Samstag, 10. Dezember 2016


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Pietismusforscher Martin Weyer-Menkhoff geht in Ruhestand

(lifePR) (Schwäbisch Gmünd, ) Der evangelische Theologe Prof. Dr. Martin Weyer-Menkhoff geht zum Ende des Sommersemesters in den Ruhestand. KollegInnen, SchülerInnen, Studierende und Freunde würdigten im Rahmen seiner Abschiedsvorlesung nicht nur seine Verdienste in Lehre und Forschung, sondern auch seine menschenfreundliche Kollegialität.

Weyer-Menkhoff war viele Jahre Direktor des Ökumenischen Instituts für Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. In den vergangenen Jahrzehnten wurde er zu einem international anerkannten Pietismusforscher. Insbesondere seine deutsch- und englischsprachigen Publikationen zu dem in Göppingen gebürtigen Christoph Friedrich Oetinger werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in der angelsächsischen Fachwelt als maßgeblich zitiert und rezipiert. Ein erster Höhepunkt seiner Forschungen war seine Dissertation, die die Entstehung von Oetingers Theologie nachzeichnete und dabei ein überraschendes Bild sehr konsequenter Systematik aufdeckte. Es folgten weitere vertiefende Studien, namentlich zur Biographie Oetingers, diese auch in allgemeinverständlicher Sprache, die Oetinger einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Zuletzt erschien von ihm in diesem Frühjahr eine rund 500 Seiten umfassende chronologisch-systematische Bibliographie der Werke Oetingers. Dies ist überhaupt die erste selbstständig publizierte Bibliographie des schwäbischen Pietisten und wird der künftigen Oetinger-Forschung ganz neue Aufgaben und Möglichkeiten eröffnen. Martin Weyer-Menkhoff ist kein hochspezialisierter Fachtheologe, sondern wie Oetinger ein interdisziplinär arbeitender Wissenschaftler, dem es schon um "Ganzheitlichkeit" ging, lange bevor das ein Modewort wurde. Seine "Methode 'Alles zusammenzunehmen' macht damit Ernst, dass alles mit Gott, dem Schöpfer, zusammenhängt, und es nichts gibt, was nicht mit ihm zu tun hätte" - das schrieb Weyer-Menkhoff über Oetinger, gilt aber auch für ihn selbst. Ihm geht es um Bildung in all ihren Dimensionen und nicht reduziert auf die Aspekte, die gerade gefragt sind.

Der gebürtige Berliner Weyer-Menkhoff war nach seinem Studium zunächst als Gemeindepfarrer in Hessen tätig. Als Professor für Evangelische Theologie und Religionspädagogik wirkte er über mehr als 20 Jahre an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

In seiner gut besuchten Abschiedsvorlesung mit dem Titel "Das Alte Testament zu Berlin - eine Passionsgeschichte" bezog Weyer-Menkhoff Position in einer theologischen Auseinandersetzung um die Kanonizität des Alten Testaments, die ein Theologe der Berliner Humboldt-Universität ausgelöst hatte. In der für ihn typischen Dialektik unterstrich Weyer-Menkhoff einerseits die unverzichtbare Bedeutung des Judentums und seiner Heiligen Schrift für das Christentum, wies aber auch jeden Versuch einer religiösen Enteignung des Judentums durch das Christentum entschieden zurück.

Nach seinem Vortrag würdigte die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Prof. Dr. Astrid Beckmann insbesondere Weyer-Menkhoffs Verdienste als Dekan und Studiendekan sowie sein Engagement für den Austausch mit dem Levinsky College of Education in Tel Aviv. Der Akademische Oberrat Dr. Axel Wiemer, der die Veranstaltung moderierte, würdigte besonders Weyer-Menkhoffs Leidenschaft dafür, Studierende zu eigenem Denken zu führen, und seine tief menschliche Art. Vor allem diese bildete einen Akzent mehrerer Grußworte. Der katholische Kollege Prof. Dr. Andreas Benk, hob hervor, dass Weyer-Menkhoff wie Oetinger Gelehrter und zugleich Seelsorger gewesen sei, nie Wissenschaft an den Menschen vorbei betrieben habe, sondern stets sensibel für die Nöte seiner Studierenden und Kollegen gewesen sei. Seine Warmherzigkeit und ungekünstelte Authentizität werde dem Institut fehlen. Schuldekan Dr. Andreas Hinz würdigte Weyer-Menkhoffs Wirken aus kirchlicher Perspektive, zugleich aber als sein früherer Assistent und Promovend. Er sei von ihm von Anfang an stets auf Augenhöhe behandelt und als Gesprächspartner und Kollege ernstgenommen worden. Mit einem Augenzwinkern trug der frühere Kollege Prof. em. Dr. Manfred Köhnlein sein Dankeswort vor: Er verlas eine vermeintliche Tischrede des Reformators Martin Luther, in der dieser prophetisch den reichen Segen vorhergesehen hätte, den "ein anderer Martinus" für die Ostalb bedeuten werde. Und nicht zuletzt dankten die Studierenden ihrem Professor für die vielen Denkanstöße, die ihnen seine Theologie gegeben habe - und übereichten dem "Kommilitonen Weyer-Menkhoff" zum Abschied einen Korb mit allen Zutaten zur legendären Reispfanne der Fachschaft. Virtuos von Tim Weise dargebotene Klavierwerke von Beethoven und Gershwin umrahmten die Abschiedsvorlesung, an deren Ende Weyer-Menkhoff von der Rektorin seine Abschiedsurkunde ausgehändigt wurde.

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