Mittwoch, 07. Dezember 2016


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"Arzt light" - Wird das Medizinstudium zur Berufsausbildung?

Winn: Bachelor und staatliche Facharztweiterbildung für den Arztberuf völlig ungeeignet

(lifePR) (10117 Berlin, ) "Der Ärztemangel, mit dem sich Deutschland derzeit konfrontiert sieht, darf nicht zu Kurzschlussreaktionen führen", sagte der Vorsitzende des Hartmannbunds, Prof. Dr. Kuno Winn, heute in Berlin. Er reagierte damit auf Äußerungen des Sprechers der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Jens Spahn, zu Vorschlägen, das bisher sechsjährige Medizinstudium auf einen dreijährigen Bachelorstudiengang zu reduzieren und die Weiterbildung zum Facharzt als Masterstudiengang zu gestalten.

"Die unterbreiteten Vorschläge sind unausgegoren und werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben", erklärte Winn. "Würden diese Vorschläge Realität, würde sich Deutschland von der hohen Qualität der ärztlichen Aus- und Weiterbildung endgültig verabschieden. Kein in Deutschland ausgebildeter Arzt könnte mehr die international anerkannten Voraussetzungen und Standards in der Medizin erfüllen", so Winn weiter. Vor dem Hintergrund, dass erstens ein Medizinstudium nach der Europarichtlinie 2005/36/EG mindestens 5.500 Stunden umfassen muss, dass zweitens nach derselben Richtlinie ein abgeschlossenes mindestens sechsjähriges Studium erst die Voraussetzung für die fachärztliche Weiterbildung darstellt und dass drittens in Deutschland nur Ärzte mit einer abgeschlossenen Facharztweiterbildung vertragsärztlich tätig werden dürfen, sei vollkommen unklar, wie die gesamte ärztliche Ausbildung auf insgesamt sieben Jahre verkürzt werden soll und damit auch noch dem Nachwuchsmangel begegnet werden kann. "Mit einer Absenkung des Niveaus der ärztlichen Ausbildung auf das von Heilpraktikern lösen wir nicht das Problem des Ärztemangels", gab Winn zu bedenken.

Der Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudenten im Hartmannbund, Constantin Janzen, ergänzte, dass es absurd sei, die Inhalte eines derzeit sechsjährigen Studiums in ein Zeitfenster von nur drei Jahren pressen zu wollen. "Das Medizinstudium ist doch keine Berufsausbildung!", so Janzen. "Ich sehe hier klar die Gefahr einer weiteren Verschulung des Studiums". Zudem sei es einem Bachelorabsolventen mit einer lediglich theoretischen Ausbildung nicht zumutbar, sich nach drei Jahren ohne praktische Erfahrungen für ein Fachgebiet entscheiden zu müssen. Das garantiere vor allem eine hohe Abbrecher- und Wechselquote. "Die vorgeschlagene Neugestaltung des Studiums brächte weder besser ausgebildete Ärzte, noch würde die Ausbildung dadurch insgesamt effizienter", so Janzen.

Es sei völlig richtig, sich über eine praxisnahe und "entschlackte" ärztliche Ausbildung Gedanken zu machen, sind sich Winn und Janzen einig. Jedoch sollte zuvor der Gedankenaustausch mit den Betroffenen gesucht werden. "Es ist unerträglich, dass eine für die Zukunft der ärztlichen Versorgung derart wichtige Diskussion offenbar ausschließlich in der Öffentlichkeit stattfindet", erklärte Winn und bekundete erneut die Bereitschaft des Hartmannbundes, an dem von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler angekündigten Runden Tisch zur Bekämpfung des Ärztemangels teilzunehmen. "Hier können wir dann gern auch über Optionen zur realitäts- und praxisnahen ärztlichen Ausund Weiterbildung diskutieren", so Winn.

Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

Der Hartmannbund vertritt als einziger politischer Verband die Belange aller Ärzte, Zahnärzte und Medizinstudenten in Deutschland und setzt sich für ihre wirtschaftlichen, beruflichen und sozialen Interessen ein. Darüber hinaus bietet er seinen Mitgliedern neben qualifizierten Beratungen zu rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Fragen auch Fortbildungen und ein umfangreiches Informationsangebot.

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