Montag, 05. Dezember 2016


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3. Brandenburgische Elternuniversität: Unartig? Artig? Einzigartig! Unsere Kinder

(lifePR) (Potsdam, ) Auch diese Brandenburgische Elternuniversität stieß wieder "auf starkes Interesse bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und anderen pädagogisch Tätigen. Das zeigt, dass wir mit unserem Konzept auf ein wichtiges Bedürfnis bei Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen reagieren. Wir freuen uns, dass das Bildungsministerium die Brandenburgische Elternuniversität auch weiterhin fördern wird", sagte Petra Brückner, Sprecherin des Landeselternrats, in ihrem Fazit zum Ende der 3. Brandenburgischen Elternuniversität am 21.11.09. Sie fand in diesem Jahr im neuen Hauptgebäude der Fachhochschule Potsdam auf dem Campus Pappelallee statt. Die dritte Elternuniversität fand nicht nur an einem neuen Ort statt; neu ist auch, dass die Begrüßung und der Einführungsvortrag von Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner live im Internet übertragen wurden und auch nach der Veranstaltung noch zu sehen sind.

Petra Brückner, eine der Initiatorinnen der Elternuniversität, eröffnete die Elternuniversität als Sprecherin des Landeselternrates und freute sich über das zahlreiche Interesse, das der Brandenburgischen Elternuniversität seit ihrer Einrichtung entgegengebracht wird.

Holger Rupprecht, Minister für Bildung, Jugend und Sport, las statt eines Grußworts die Geschichte von Michel, dem Knirpsschweinchen und den vergorenen Kirschen vor und sagte, Astrid Lindgrens "Michel aus Lönneberga" sei vielleicht unartig, auf jeden Fall aber einzigartig und neugierig. Er forderte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, sich aktiv einzubringen, da Bildung Verbündete brauche.

Prof. Dr.-Ing. Johannes Vielhaber, Rektor der Fachhochschule Potsdam, betonte in seinem Grußwort im neuen Hauptgebäude die Bedeutung von Räumen und Raumgestaltung für die Befindlichkeit von Menschen und wies die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Elternuniversität auf die "Orte und Möbel für Kinder" im Hauptgebäude, in der Bibliothek und anderen Stellen des Campus hin, die im Zuge des Wettbewerb "Familie in Hochschule" entstanden sind. Bei einem Durchschnittsalter von 24,2 Jahren bei den Erstsemestern sind 10 bis 30 % der FHP-Studierenden Eltern, deren Bedürfnisse an der Hochschule ernst genommen werden.

Unter dem Motto "Unartig? Artig? Einzigartig! Unsere Kinder!" beschäftigen sich der Einführungsvortrag und einige Workshops damit, wie Erwachsene mit der "Einzigartigkeit" ihrer Kinder umgehen. Zahlreiche Workshops, die zum Teil schon seit Wochen ausgebucht waren, boten die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen zu Themen wie "Bauchweh mit der Schule, Angst und Schulverweigerung", "Kinder brauchen keine Etiketten - Kinder brauchen individuelle Förderung", "Pubertät: Wenn Eltern schwierig werden" oder "Stolpersteine in der Zusammenarbeit von Eltern und Schule". (Ausführliche Informationen zu den Workshops am Ende dieser Pressemitteilung.)

Die aktuelle Debatte über Erziehung orientiert sich stark an der Forderung nach mehr Disziplin. Haben die seit Jahrzehnten existierenden Prinzipien eines liberalen, humanen Umgangs mit Kindern und Jugendlichen zur "Erziehungskrise" geführt? Sind die Förderung der der Individualität der Kinder und die Orientierung an deren Einzigartigkeit gescheitert? Die Lebensbedingungen von Kindern haben sich erheblich verbessert, ihre Chance, physisch und psychisch gesund aufzuwachsen, ist so groß wie nie zuvor. Dennoch sind manche Kinder und Jugendliche gefährdet. Viele Eltern fühlen sich unsicher und überfordert. Diesen Fragen ging das Einführungsreferat "Kindheit und Erziehung heute" nach, den Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner in Vertretung von Dr. Éva Hédervári-Heller vortrug. Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner war bis vor kurzem Professorin für Methoden der Sozialarbeit, insb. Beratung, Psychoanalyse, Gruppenverfahren an der FH Potsdam, ist Psychoanalytikerin und Gründerin des Familienzentrums an der Hochschule. Mit Erzählungen aus ihren langjährigen eigenen Erfahrungen bereicherte sie den Vortrag, der sich mit den verschiedenen Kindheitsphasen und deren spezifischen Anforderungen an Kinder und Eltern beschäftigte. Sie stellte weiterhin dar, wie Erwachsene Kinder und Jugendliche unterstützen können, um sich zu eigenständigen, sozial kompetenten und verantwortungsvollen Persönlichkeiten zu entwickeln.

