Samstag, 03. Dezember 2016


Es gibt keine Alternative zur Vernunft

Theater Heilbronn eröffnet mit Lessings "Nathan der Weise" die Spielzeit 2008/2009 / Neuer Schauspieldirektor Alejandro Quintana gibt seinen Einstand

(lifePR) (Heilbronn, ) Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch? Diese Frage legte Gotthold Ephraim Lessing seinem Nathan in den Mund. Wie aktuell sie ist, zeigt sich allein daran, dass auch heute noch Fragen der Identität fast ausschließlich an der Religion festgemacht werden. Einwanderer werden vornehmlich als Muslime definiert, die abendländische, westliche Bevölkerung hingegen als Christen. Dies kommt einer Verstümmelung der Persönlichkeiten gleich und birgt ein großes Gewaltpotential, das sich immer wieder entlädt. Für eine Stadt wie Heilbronn, in der 130 Nationalitäten zusammenleben, ist das friedliche Miteinander der Kulturen und das Verständnis füreinander existentiell und die größte Herausforderung für die Zukunft.

Deshalb eröffnet das Theater Heilbronn die Saison 2008/2009 mit Lessings "Nathan der Weise", einem Stück, das programmatisch für die gesamte weitere Spielzeit ist. Premiere ist am 26. September um 19.30 Uhr im Großen Haus. Regie führt der neue Schauspieldirektor Alejandro Quintana. Er will die "Weisheitstropfen" Lessings, die vielen klugen Gedanken und Utopien, auf ihre Realisierbarkeit befragen. In dieser Inszenierung geben viele neue Schauspieler ihren Einstand.

Lessing führt die Zuschauer nach Jerusalem während der Zeit des dritten Kreuzzuges: Der Jude Nathan kehrt von einer Geschäftsreise zurück. Da erfährt er, dass sein Haus gebrannt und seine Tochter Recha nur wie durch ein Wunder überlebt hat. Ein christlicher Tempelherr rettete das Mädchen aus den Flammen. Als Nathan ihm persönlich danken möchte, reagiert der schroff. Er möchte als christlicher Tempelritter nicht mit einem Juden verkehren. Doch da er ein feinsinniger, kluger Mann ist, verschließt er sich immer weniger Nathans Argumenten, dass sie beide ebenso wie die anderen Christen und Juden doch in erster Linie Menschen seien und dann erst Angehörige ihrer Religion. Als der Tempelritter dann auch noch Recha wiedertrifft, verliebt er sich sofort und hält bei Nathan um ihre Hand an. Doch warum weicht Nathan ihm da aus? Daja, das Dienstmädchen des Juden, steckt ihm schließlich, dass Recha nur die angenommene Tochter Nathans und eigentlich auch Christin sei. Eine Tatsache, die den Tempelherrn zutiefst empört und die er seinem geistlichen Oberhaupt, dem Patriarchen zuträgt. Für den steht auf diesen "Raub" eines Christenkindes aus der religiösen Gemeinschaft ganz klar die Todesstrafe: "Der Jude wird verbrannt".


Regisseur Quintana sieht in Nathan mehr als die Gestalt gewordene Idee von Vernunft, Toleranz und Nächstenliebe. Nathan ist niemand, der die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, sondern er ist vor allem ein Mensch, der in seinem Leben geliebt und gelitten hat, und der von vielen schrecklichen Erlebnissen geprägt wurde. Nathan weiß: Es gibt keine Alternative zur Vernunft. Er verkörpert den aufgeklärten Menschen, der seinem Verstand vertraut und der auch andere von der Benutzung des eigenen Kopfes überzeugen will. Alejandro Quintana will mit dieser Nathan- Inszenierung keine Ideologien, sondern lebendige Menschen mit all ihren Leidenschaften und komplizierten Verstrickungen auf die Bühne bringen. Er sieht den "Nathan", den Lessing als bissige Polemik gegen den Fanatismus des Hamburger Pastors Goeze schrieb, als Krimi und teilweise als schwarze politische Komödie.

Nathan der Weise
Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing

Premiere: 26. September, 19.30 Uhr; Großes Haus
Regie: Alejandro Quintana
Bühne: Lars Betko
Kostüme: Matthias Werner
Musik: Rainer Böhm

Es spielen: Sylvia Bretschneider (Daja), Nils Brück (Saladin), Nancy Fischer (Recha), Frank-Lienert-Mondanelli (Nathan), Rolf-Rudolf Lütgens (Patriarch), Till Schmidt (Klosterbruder), Katharina Voß (Sittah), Kai Windhövel ( Derwisch), Sebastian Winkler (Tempelherr)

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