Samstag, 03. Dezember 2016


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Deutsches Gesundheitssystem leistungsfähig aber teuer

Viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, hohe Ärztehonorare und hohe Verwaltungskosten machen das deutsche System teuer - riskantes Verhalten bei Jugendlichen

(lifePR) (Berlin/Paris, ) Deutschland hat ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleistet. Allerdings gibt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung gewährleisten, viel Geld für sein Gesundheitssystem aus. Wichtige Kostenfaktoren sind viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, relativ hohe Ärztehonorare und überdurchschnittlich hohe Verwaltungskosten. Dagegen sind in Zukunft in der Krankenpflege auch aufgrund der eher mäßigen Bezahlung Engpässe zu befürchten. Dies geht aus der internationalen Vergleichsstudie Gesundheit auf einen Blick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die heute in Paris veröffentlicht wurde.

So gab Deutschland im Jahr 2007 10,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus (Grafik). Das ist nach den USA, Frankreich und der Schweiz der höchste Wert in der OECD. Auch die Ausgaben pro Kopf liegen kaufkraftbereinigt um 20 Prozent über dem OECD-Schnitt (Grafik). Allerdings sind in Deutschland, anders als in den meisten anderen Ländern, die Gesundheitsausgaben nicht schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung und das bei einer vergleichsweise rasch alternden Bevölkerung.

Liegt Deutschland bei den Gesundheitsausgaben innerhalb der OECD an 10. Stelle, steht es bei der Lebenserwartung nur an Platz 14 (Grafik). Bei Herzinfarkt (Grafik) und unterschiedlichen Krebsleiden (Grafik) liegt die Todesrate mal knapp über, mal unter dem OECD-Schnitt. Auch die Kindersterblichkeit ist etwa so hoch wie im OECD-Schnitt (Grafik). In vielen OECD-Ländern sind die Menschen gesünder, leben länger und das bei geringeren Kosten. "Alle Länder können die Leistungen ihres Gesundheitssystems verbessern. Solche Verbesserungen bedeuten nicht unbedingt höhere Ausgaben", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Ungesunde Lebensweise ist in Deutschland in gleichem Maße verbreitet, wie in anderen Ländern. Allerdings geht die Entwicklung häufig in die falsche Richtung. So liegt bei der erwachsenen Bevölkerung der Alkohol- und Tabakkonsum etwa im OECD-Schnitt. Deutschland gehört jedoch zu den wenigen Ländern, in denen der Anteil der rauchenden Frauen in den vergangen Jahren zugenommen hat (Grafik). Bedenklich ist auch die Situation bei Jugendlichen: Sie bewegen sich vergleichsweise wenig und essen nur selten Obst. Bei 15-jährigen Mädchen etwa liegt Deutschland mit einem Raucherinnenanteil von 22 Prozent nach Österreich und Tschechien an 3. Stelle in der OECD (Grafik). Gleichzeitig hat sich bei den 15-Jährigen Mädchen der Anteil der Fettleibigen zwischen 2001 und 2006 verdoppelt und ist damit so schnell gestiegen wie in fast keinem anderen OECD-Land (Grafik).

Trotz eines erheblichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1.000 Einwohner kommen hier 5,7 Krankenhausbetten, im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten (Grafik). Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden kommt mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. Entsprechend hat Deutschland bezogen auf die Bevölkerung nach Österreich und Frankreich die höchste Zahl an Krankenhauseinweisungen (227 je 1000 Einwohner, OECD-Mittel 158, Niederlande 109) und nach Japan die längsten Krankenhausaufenthalte (7,8 Tage, OECD-Mittel 6,5 Tage, Dänemark 3,5 Tage) in der OECD.

Die Gesamtausgaben für Medikamente liegen pro Kopf kaufkraftbereinigt um 17 Prozent über dem OECD-Schnitt (Grafik). Die von den Krankenkassen finanzierten Kosten für Medikamente sind mit die höchsten in der OECD.

Mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner hat Deutschland eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner, Grafik). Regional sind die Ärzte in Deutschland gleichmäßiger verteilt als in fast allen anderen OECD-Ländern, für die diese Daten verfügbar sind. Die Facharztdichte liegt mit 2,0 je 1000 Einwohnern etwas über dem OECD-Schnitt von 1,8.

Mit 7,5 Arztbesuche pro Jahr pro Einwohner gehen den Menschen in Deutschland etwas häufiger zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner pro Jahr). Allerdings hat in Deutschland die Zahl der Arztbesuche so schnell zugenommen wie in fast keinem anderen OECD-Land (Grafik).

Die Bruttoeinkommen der selbständigen Allgemeinmediziner liegen nach Abzug der Praxiskosten in Deutschland beim 3,3-fachen des Durchschnittslohns. Das ist nach Großbritannien, Mexiko und den USA das höchste relative Einkommen in den 13 OECD-Ländern, für die diese Daten erhältlich sind. Selbstständige Fachärzte verdienen in Deutschland das 4,1-fache des Durchschnittslohns. Dieser Wert wird in acht OECD-Länder übertroffen.

Der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesundheitsausgaben ist mit 5,7 Prozent deutlich höher als in den meisten anderen OECD-Ländern. Bei einem vergleichbaren Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP machen in der Schweiz die Verwaltungskosten nur 4,8 Prozent der Gesamtausgaben aus, in Österreich gar nur 3,8 Prozent.

Der vergleichsweise guten Ausstattung mit Ärzten steht eine eher mäßige Versorgung mit anderem medizinischen Fachpersonal gegenüber. So gibt es in Deutschland pro Arzt weniger Krankenschwestern oder Krankenpfleger als im OECD-Mittel. Auch der Nachwuchs bei Krankenpflegern und Krankenschwestern ist deutlich schlechter gesichert als bei Medizinern. Auf knapp 1000 Krankenpfleger und Krankenschwestern kommen in Deutschland pro Jahr nur rund 30 Absolventen, im OECD-Mittel sind es dagegen 40. Auch die Bezahlung von Krankenschwestern liegt anderes als bei Ärzten nur im OECD-Durchschnitt.

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