Freitag, 09. Dezember 2016


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US-Finanzsystem: Krisenmanagement weiter gefordert!

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) "Bonität folgt Liquidität" ist eine Bankenweisheit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, aber schon 10 Jahre später wusste man es besser: Liquidität folgt der Bonität und ohne diese ist kein Bankgeschäft möglich. Dies ist das Damoklesschwert, was derzeit über der US-Finanzindustrie schwebt.

Pleitewelle erreicht die Big Player!

Nun ist es also so weit: Nach über einem Jahr "Subprime"-Krise hat die schon seit längerem angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenzschutz nach Chapter 11 beantragt. Darüber hinaus will die Bank of America die Investmentbank Merrill Lynch für 50 Mrd. USD übernehmen. Jetzt ist eingetreten, was bislang mit Hilfe des US-Finanzministeriums, der Fed und des US-Steuerzahlers vermieden werden sollte: Die Insolvenz eines bedeutenden Marktteilnehmers. Von den vormals fünf traditionellen US-Investmenthäusern verbleiben lediglich Goldman Sachs und Morgan Stanley. Wall-Street - das Epizentrum der Finanzwelt - ist am erodieren, indem es in einem Ausmaß betroffen ist, wie es kaum keiner vor einem Jahr zu prognostizieren gewagt hätte.

Kein Bail-out der Steuerzahler mehr

Am Wochenende trafen sich führende US-Politiker und Wall-Street Bankenchefs zu Krisengesprächen. In dieser Runde schloss Finanzminister Paulson wohl kategorisch aus, nach der Rettung von Bear Stearns und den US-Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac weitere Steuergelder zur Stützung von Finanzinstituten zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise wurden die Hoffnungen zunichte gemacht, dass der US-Steuerzahler das Finanzsystem erlösen werde. Die Finanzkrise und die damit verbundenen Unsicherheiten könnten somit länger als von uns bislang erwartet die Kapitalmärkte belasten. Dies zeigt sich bereits daran, dass sich die Krise von einem Sektor der Finanzindustrie zum nächsten durchfrisst: Am Wochenende wurde bekannt, dass die Versicherung AIG sowie die größte Bausparkasse der USA Washington Mutual sich in Schwierigkeiten befinden.

Geldpolitik wieder stärker am Zug

Die Aufgabenteilung zwischen Geld- und Fiskalpolitik in dieser Bankenkrise hat sich am Wochenende mal wieder geändert. Bislang versuchte das Finanzministerium mit Hilfe von Steuergeldern, die Bankenkrise abzufedern. Hingegen beendete die Fed ihrem aggressiven Zinssenkungskurs im April, um den Banken nur noch mit Hilfe von Liquiditätsprogrammen beizustehen. Nun scheint das Finanzministerium wieder eine restriktivere Gangart einzulegen, während die Geldpolitik weiter gefordert ist. Bereits am Wochenende hat die US-Notenbank die Anforderungen an die Sicherheiten bei den Refinanzierungsmöglichkeiten weiter aufgeweicht, darüber hinaus sind Leitzinssenkungen nicht mehr länger ausgeschlossen. Womöglich senkt die US-Notenbank bereits morgen ihren Leitzins um 50 Basispunkte. Doch wie geht es dann mit der US-Wirtschaft und der globalen Konjunktur weiter?

Kreditklemme noch nicht vom Tisch

Nach über einem Jahr Finanzmarktkrise hat sich die Situation nun nochmals verschärft und die Auswirkungen für die Realwirtschaft sind gegenwärtig sehr schwer abzuschätzen. Bislang hat sich die US-Wirtschaft dank der globalen Konjunktur sowie der Steuerschecks als vergleichsweise wiederstandsfähig gezeigt. Doch je länger die Finanzkrise währt, um so größer ist die Gefahr, dass die aktuell zu beobachtende Verschärfung der Kreditvergabekonditionen in eine echte Kreditklemme mündet. Dies würde die Realwirtschaft schwer treffen und an dessen Ende würden dann die allseits gefürchteten japanischen Verhältnisse stehen. Ob dies durch die Wirtschaftspolitik verhindert werden kann und ob die "Reflationierung" der US-Wirtschaft gelingt, ist derzeit offener denn je.

Minenfeld Banken

Eine Beurteilung des Zustands der US-Finanzwirtschaft ist derzeit kaum möglich. Mit Lehman Brothers ist erstmals ein bedeutender Marktteilnehmer insolvent, und es ist kaum vorstellbar, wie dieser unter Chapter 11 arbeiten soll. Im Gegensatz zu Deutschland steht im US-Insolvenzrecht zwar der Schuldnerschutz im Vordergrund, doch anders als bei einem Industrieunternehmen kann eine Bank ihre Geschäfte nicht fortsetzen, wenn sie nicht die dafür nötige Bonität besitzt. Das sind die entscheidenden Lehren aus der Bankenkrise in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Zudem ist die Finanzwelt heute stark miteinander verwoben.

Aus deutscher Sicht ist derzeit noch offen, welche Positionen die hiesigen Kreditinstitute mit Lehman Brothers haben. Die Deutsche Bundesbank hat heute morgen eine Kurzmitteilung mit der Aussage herausgegeben, dass sich die Engagements deutscher Kreditinstitute in einem überschaubaren Rahmen hielten und verkraftbar seien. Insofern besteht zumindest die berechtigte Hoffnung, dass ein Flächenbrand mit einer Welle von Bankenpleiten vermieden werden kann.

Prognosen unter Vorbehalt

Die Marktteilnehmer haben auf die Ereignisse vorhersehbar reagiert: Während die Rentenmärkte bzw. Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen gesucht werden, sind Aktienmärkte unter Druck. Dies wird u. E. zunächst weiter anhalten. Insofern gelten unsere Prognosen für die kurze Frist nur noch unter Vorbehalt. Das von uns erwartete freundliche Rentenmarktumfeld für das Schlussquartal setzt bereits jetzt ein und wird sich wohl ausgeprägter zeigen. Vermutlich wird die EZB bereits in diesem Jahr ihren Refinanzierungssatz senken und nicht wie bislang von uns erwartet zu Beginn nächsten Jahres. Für den Krisenfall rechnen wir sogar mit einer konzertierten Zinssenkung der großen Notenbanken. Hingegen kann eine Erholung an den Aktienmärkten erst dann einsetzen, wenn die Marktteilnehmer wieder etwas mehr Klarheit (von der Politik und/oder den Banken) erhalten. Insofern dürfte der DAX neue Tiefststände markieren und vermutlich unter die Marke von 6000 fallen. Lediglich der US-Dollar zeigt sich bislang relativ stabil, doch ist der steile Aufwärtstrend der letzten Wochen abrupt zum Halten gekommen.

Viele Fragen müssen derzeit noch unbeantwortet bleiben. Aber eines ist jetzt schon klar, der Markt kann es allein nicht richten. Die verantwortlichen politischen Instanzen sind gefordert, mit einem angemessenen Krisenmanagement, eine Systemkrise abzuwenden.

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