Samstag, 03. Dezember 2016


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Gute Aufholchancen in 2010

Arbeitslosigkeit wird unter neun Prozent bleiben / IHK beurteilt Lage der Saarwirtschaft zum Jahreswechsel

(lifePR) (Saarbrücken, ) Das jetzt zu Ende gehende Jahr hat einmal mehr gezeigt, dass die Saarwirtschaft in besonderem Maße von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängig ist - im Positiven wie im Negativen. Nach dem überdurchschnittlich starken Einbruch im vergangenen Winterhalbjahr holt die saarländische Wirtschaft seit dem Frühjahr wieder kräftig auf. Die Industrieumsätze sind von April, als die Erholung begann, bis September bereits um 27 Prozent, die Auftragseingänge gar um 40 Prozent gestiegen. Gemessen an den Bestellungen konnte die Saarindustrie seit dem Frühjahr bereits mehr als die Hälfte des vorangegangenen Einbruchs wieder wettmachen. Die Zuwächse sind zudem spürbar stärker ausgefallen als im Bund. "Die Saarindustrie ist besonders tief in die Rezession hineingeraten. Sie erholt sich jetzt aber auch entsprechend schneller. Inzwischen erreicht sie wieder das gleiche Nachfrageniveau wie die Bundesindustrie. Für das Gesamtjahr rechnen wir beim BIP mit einem Minus von rund sechs Prozent gegenüber 4,5 Prozent im Bund." So beurteilen IHK-Präsident Dr. Richard Weber und IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch die Lage der Saarwirtschaft zum Jahreswechsel.

Die Erholung der Saarkonjunktur wird sich aus IHK-Sicht im kommenden Jahr weiter fortsetzen. "Die Weltwirtschaft wird voraussichtlich mit einer Rate von gut drei Prozent wachsen. Davon", so Weber und Giersch, "wird die exportorientierte Saarwirtschaft stärker profitieren können als Wirtschaftsräume, die eher binnenorientiert sind. Die Aufholchancen sind deshalb gut. Wir rechnen für 2010 mit einem Saarwachstum von gut zwei Prozent."

Höheres Trendwachstum, aber stärkere Schwankungen

Auch auf mittlere Sicht sieht die IHK alles in allem günstige Wachstumsperspektiven für die Saarwirtschaft. Unter der Voraussetzung, dass die Landesregierung den Standort weiter aufwertet, die Wirtschaftsförderung auf hohem Niveau fortführt und in die Schul- und Hochschulausbildung investiert, kann sie im Trend stärker wachsen als die deutsche Wirtschaft. Das zu Ende gehende Jahrzehnt hat gezeigt, dass das Trendwachstum im Saarland über dem der bundesdeutschen Wirtschaft liegt. Immerhin konnte das Saarland in der Zeitspanne von 2000 bis 2008 mit einem Plus von 17,8 Prozent das zweithöchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer erzielen. "Gemessen am Bundesschnitt war das", so Giersch, "ein Vier-Drittel-Wachstum. Selbst wenn man die Entwicklung im laufenden Jahr mit einbezieht, bleibt das Saarwachstum seit der Jahrtausendwende noch um gut drei Prozentpunkte über dem Wachstum im Bund."

Hauptgrund für das höhere Trendwachstum im Saarland ist die relativ starke Exportorientierung der Saarwirtschaft. Die Exportquote liegt mit knapp 48,5 Prozent zwar nur geringfügig über dem Bundesdurchschnitt (44 Prozent). Doch diese Kennzahl wird der wahren Exportkraft des Saarlandes nur unzureichend gerecht. Denn die Exportstatistik erfasst nicht jene Teile, Systeme und Komponenten, die vom Saarland aus zunächst an andere deutsche Unternehmen geliefert, dort in Fahrzeuge und Maschinen eingebaut und dann in alle Welt verkauft werden. Diese indirekten Exporte haben im Saarland ein weit überdurchschnittliches Gewicht.

Das Saarland wird von seiner starken Exportorientierung auch in Zukunft profitieren. Denn alles spricht dafür, dass der Welthandel in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stärker wachsen wird als die Binnennachfrage: Insbesondere die weiter kräftig wachsenden Schwellenländer in Asien und Lateinamerika sorgen hier für Dynamik. Im Inland bremsen dagegen die Effekte, die vom demografischen Wandel und der hohen Verschuldung ausgehen. Vor diesem Hintergrund wird sich auch das im Bundesvergleich deutlich höhere Strukturgewicht der Industrie im Saarland positiv auswirken. Hierzulande beträgt deren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung immerhin 32 Prozent, im Bund nur 26 Prozent.