Im Mittelpunkt der Brandenburgischen Elternuniversität standen Diskussion, Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Interessierte Mütter und Väter fanden Gelegenheit, sich mit Themen aus dem Bereich der Bildung und Erziehung auseinanderzusetzen. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Weiterbildung sowie erfahrene Praktikerinnen und Praktiker boten Informationen und Anregungen.

Veranstalter der Elternuniversität sind der Landeselternrat Brandenburg, der Brandenburgische Volkshochschulverband e.V., das Institut für Fortbildung, Forschung und Entwicklung (IFFE e.V.) und die Fachhochschule Potsdam in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg und dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg.

Workshopbeschreibungen

Wer für alle(s) offen ist, kann nicht ganz dicht sein?
Petra Müller, Erziehungswissenschaftlerin, FH Potsdam, Fachbereich Sozialwesen, Service-Stelle E-Learning
Jugendliche sind aktive Gestalter des Internets. Sie produzieren selbst Inhalte (Fotos, Videos), die über einfach bedienbare Plattformen einem großen Nutzerkreis zugänglich gemacht werden können. Die Nutzerzahlen von Online-Communities wachsen rasant.
In den Profilen der anderen zu stöbern oder die Ansicht hier schnell neue Freunde zu finden, machen den Reiz aus. Die Schattenseite: Das Verbreiten unerwünschter Fotos oder Videos (schnell gemacht mit dem Handy) oder Mobbing sind ebenso möglich und vor allem nicht selten. Im Workshop erhielten die Eltern eine Einführung in die so genannte Web 2.0-Welt. Die Referentin zeigte Wege auf, wie Eltern ihre Kinder auf dem Weg zu kompetenten Internetnutzern unterstützen können.

Kinder brauchen keine Etiketten - Kinder brauchen individuelle Förderung!?
Ines Jaletzk, Pestalozzi-Schule; Ute Heurich
Wenn bei einem Schulkind unerwartet anhaltende Schwierigkeiten beim Lernen oder im Verhalten auftreten, kann das Kind schnell in eine Notsituation geraten, die natürlich auch die Eltern und Lehrpersonen belastet und herausfordert. Häufig werden sehr schnell Verfahren zur Feststellung von Teilleistungsstörungen oder zur Überprüfung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs eingeleitet. Im Ergebnis dieser Verfahren kann das Kind "in Not" ein Etikett erhalten (z. B. LRS, ADHS, Dyskalkulie, lernbehindert, Verhaltens gestört ...), das ihm Erleichterungen beim schulischen Lernen verschafft und den Zugang zu zusätzlichen schulischen oder außerschulischen Fördermaßnahmen legitimiert. Neben diesem "Unterstützungsaspekt" muss aber auch die Möglichkeit negativer Folgeerscheinungen für die soziale und emotionale Situation des Kindes und dessen Schulkarriere mit in den Blick genommen werden. Der Workshop bot Raum zur Diskussion der Chancen und Risiken unterschiedlicher Formen der "Besonderung" von Kindern mit Schulschwierigkeiten. Dabei wurde auch über die Möglichkeit nachgedacht, ob bzw. unter welchen Bedingungen alle Kinder im System der allgemeinen Schulen individuell gefördert werden könnten.

Kinderkompetenzen stärken!
Prof. Dr. Rita Marx, Professorin für Sozialarbeit/Sozialpädagogik, Fachhochschule Potsdam
Kinder sind neugierig, einfallsreich, aktiv, ausdauernd. Kinder haben Interessen, Fähigkeiten, Wissen. In diesem Workshop ging es darum, gemeinsam darüber nachzudenken, warum es manchmal schwer ist, die Kompetenzen der Kinder zu sehen, was helfen kann, genauer hinzugucken oder hinzuhören und wie Kinder gestärkt werden können. Die Referentin stellte zum einen Beispiele aus der Praxis von Kitas und Grundschulen vor; zum anderen wurde über so genannte Schlüsselpositionen und deren Bedeutung für die Kompetenzentwicklung von Kindern diskutiert.

Bauchweh mit der Schule, Angst und Schulverweigerung - sind Schüler, Eltern oder Schule schuld?
Prof. Dr. med. Hermann Staats, Professor für psychoanalytisch orientierte Entwicklungspsy-chologie, FH Potsdam (Sigmund-Freud-Stiftungsprofessur für psychoanalytisch orientierte Entwicklungspsychologie), niedergelassener Arzt für Psychotherapeutische Medizin, Potsdam
Manche Schüler, aber auch Eltern und Lehrer erleben Schule als eine ängstigende Herausforderung. Sie bauen oft auf ihre individuellen Ressourcen und versuchen, sich so in einer unbefriedigend erlebten Schulwelt "durch zuschlagen". Für das Lernen ist Angst nicht förderlich. Das Vermeiden der Schule ("Schulphobie") ist eine Möglichkeit, mit Angst vor der Schule umzugehen. Der Workshop informierte über das Krankheitsbild der Schulverweigerung und beschrieb Aspekte des deutschen Schulsystems, die zu einem Auftreten von Schulangst beitragen. Er regte an, die vorgestellten Befunde und Überlegungen mit eigenen Erfahrungen als Schülerin oder Schüler, als Mutter, Vater, Lehrerin oder Lehrer zu vergleichen und zu prüfen.

