Freitag, 09. Dezember 2016


Nuevo Cine Argentino. Haus der Kulturen der Welt. 9.-20.9.2015, Eröffnung 9.9.2015, 19h

(lifePR) (Berlin, ) Nuevo Cine Argentino
Filmische Retrospektive 1995-2015
9.9.2015 – 20.9.2015
Eröffnung: 9.9.2015, 19h, Eintritt frei
Eintritt: 6€/4€
Bonuskarte: 7 Filme sehen, 8. Film gratis

Das Filmfestival Nuevo Cine Argentino verdichtet vom 9. bis 20. September die Entwicklungen aus 20 Jahren argentinischem Gegenwartskino in einer Auswahl von elf Spiel- und Dokumentarfilmen. Das Neue Argentinische Kino erwuchs als große Low-Budget-Bewegung aus den Trümmern eines festgefahrenen Status Quo. Die neoliberalen 1990er Jahre stürzten Argentinien Anfang des 21. Jahrhunderts fast in den Untergang. Paradoxerweise ebneten ebendiese Entwicklungen aber auch den Weg für eine Erneuerung der Filmpraxis: Die Aufwertung des Peso erleichterte den Zugang zu moderner Filmtechnik; argentinische Kritiker_innen konnten reisen und persönlich von internationalen Filmfestivals berichten; Fachzeitschriften erschienen, Filmakademien und -festivals entstanden.

Kurator Alan Pauls, Schriftsteller ("Die Vergangenheit", 2009 auf Deutsch erschienen, 2007 verfilmt von Héctor Babenco), Drehbuchautor und Filmkritiker, bezeichnet das Neue Argentinische Kino als "eines der kreativsten, komplexesten und bedeutendsten kulturellen Phänomene im gegenwärtigen Argentinien. In nur zwanzig Jahren gelang es zwei Generationen von Filmemachern auf radikale Weise die Regeln der cineastischen Praxis des Landes neu zu bestimmen und einzigartige zeitgenössische Produktionen zu realisieren". Argentinische Filme verzeichnen in den letzten 20 Jahren regelmäßig internationale Festivalerfolge, finden ihren Weg in europäische Programmkinos und werden auf akademischen Symposien diskutiert. Die filmische Retrospektive zeichnet diese Erfolgsgeschichte nach.

Der Spielfilm Jauja (2014) von Lisandro Alonso eröffnet das Filmfestival bei freiem Eintritt am 9. September um 19 Uhr in Anwesenheit des Kurators und der nach Berlin gereisten Regisseur_innen. Alonso ("Liverpool"), einer der großen Stilisten des jungen internationalen Kinos, inszeniert in seinem Western mit Viggo Mortensen in der Hauptrolle Argentinien im 19. Jahrhundert als antidramatische Meditation über die Beziehung von Bild, Farbe, Raum, Zeit und Mensch. Jauja gewann in der Sektion Un Certain Regard bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2014 den FIPRESCI Preis. Im Anschluss an den Eröffnungsfilm und bei Asado und argentinischen Weinen legt Tatiana Saphir aka DJ Obstsalat in der Lounge auf.

Die Filme des Festivals spiegeln die Vielseitigkeit des jungen argentinischen Kinos in seinen Themen und stilistischen Besonderheiten. Die Filme sind Zeugnisse der Zeit, in der sie entstanden, die von zunehmender Verelendung und systematischer Ausgrenzung geprägt war. Und sie verweisen auf die drastischen Folgen jener Jahre: Gewalt und Verfall der Städte, Zerfall der Gesellschaft, Marginalisierung, Prekarisierung der Arbeit, Auflösung der Strukturen von Klasse und Familie, neue Migration.

La ciénaga / The Swamp (2001), das Debüt von Lucrecia Martel und ein Gründungsklassiker des Neuen Argentinischen Kinos, zeigt die Oberschicht in satten Farben in all ihrer Dekadenz.

Der Dokumentarfilm Los rubios / The Blonds (2003) ist die unerschrockene Punk-Autobiografie der Filmemacherin Albertina Carri, deren Eltern 1977 von der Militärjunta verschleppt und ermordet wurden - ein experimenteller Versuch über Erinnerung und Identität.

Un mundo misterioso / A Mysterious World (2001): Regisseur Rodrigo Moreno erzählt eine Trennungsgeschichte im urbanen Milieu. Für Moreno ist Buenos Aires das, was für Woody Allen New York ist: ein eigener Kosmos und ideale Kulisse für komplizierte Beziehungen. Un mundo misterioso war Wettbewerbsbeitrag der Berlinale 2011.

Historias extraordinarias (1-3) / Extraordinary Stories (2008): Mariano Llínas weltweit gefeiertes, mehr als vierstündiges Epos stellt gängige Erzählmuster des Kinos virtuos infrage. Eine ungewöhnliche Geschichte in drei großen Erzählsträngen, serviert in 18 Episoden und mit den Hauptfiguren H, X und Z.

Unter dem Titel 20 Jahre später: Was bleibt vom Neuen Argentinischen Kino? unternehmen Kurator Alan Pauls und die Regisseur_innen Albertina Carri, Mariano Llínas, Rodrigo Moreno und Martín Rejtman am Samstag, 12. September um 17 Uhr den Versuch einer Bilanz.

Vom 10. bis 20.9. zeigt die Filmlounge täglich ab 10 Uhr frühe Schlüsselwerke des Neuen Argentinischen Kinos, aber auch Wong Kar-Wais Happy Together, ein Blick von außen und wichtige Inspirationsquelle der Bewegung, sowie eine Auswahl von Kurzfilmen der letzten drei Jahre, in der sich eine neue, schon jetzt preisgekrönte Generation von Filmemacher_innen präsentiert.

Mit der Unterstützung des Instituto Nacional de Cine y Artes Audiovisuales (INCAA) und der Botschaft der Republik Argentinien und im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Buenos Aires. Das Haus der Kulturen der Welt wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Auswärtige Amt gefördert.

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