Sonntag, 04. Dezember 2016


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Schimanskis Jacke hielt 43 Einsätzen stand

Kommissar als Kultfigur in der LWL-Ausstellung "Helden"

(lifePR) (Hattingen, ) Sie werden aufs Podest gehoben, gefeiert und gestürzt. Es hat sie immer gegeben. Zu jeder Zeit und in jeder Kultur: Helden. Die einen verehrte Vorbilder, die anderen unangepasste Querköpfe. So einer ist Horst Schimanski, der gut 20 Jahre lang als Tatort-Kommisar im Ruhrgebiet mit Herz, Faust und Schnauze auf Verbrecherjagd ging und Kultstatus erreichte.

Ab 12. März ist das "Schimmi"-Markenzeichen, seine verwaschene Militärjacke, als eins von über 800 Exponaten in der Ausstellung "Helden. Von der Sehnsucht nach dem Besonderen" zu sehen, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zeigt. Die Schau spannt einen Bogen von Rom bis ins Revier und damit auch zum legendären Duisburger Tatort-Ermittler.

Schimanski-Darsteller Götz George hatte das Kleidungsstück selbst in einem Army-Shop entdeckt - eine M-65-Feldjacke der US-Streitkräfte. Ihr Fernsehdebüt feierte die Jacke am 28. Juni 1981. 29 Tatort-Folgen und 14 weitere Schimanski-Filme lang hielt das robuste Baumwollgewebe den oft rabiaten Einsätzen stand. Dann wanderte die Jacke in den WDR-Fundus und von dort 2007 ins Stadtmuseum Duisburg, wo sie zur begehrtesten Leihgabe avancierte - ausgerechnet in der Stadt, die ihren guten Ruf durch den schnoddrigen Prügel-Bullen anfangs stark angekratzt sah. In den Medien war die Rede von "infamen Beleidigungen eines jeden anständigen Ermittlers", von "Gassenjargon", "Spelunken-Milieu", von "blödem Macho-Gehabe". Erst nach Jahren schlug die Kritik in Kult um. 1992 beantragte die Juso-Hochschulgruppe sogar, die Universität Duisburg nicht nach dem Kartografen Gerhard Mercator, sondern nach Horst Schimanski zu benennen - vergeblich.

Die Kunstgestalt Schimanski, erdacht in der Münchener Bavaria-Filmproduktion und verkörpert von dem Berliner Schauspieler George, war zur Identifikationsfigur des Ruhrgebietes geworden. Die Menschen im Revier hatten ihn ins Herz geschlossen. Er war einer von ihnen geworden. Ein Held "von unten", der aus dem Arbeitermilieu kam. Durchtrainiert, gradlinig, aufbrausend und unbeirrt unterwegs im Auftrag der Gerechtigkeit. Einer, der sich nicht um Regelwerke scherte, die er für sich nicht akzeptieren konnte. Ein Jäger, der hart sein konnte, in manchen Momenten auch zart. Ein Raubein, dessen Sprachniveau zwar zu wünschen übrig ließ, der aber den Menschen aus der Seele sprach.

"Horst Schimanski ist ein Vorreiter des neuen Selbstbewusstseins des Ruhrgebietes, das sich seiner proletarischen Wurzeln nicht schämt, sich auf seine Tugenden besonnen hat und den umfassenden Wandel der Region zu meistern suchte, als Schicht im Schacht war", erklärt Dietmar Osses, Projektleiter der Helden-Ausstellung. Schimanski schlug die Brücke von den traditionellen Helden des Reviers wie dem Bergmann Adolf Tegtmeier oder der "Ruhrpott-Duse" Tana Schanzara, zu den neuen Vorbildern, die als Alltagshelden dem Wandel der Region ein Gesicht gegeben haben.

Fans von Schimanski und anderen Ruhrgebiets-Filmhelden sollten sich bereits jetzt einen Termin vormerken: Am 17. April 2010 präsentiert das WDR-Studio Dortmund im Rahmen der Helden-Ausstellung in Hattingen Filmausschnitte zum Thema "Helden des Reviers". Dazu gibt es Zeitzeugen-Gespräche (Beginn 20 Uhr, Eintritt frei).

Die Ausstellung

Mit über 800 wertvollen Exponate aus ganz Deutschland, den europäischen Nachbarländern und aus Übersee erzählt die Schau Geschichten von großen und kleinen Helden, von Machern und Medien, mutigen Rittern, religiösen Vorbildern, gefeierten Sportlern und engagierten Helfern.

Das Spektrum reicht von einer 2.000 Jahre alten Nuckelflasche bis zur Silberbüchse Winnetous. In Bronze glänzt der Fußballschuh vom Ruhrgebietshelden Helmut Rahn. Vom heutigen Heldenkult zeugen ein Baumhaus von "Robin Wood" und der Helm eines New Yorker Feuerwehrmannes, der beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben kam. Die Helden des Reviers haben in der Schau einen besonderen Platz: Typen wie der Bergmann Adolf Tegtmeier oder Ruhrgebietsmutter Tana Schanzara, aber auch verdiente Bürger des Ruhrgebiets als neue Helden der Region im Wandel und schließlich die zugewanderten Helden, die die vielen Einwanderer ins Revier mitgebracht haben.

Der Rundgang durch die 1.000 Quadratmeter große Ausstellungshalle mit ausdrucksstarken Inszenierungen, bewegten Bilder und Hörstationen eröffnet mit Durchblicken und Sichtachsen an vielen Stellen überraschende Perspektiven. Am Ende der Ausstellung können Besucher ihren "Helden des Tages" wählen, auf einem Sockel als Held oder Heldin posieren und sich in der Videoinstallation "Standing Ovations" bejubeln lassen.

HELDEN - Von der Sehnsucht nach dem Besonderen. Eine Ausstellung in der Henrichshütte Hattingen vom 12.3.-31.10.2010 in Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 13.000 Beschäftigten für die 8,5 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 19 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, den ein Parlament mit 100 Mitgliedern aus den Kommunen kontrolliert.

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