Pubertät - Wenn die Eltern schwierig werden
Matthias Schreckenbach, Diplom Sozialpädagoge/-arbeiter, M.A. Sozialmanagement, hauptamtlich Lehrender an der Fachhochschule Potsdam; u. a. Beratung und Leitung eines Erziehungshilfeverbundes in Berlin/Brandenburg, Fort- und Weiterbildungen im Bereich Pflegekinderwesen und "Hilfen zur Erziehung" Fachhochschule Potsdam, Studiengang Soziale Arbeit
In der Phase der Jugend oder genauer der Pubertät verstehen Eltern ihre Kinder häufig nicht mehr. Sprache, Aussehen, Verhalten ändern sich auf eine Art und Weise, die fragen lässt, ob dies noch dieselben Kinder sind. Die Kinder entfernen sich von den Eltern. Eltern konfrontieren ihre Kinder mit eigenen Ängsten und Befürchtungen. Kommunikation scheint unmöglich! Was nun?

Trinken bis der Arzt kommt - Jugend und Alkohol, eine Herausforderung an die Eltern
Sabine Collmann, Suchttherapeutin VdR, Leitung VILLA Störtebeker, KARUNA e.V. Berlin
Annette Diekmann, Systemische Familientherapeutin, KARUNA e.V.
Eine vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Jugendliche überwiegend aus "Spaßgründen" trinken, jedoch lassen sich immer mehr Hinweise auf den Konsum von Alkohol zur Stress- und Problembewältigung finden. Auffällig sind das frühe Einstiegsalter, die hohe Trinkfrequenz von großen Mengen, meist hochprozentigen Alkohol und die daraus resultierende starke Toleranzentwicklung gegenüber dem Alkohol. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass das Verhalten der Eltern dabei von großer Bedeutung ist. In dem Workshop wurden die aktuellen Konsummuster von Jugendlichen in ihren Merkmalen und Unterscheidungen vorgestellt. Außerdem wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Eltern Wege bzw. Lösungen im Umgang mit den Jugendlichen und dem Thema Alkohol konstruktiv gestalten können.

Lebendige Elternbeteiligung
Dr. Christel Lorenz und Sigrid Bartholomé, Elternfortbildnerinnen für Mitwirkung am Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg
Schule lebt davon, dass sich Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte engagieren und gemeinsam die vielfältigen Möglichkeiten bei der Gestaltung und Weiterentwicklung ihrer Schulen wahrnehmen. In diesem Workshop wurden verschiedene Wege der "lebendigen Elternbeteiligung" aufgezeigt, Beispiele vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert, wie man Eltern als Unterstützer gewinnen kann.

"Stolpersteine" in der Zusammenarbeit von Eltern und Schule: Kommunikationsbarrieren erkennen - Partizipation ermöglichen
Gudrun Böttger, Dipl. Pädagogin und Referentin für Führungskräftequalifizierung im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg
Mütter und Väter haben kaum Möglichkeiten, um mal gemeinsam mit den Lehrkräften über die Probleme in der Erziehung und mit der Schule zu reden und sich auszutauschen. Oftmals kommt es aufgrund von Zeitnot zu Spannungen. Eltern und andere Interessierte konnten in diesem Seminar kommunikative Kompetenzen bezogen auf folgende Fragen erwerben: Wie kann ich mich vorbereiten, damit Gespräche mit allen an Schule Beteiligten gelingen (innere Haltung, Gesprächsführung, Terminplanung, Inhalte)? Wie kann ich Kommunikationsmöglichkeiten mobilisieren? Wie kann ich "Stolpersteine" erkennen und damit umgehen? Dazu wurden Methoden und Übungen angeboten, die auf Respekt, Wertschätzung, Verständnis und Klarheit basieren und es ermöglichen, auch in angespannten Situationen konstruktiv im Gespräch zu bleiben.

Berufs- und Studienorientierung - was kann ich als Elternteil tun?
Katrin Sawitzki, FH Potsdam, Projekt "Studium lohnt", Initiative der Brandenburger Hochschulen
Die Berufs- und Studienwahl ist ein wichtiger Baustein im Leben eines Kindes und beginnt nicht erst in der 12. oder 13. Klasse. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops beschäftigten sich u .a. mit den Fragen: wann startet die Phase der Orientierung? Wie kann ich mein Kind in der Berufs- und Studienwahl unterstützen? Ab wann werden aus breiten Interessensgebieten konkrete berufliche Zukunftspläne?

Miteinander reden - einander besser verstehen
Sylvia Ludwig, Bernd Neimke, Margaritha Schmittel, Elternberaterinnen bzw. Elternberater für Kommunikation am Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg
Es kommt innerhalb der Familie immer wieder zu Missverständnissen und ungewollten Auseinandersetzungen. In diesem Workshop konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand praktischer Übungen herausfinden, was dahinter steckt und wie man mit Konflikten besser umgehen kann.

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