Die Saarindustrie konnte ihre Position auf den Weltmärkten in den vergangenen Jahren weiter festigen. Sie hat mit neuen Produkten Marktanteile hinzugewonnen und in stabile Vertriebsstrukturen investiert. Sie kann deshalb, wenn das Standortumfeld stimmt, auch in Zukunft zu den Gewinnern der fortschreitenden Globalisierung zählen.

Erfolgsmodell Export

Mit der starken Exportorientierung verbunden ist allerdings eine höhere Schwankungsbreite um den Wachstumstrend. Diese Amplituden werden nochmals verstärkt durch den ebenfalls überdurchschnittlichen Anteil an konjunktursensiblen Branchen im Saarland. Dazu zählen vor allem die Stahlindustrie und der Maschinenbau, aber auch die Automobilindustrie und ihre Zulieferer. Hinzu kommt, dass Sonderkonjunkturen - etwa bedingt durch Modellwechsel - bei Großbetrieben relativ stark auf die Saarentwicklung durchschlagen.

"Das Geschäftsmodell Export", so das Fazit von Dr. Weber, "ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Je rascher die Weltwirtschaft wächst, desto stärker wird die Saarwirtschaft profitieren. Wenn es gelingt, den Wirtschaftsstandort Saarland attraktiv zu halten und wenn die Weltkonjunktur weiter an Schwung gewinnt, können wir im Saarland schon in 2012 wieder das Wirtschaftsniveau von 2008 erreichen."

Nur moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit

Nur schwer einzuschätzen ist derzeit die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Bisher hat sich der saarländische Arbeitsmarkt als erstaunlich robust erwiesen. Mit 37.100 Arbeitslosen ist die Zahl der arbeitslosen Saarländer derzeit nur um ein Zehntel höher als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt mit 7,4 Prozent um 0,8 Punkte über ihrem Vorjahreswert und trotz des scharfen Konjunktureinbruchs nach wie vor unter dem Bundesniveau. Giersch: "Die Unternehmen haben die vorhandenen Flexibilisierungspotenziale genutzt und über den Abbau von Arbeitszeitkonten, Zeitarbeit und Kurzarbeit ihre Beschäftigung an das verminderte Produktionsvolumen angepasst. Kurz gesagt: Sie haben Arbeitsstunden statt Arbeitsplätze abgebaut."

Dennoch ist im kommenden Jahr mit einer steigenden Arbeitslosigkeit und sinkender Beschäftigung zu rechnen. Die Arbeitslosigkeit dürfte wegen der konjunkturellen Besserungstendenzen aber geringer ausfallen, als das noch zu Beginn der Krise zu erwarten war. Giersch: "Wir rechnen damit, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2010 nicht über 45.000 steigt. Die Arbeitslosenquote bliebe dann unter neun Prozent."

Wachstumskräfte stärken, Standort aufwerten

Nicht übersehen werden darf bei alledem, dass es Faktoren gibt, die die Wachstumsaussichten des Saarlandes auf mittlere Sicht spürbar dämpfen können. Dazu zählen insbesondere die Sparzwänge, unter denen das Land infolge der Haushaltsnotlage steht. Hinzu kommen die Bremswirkungen des demografischen Wandels, der im Saarland früher einsetzt und stärker ausfällt als im Bundesschnitt. Wie stark sie zu Buche schlagen werden, hängt entscheidend davon ab, wie energisch die Landesregierung gegensteuert.

Dringend nötig ist in jedem Fall die weitere Aufwertung des Industriestandortes Saarland. Dies insbesondere auch mit Blick auf die zahlreichen Zweigwerke und Tochterunternehmen größerer Konzerne, die an der Saar rund drei Viertel aller Industriearbeitsplätze stellen. "Die Saar-Werke", so Giersch, "stehen innerhalb ihres Konzerns in einem harten Wettbewerb mit anderen Konzernbetrieben. Jede größere Investitionsentscheidung wird da zur Standortentscheidung. Deshalb muss das Land alle Chancen nutzen, die Attraktivität des Standortes Saarland weiter zu verbessern. Eine offensive Bildungspolitik, die den künftigen Fachkräftebedarf sichert, der Ausbau der Ingenieurwissenschaften an unseren Hochschulen, die Dämpfung der Steuer- und Abgabenlast und eine Energiepolitik, die auf eine sichere und kostengünstige Energieversorgung zielt, gehören deshalb ganz oben auf die Agenda."

Wichtig ist es zudem, die Wirtschaftsförderung auf hohem Niveau fortzuführen. Dr. Weber: "Es ist in den vergangenen Jahren gelungen, hier im Land sehr leistungsfähige Strukturen in der Gründer- und Mittelstandsförderung aufzubauen - insbesondere auch deshalb, weil das Land und die Wirtschaftsorganisationen vorbildlich zusammenarbeiten. Es wäre fahrlässig, den Erfolg dadurch zu gefährden, dass die Wirtschaftsförderung finanziell zurückgefahren wird."

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