Sonntag, 04. Dezember 2016


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IHK im Dialog mit der Politik

Auftaktveranstaltung im Bodenseekreis zur neuen Veranstaltungsreihe mit Kommunalvertretern stieß auf großes Interesse

(lifePR) (Weingarten/Friedrichshafen-Kluftern, ) Politische Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene beschäftigen sich oft mit den gleichen Themen wie die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) - manchmal, ohne voneinander zu wissen. "Wir haben einen regelmäßigen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, aber Treffen mit Kreis- oder Gemeinderäten aus den drei Landkreisen unserer IHK-Region sind eher selten", sagte IHK-Präsident Heinrich Grieshaber am vergangenen Donnerstag in Kluftern. Diesen Missstand möchte die IHK mit ihrem neuen Veranstaltungsformat "Politik und Wirtschaft im Dialog" abbauen - und das mit Erfolg, wie sich schon bei der Auftaktveranstaltung im Bodenseekreis zeigte: Rund 50 Kommunalpolitiker waren ins Bürgerhaus Kluftern gekommen, um die Arbeit der IHK kennenzulernen und sich mit den Wirtschaftsvertretern auszutauschen.

Vielfach sei unbekannt, welche Aufgaben die IHK als Interessenvertretung aller Gewerbetreibenden übernehme, so Grieshaber weiter. Dabei gebe es zahlreiche Schnittstellen mit den kommunalen Aufgabenbereichen. Schulen, Betreuung, Fachkräftemangel, schnelles Internet, Flächen für Wohnen und Gewerbe, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur oder auch die Energiewende - "es gibt viele offene Fragen und Ihre Probleme interessieren uns", so der IHK-Präsident. Themen wie Bildung und Fachkräftesicherung hätten derzeit Priorität, erläuterte dann Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Peter Jany. Die Region habe einen hohen Fachkräftebedarf. "Durchschnittlich fehlen 9.000 qualifizierte Arbeitskräfte", so Jany. Das Thema Straßenanbindung erweise sich als Top-Standortfaktor. Verkehrsprognosen zufolge seien bis 2030 Zuwächse im Güterverkehr von 38 Prozent, im Personenverkehr von 13 Prozent zu erwarten. Um dem Investitionsstau bei Bundes-, Landes- und Kommunalstraßen entgegenzuwirken, müsse man über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken, sagte Jany. Was die Schiene betreffe, so befinde sich der Bodenseekreis im Windschatten, könne aber von Ausbaustrecken wie der Allgäubahn Zürich-München und der Gäubahn Singen-Stuttgart profitieren. "Für die Bodenseegürtelbahn ist ein langer Atem nötig", so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Eine Erfolgsgeschichte hingegen verzeichne die Bodensee-Oberschwaben-Bahn Friedrichshafen-Aulendorf. Mit den Themen Breitbandversorgung, Knappheit von Gewerbe- und Industrieflächen, Nahversorgung und Online-Handel brachte Jany weitere regionale Brennpunkte ins Gespräch.

Die berufliche Bildung liege dem Landkreis besonders am Herzen, sagte Landrat Lothar Wölfle in der anschließenden regen Diskussion. Gerade im ländlichen Raum dürften keine Bildungsstandorte verloren gehen, da die Erreichbarkeit vor allem für Jugendliche einen hohen Stellenwert habe. Auch das Thema Breitbandversorgung brenne unter den Nägeln. Es bestünden berechtigte Sorgen, dass im Zuge des zunehmenden Online-Handels die Innenstädte ausbluteten, gab der Deggenhausertaler Bürgermeister und Sprecher des Bürgermeisterverbands des Bodenseekreises, Knut Simon, zu bedenken. Hier seien dringend Abstimmungen mit dem Einzelhandel erforderlich, denn "Wirtschaft und Kommunen sitzen in einem Boot". Unterstützung seitens der Wirtschaft in Sachen Kinderbetreuung forderte der Eriskircher Bürgermeister Markus Spieth. "Die Kosten werden immer mehr, das können die Kommunen alleine nicht schultern", sagte er mit Blick auf Forderungen nach einer 24 Stunden-Betreuung. Eine intensive Unterstützung von Firmen, die Heimarbeit anbieten, mahnte ein Kreisrat an, für eine bessere Anbindung von kleinen Gewerbetreibenden auf dem Land warb eine Gemeinderätin aus Meckenbeuren. Die Ausweisung von Gewerbeflächen sollte nicht nur interkommunal, sondern auch überregional erwogen werden, forderte eine Markdorfer Gemeinderätin. Gleichfalls engagiert diskutiert wurden die Themen Inklusion und Wirtschaftsförderung. "Wir brauchen beides - die IHK und die kommunalen Wirtschaftsförderungen", betonte Landrat Wölfle. In Sachen Fachkräftesicherung appellierte ein Tettnanger Gemeinderat und Handwerker an die Politik, Flüchtlinge schneller in das Arbeitsleben zu integrieren. Der Bodenseekreis habe eigens dafür einen Fragebogen erarbeitet, um den Wissensstand der Flüchtlinge zu eruieren, berichtete Landrat Wölfle und kritisierte: "Es gibt zu viele bürokratische Hemmnisse." Nicht zuletzt sorgten sich die Wirtschaftsvertreter um die schulische Bildungsqualität in MINT-Fächern, speziell in Mathematik. Der frühere SPD-Landtagsabgeordnete und Bildungsexperte Norbert Zeller stellte mit den neuen Bildungsplänen 2016/17 eine Besserung in Aussicht. Mit den neuen Lehrplänen, so Zeller, gehe dann auch eine intensive Fortbildung der amtierenden Lehrkräfte einher.

"Das war ein guter Dialog", hörte man von vielen Teilnehmern am Ende der Veranstaltung. Im Oktober wird die Reihe "Politik und Wirtschaft im Dialog" im Landkreis Sigmaringen fortgesetzt.

INFO:

Die IHK hat aktuell rund 32.000 Mitgliedsunternehmen, erteilt jährlich etwa 7.800 Rechtsauskünfte und bietet circa 200 kostenfreie Informationsveranstaltungen an. Die IHK-Vollversammlung umfasst 48 Mitglieder und es gibt sieben Fachausschüsse. 70 Hauptamtliche und 2.600 Ehrenamtliche sind für die IHK tätig. Aktuell werden rund 6.600 Ausbildungsverhältnisse in 1.500 Ausbildungsbetrieben betreut. Auch Stellungnahmen, Beratungen, Firmenbesuche und Schlichtungen gehören zu den Aufgaben der IHK.

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