Sonntag, 11. Dezember 2016


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Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Erinnerung an den Kirchenlieddichter Paul Gerhardt in seiner Geburtsstadt Gräfenhainichen

(lifePR) (Magdeburg, ) "Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit", schrieb Paul Gerhardt (1607-1676). 15 Strophen brachte der Dichter Mitte des 17. Jahrhunderts zu Papier. Nur kurze Zeit später waren sie vertont. Das Lied gehört bis heute zu den populärsten im evangelischen Gesangbuch. Es bekam bald den Ruf eines Volkslieds, fand auf neun Verse verkürzt, Eingang in die Sammlung "Des Knaben Wunderhorn".

Paul Gerhardt stammte aus Gräfenhainichen. In der Kleinstadt kennt jedermann den Theologen und Dichter. Das evangelische Gemeindehaus trägt seinen Namen, wurde 1909 zu dessen 300. Geburtstag eröffnet. Ein eigener Freundeskreis kümmert sich um die Erinnerung. "Wir freuen uns, dass wir auf so viel Interesse stoßen", berichtet Vorsitzende Wilma Deißner. Gern empfängt sie Gäste in der Paul-Gerhardt-Kapelle mitten in der Stadt. Das helle, freundliche Gebäude im Stil des Klassizismus war einst Friedhofskapelle, die zwischen 1830 und 1844 aus Spenden der Gräfenhainicher gebaut wurde. Mitte der 1980er Jahre übernahm die Kommune den Bau und richtete eine Kleine Galerie ein. Nach der Wende restauriert, kann nun dort eine umfassende Ausstellung zum Leben Gerhardts besichtigt werden, Konzerte und Lesungen finden statt. Schüler der fünften Klassen machen sich mit dem Wirken des Kirchenliederdichters vertraut. Das geschieht nachhaltig und einfühlsam. Einmal im Jahr gibt es für die Mädchen und Jungen ein Liedersingen.

"Er war Lutheraner durch und durch", erzählt Wilma Deißner über Paul Gerhardt. Für ihn sei die Reformation selbst Jahrzehnte nach dem Thesenanschlag Luthers im nahen Wittenberg eine Herzenssache gewesen. In seinem Elternhaus wurde die neue Lehre gelebt. Sein Vater war Gastwirt und Bürgermeister, seine Mutter die Tochter eines Superintendenten. Sehr früh verlor der Heranwachsende seine Eltern. Mit 15 Jahren kam er zur Fürstenschule St. Augustin in Grimma und erhielt eine solide Ausbildung. Herzog Moritz von Sachsen (1521-1553) hatte drei solcher Landesschulen jeweils in säkularisiertem Klosterbesitz gegründet, um junge Männer auf ein Studium an den neu entstandenen Universitäten vorzubereiten. Er reagierte auf die Forderung Luthers einer breiten Bildung des Volkes.

1628 ließ sich Paul Gerhardt an der Wittenberger Uni immatrikulieren, um Theologie und Philosophie zu studieren. Es war eine spannende Zeit, das Luthertum prägte die Stadt, es herrschte nach wie vor eine Aufbruchsstimmung, erläutert Wilma Deißner. Sein Geld verdiente sich Gerhardt als Hauslehrer, wechselte 1642 nach Berlin. Nach seiner Ordination zum Pfarramt ging er 1651 nach Mittenwalde, wirkte später an der Berliner Nikolaikirche. Als das Toleranzedikt des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. 1664 in verschärfter Form in Kraft trat, verweigerten stark lutherisch geprägte Theologen die Unterschrift. Unter ihnen war auch Paul Gerhardt, der wegen seines Widerstands gegen das Dokument 1667 endgültig seines Amtes enthoben wurde. Ein Jahr später fand er eine neue Pfarrstelle in Lübben, die er bis zu seinem Tode innehatte.

In Erinnerung geblieben ist Paul Gerhardt aber in erster Linie wegen seines literarischen Werks. Schon früh kamen aus seiner Feder Gedichte zu Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten und anderen Anlässen. Das machte ihn bekannt, im Laufe der Zeit wurden seine Gedichte vertont. "Aber eigentlich brauchen seine Verse keine Melodie, sie sind Melodie", spricht Wilma Deißner begeistert vom Werk des Autors. Immer wieder kamen Frömmigkeit und Dichtkunst zu einer Symbiose. Krieg, Not, Elend, Freude und Trost fanden sich in den Versen wieder. Johann Crüger (1598-1662) vertonte nicht nur die Zeilen Gerhardts, er gab zudem ein "Newes vollkömliches Gesangbuch" heraus. In dessen zehnter Auflage fanden sich bereits 90 Kirchenlieder des Theologen. Der schrieb insgesamt 139 Lieder und Gedichte, einige vertonte Johann Sebastian Bach. Knapp zwei Dutzend stehen bis in die Gegenwart im Evangelischen Gesangbuch, einige sogar im katholischen Gotteslob. Überraschungen zum Werk Gerhardts will die Vorsitzende des Freundeskreises keinesfalls ausschließen. Nach dessen Tod hielt sein Sohn Paul Friedrich den Nachlass nicht zusammen, einige der Texte gingen verloren. "Vielleicht schlummert manches Manuskript irgendwo in einer privaten Sammlung oder einem Archiv", sagt Wilma Deißner. Und schließlich zeigt sie zum Beweis für die weite Verbreitung des Liedgutes von Gerhardt ein Gesangbuch aus Japan, das Verse des Mannes aus Gräfenhainichen enthält.

Die Paul-Gerhard-Kapelle in Gräfenhainichen, Rudolf-Breitscheid-Straße 1, ist Dienstag bis Sonntag sowie an gesetzlichen Feiertagen jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

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