Sonntag, 04. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 151902

Kapazität auf Anpassungskurs

Verbundprojekt FlexPro zu neuen Modellen der Zeitarbeit

(lifePR) (Erlangen, ) Spitzenzeiten und Flauten in der Produktion, rasche Anpassung an ein veränderliches Nachfragespektrum, Einbezug wechselnder Kompetenzen - durch alle Schwankungen im Wirtschaftsleben dauerhaft die Balance zu halten, verlangt klein- und mittelständischen Unternehmen viel Anpassungsfähigkeit ab. Wie der zeitlich begrenzte Einsatz von Arbeitskräften dazu beitragen kann, die erforderliche Flexibilität aufzubringen, und welche Modelle und Konzepte dazu besonders geeignet sind, untersuchen Dr. Nathalie Galais und Cynthia Sende am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie (Prof. Dr. Klaus Moser) der Universität Erlangen-Nürnberg. Neben der ökonomischen Effektivität gilt die Aufmerksamkeit dabei der optimalen Einbindung derjenigen, die in einem Betrieb zeitweise beschäftigt sind.

Das Projekt trägt den Titel "Flexible Produktionskapazität innovativ managen" (FlexPro) und wird im Förderschwerpunkt "Arbeiten - Lernen - Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie vom Europäischen Sozialfonds mit 270.000 Euro gefördert. Kooperationspartner sind die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die ALROUND-Aktionsgemeinschaft luft- und raumfahrtorientierter Unternehmen in Deutschland e.V., die Frauenhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. sowie die RKM GmbH Personaldienstleister in München.

Vom Telefongespräch zum Gesamtbild

Zunächst werden die Flexibilisierungsstrategien von kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland empirisch untersucht. Telefoninterviews mit Personalverantwortlichen bzw. Geschäftsführern solcher Firmen sowie mit Niederlassungsleitern eines Personaldienstleisters waren der erste Schritt. Auf der Basis der Ergebnisse dieser qualitativen Vorstudie wurde ein Online-Fragebogen zur deutschlandweiten Befragung kleiner und mittelständischer Unternehmen entwickelt. Diese quantitative Analyse des Status quo wird gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung durchgeführt und liefert wichtige Informationen darüber, wodurch Flexibilität erhöht werden soll und welche Rolle die Leiharbeit bzw. der Einsatz anderer "atypischer Mitarbeiter" in diesem Kontext spielt.

Um daraus Zusammenhänge abzuleiten, die verallgemeinerbar sind, werden statistische Analysemethoden angewendet. Beispielsweise werden unternehmensspezifische Einflussfaktoren (z. B. Größe, Produktionsmerkmale, Arbeitsorganisation, Unternehmenskultur) auf die Nutzung oder Nicht-Nutzung von Leiharbeit ebenso betrachtet wie Erfahrungen mit verschiedenartigen Strategien. Damit lassen sich die Ergebnisse branchenübergreifend interpretieren und sinnvoll in die Praxis übertragen.

Zusammen mit dem Institut für Arbeitswissenschaften der RWTH Aachen sollen anschließend Methoden entwickelt und überprüft werden, die sowohl Rentabilität versprechen als auch personenorientiert sind. Dabei liegt ein Schwerpunkt darauf, die Kompetenzen von atypisch Beschäftigten adäquat zu erfassen, sie ausreichend einzuarbeiten, an passender Stelle im Betrieb zu platzieren und sozial zu integrieren. Gemeinsam mit dem Personaldienstleister RKM und den Industrie-/Valuepartnern wollen die Wissenschaftlerinnen Konzepte der Zusammenarbeit von Verleihern und Entleihern entwerfen, welche diese Kriterien erfüllen, und sie auf ihre allgemeine Einsetzbarkeit testen. Darauf aufbauend sollen anwenderfreundliche Module entstehen, die den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen gerecht werden.

Das persönliche Befinden der Leiharbeitnehmer, ihre Gesundheit, ihre Lebensperspektiven und Kompetenzentwicklung, ihre Einstellungen und das Ausmaß an Selbstbestimmung entscheiden aus der Sicht von Arbeits- und Organisationspsychologen maßgeblich mit über den Erfolg von Interventionen in diesem Sektor. Deshalb nehmen diese Aspekte in dem Verbundprojekt neben der Wirtschaftlichkeit einen besonders wichtigen Platz ein.

Die Arbeitsgruppe freut sich über weitere kleine und mittelständische Unternehmen, die sich an dem Forschungsvorhaben beteiligen möchten

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 27.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

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