Samstag, 10. Dezember 2016


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Pilotprojekt wagt neue Wege

Literaturvermittlung am Museum für Westfälische Literatur

(lifePR) (Oelde-Stromberg, ) Inklusion ist derzeit eines der bestimmenden Themen in der Diskussion um zukunftsweisende Museumskonzepte weit über Westfalen hinaus. Ein Modellprojekt des Museums für Westfälische Literatur in Oelde beschreitet nun mit einem außergewöhnlichen Kooperationsprojekt neue Wege in der Museumsarbeit: Hauptakteure einer experimentellen Hörspielproduktion sind Jugendliche einer heilpädagogischen Wohngruppe des Kreises Warendorf, die durch soziale Umstände von gängigen Kultur- und Vermittlungsangeboten ausgeschlossen sind.

Kann man Jugendliche motivieren über mehrere Tage an einem ambitionierten Hörspielprojekt mitzuwirken? "Ja!", sagt die Projektleiterin Saskia Lippold, die zurzeit ein wissenschaftliches Volontariat auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde innehat: "Wenn man es richtig macht, Vertrauen aufbaut und die Jugendlichen mit ihrem besonderen Erfahrungshintergrund ernst nimmt. Mir liegt sehr viel an der Zusammenarbeit mit Jugendlichen, die bislang einen erschwerten Zugang zu Kulturprogrammen hatten."

Die Zielsetzung des Projekts ist durchaus ehrgeizig: den Jugendroman "Die Straße der Diebe" des renommierten westfälischen Autors Ralf Thenior in ein Hörspiel zu verwandeln. Die Grundlage bilden von den Jugendlichen geschriebene Texte, die während eines viertägigen Schreibworkshops im Kulturgut Haus Nottbeck entstanden sind.

Das Experiment gelingt bisher auf ganzer Linie. Die Erwartungen wurden sogar weit übertroffen. "Nachdem die ersten Hemmschwellen überwunden waren, entwickelte sich das Unternehmen zu einem Selbstläufer. Ich bin vor allem überrascht, welche Kreativität die Jugendlichen während des Workshops entwickelten. Die Rolle als passive TeilnehmerInnen hatten sie bald abgelegt und wollten sich aktiv einbringen", so Lippold weiter. Eine Teilnehmerin, die 16-jährige Irina, fasste dies in Worte: "Ich finde das Buch war ein auf und ab. Ich konnte mich an manchen Stellen mit den Hauptfiguren identifizieren. Außerdem ist Ralf Theniors Roman 'Die Straße der Diebe' sehr gut geschrieben. Man findet sich und seine eigene Identität darin wieder." Irina wohnt gemeinsam mit ihrem Bruder in der heilpädagogischen Wohngruppe. Sie spricht offen und klar über sich und ihre Situation.

Vier Tage lang arbeiteten und lebten die acht Jugendlichen aus der Wohngruppe im Gästehaus des Kulturguts. Auf langen Papierstreifen, die in der Cafeteria auslagen, fassten sie zunächst zentrale Stationen des Romans zusammen. Im zweiten Schritt machten sich die Jugendlichen daran, ihre eigene Situation auf der Grundlage des Romans selbst zu beschreiben. Ansatzpunkte gibt es hierfür reichlich. Hannes, die Hauptfigur von "Die Straße der Diebe", ist fünfzehn Jahre alt und aus einem Kinderheim in der Nähe von Lemgo abgehauen. Die Beziehung zu seinen Eltern ist nahezu abgebrochen. Er ist weitgehend auf sich allein gestellt.

"Kunst kann viel bewegen", sagt Lippold. Aber es bedarf Impulse wie eines solchen Workshops, bei dem nicht nur Geschichten, sondern auch Gedichte, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen entstanden. "Am besten hat mir das Schreiben und das Diskutieren gefallen", erzählte der neunzehnjährige Kevin. Er habe so etwas schon einmal im Fernsehen gesehen und sei regelrecht stolz, an einem solchen Projekt mitwirken zu können. "Man lernt viel, weil man sieht, wie die Personen im Buch ihre Probleme gelöst haben."

Begleitet wurden die Jugendlichen während des Workshops von der Potsdamer Tonmeisterin Antje Volkmann. Alle Diskussionen und entstandenen Texte wurden von ihr aufgezeichnet und bilden die Grundlage für die Hörcollage, die die einzigartige Auseinandersetzung mit dem Jugendroman "Die Straße der Diebe" festhält und für Interessierte hörbar macht. Ab Ende August kann man die Ergebnisse auf der Webseite "www.hannes-recorded.de" anhören. Alle Schreibaufgaben, Diskussionsthemen und Informationen rund um diesen Workshop können auf der Internetseite nachgelesen werden. Ein Projekt also, das Schule machen sollte. Allen Interessierten, vor allem auch Lehrern, sei es zur Nachahmung empfohlen. Besonders in Zeiten, in denen viel über Inklusion geredet wird.

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de

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