

Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

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