Montag, 20. Mai 2013


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Hierzulande und anderswo

Museum für Westfälische Literatur erinnert an den bedeutenden Schriftsteller Paul Schallück (1922-1976)

(lifePR) (Oelde-Stromberg, ) Zu Lebzeiten zählte er zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern. Häufig wurde sein Name im Zusammenhang mit dem seines Freundes und Weggenossen Heinrich Böll genannt. Der am 17. Juni 1922 in Warendorf geborene Paul Schallück war Mitglied der "Gruppe 47", Beiträger repräsentativer Anthologien und bei nationalen Schriftstellerkongressen, in politischen Zusammenhängen und bei Protestkundgebungen einer der gefragtesten Redner. Heute ist Schallücks Name jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten.


Anknüpfend an die große Paul-Schallück-Retrospektive 2002 nimmt das Museum für Westfälische Literatur Schallücks 90. Geburtstag zum Anlass einer kleinen Kabinettausstellung. Gezeigt werden die Erstausgaben seiner Romane und Essaybände sowie Briefzeugnisse und Fotos. Begleitend wird mit dem neuen Gedichtband "Paul Schallück: Hierzulande und anderswo" eine wenig bekannte Seite seines Werks vorgestellt. Die von Hugo Ernst Käufer herausgegebene bibliophile Veröffentlichung wurde von dem Buchkünstler Horst Dieter Gölzenleuchter illustriert, der bei der Buchpremiere anwesend war. Die Paul-Schallück-Hommage auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde wurde von der LWL-Literaturkommission für Westfalen initiiert und realisiert.

"Woran ich glaube", "Der Platz, an dem ich schreibe" - Paul Schallück war ein sehr nahbarer Autor. Das war er auch in seinen Romanen. Der Leser stand ihm immer ganz nah vor Augen. Schallück schrieb einfache Sätze, Hauptsätze, die für jedermann plausibel waren und ihre Wirkung nicht verfehlten. Und auf Wirkung kam es ihm an. Schallück wurde einmal ein "missionierender Spezialist des Gewissens" genannt, jemand, der zur Selbstbezichtigung anstiftete, um den Traum von einer besseren Wirklichkeit einzulösen" (Siegfried Lenz).

Im Zentrum des Werks von Paul Schallück stehen seine fünf Romane. Für sie wurde er schon früh mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis" (Westfälischer Literaturpreis). Mit Blick auf Westfalen ist besonders "Engelbert Reineke" zu nennen - ein Werk, das die NS-Verstrickung seiner Heimatstadt Warendorf thematisiert. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gilt als Schallücks Hauptwerk.

Für Schallück war die schriftstellerische Tätigkeit "immer zuerst und vor allem ein moralischer, ja politischer Akt" (Heinrich Vormweg). In diesem Licht sind Schallücks Erzählungen und gesellschaftskritische Essays zu sehen. Er veröffentlichte Hunderte Leitartikel, Statements, Leserbriefe, Pamphlete. Man erkennt einen Aufklärer aus Passion und unbeugsamen Wahrheitsverfechter, der sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands nicht abfinden konnte und wollte. Auch in seinen journalistischen Texten und seinen zahlreichen Beiträgen für den Rundfunk (Hörspiele, Kommentare) und das Fernsehen (Fernsehfilme) stehen die Fragen nach der Wahrheit und der schuldhaften Verstrickung des Menschen im Vordergrund.

Es hat eine eigene Tragik, dass Schallücks Nachlass dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 zum Opfer fiel. Der Nachlass legt eindrucksvoll Zeugnis ab von der Produktivität und Vielseitigkeit des Autors. Er enthielt neben Vorarbeiten zu seinen Romanen Manuskripte zu über 100 Erzählungen und Kurzgeschichten, über 100 Aufsätzen und mehr als 300 Prosabeiträgen und Glossen. Hinzu kommen ca. 240 öffentliche Vorträge, über 250 Theater- und Filmkritiken, 200 Buchbesprechungen, mehr als 400 Gedichte, 30 Hörspiele, 40 Rundfunkfeatures, 16 Bühnenstücke und Fernsehspiele sowie 5 Filmexposés. Mehrere Ordner füllte die Korrespondenz Schallücks, unter anderem mit Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Günter Eich, Ilse Aichinger.

Die Kabinett-Ausstellung ist vom 16. Juni bis 2. September im Museum für Westfälische Literatur in Oelde zu sehen.

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