Sonntag, 11. Dezember 2016


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Worte weiter in die Welt tragen

Indonesien, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2015, präsentiert sich auf der Leipziger Buchmesse

(lifePR) (Bonn, ) Indonesien, der diesjährige Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, ist zwar das viertgrößte Land der Welt, seine Literatur aber ist hierzulande noch ein eher unbekanntes Terrain. Mit Übersetzungen von indonesischen Titeln in deutscher Sprache sowie einem umfangreichen Kulturprogramm möchte das Gastland dies in diesem Jahr ändern. Unter dem Titel 17.000 Inseln der Imagination gibt es nicht nur Einblicke in seine jahrtausendealten Erzähltraditionen – einer gelebten Literatur jenseits der Bücher – sondern zeigt auch seine dynamische und engagierte Autorenszene in einem Land im Wandel.

Auf der Leipziger Buchmesse präsentiert sich der Ehrengast derzeit am Stand der Frankfurter Buchmesse (Halle 4, Stand B501). Rund 20 Veranstaltungen und 10 Autoren geben Einblicke in die Kultur und Literatur des Landes: Die Themenpalette reicht von der Rolle der Frauen in Zeiten der Suharto-Herrschaft bis zur indonesischen Politik im Spiegel des Comics, von Poesie bis zur Graphic Novel, von der Lyrikperformance bis zur Kochbuchpräsentation.

„Indonesiens Kultur ist geprägt von jahrtausendealten Traditionen und Mythen. Gleichzeitig ist es ein Land mit einer jungen, fortschrittlichen und technikaffinen Bevölkerung – rund 44 Prozent der Indonesier sind jünger als 25 Jahre. Dieser Gegensatz zwischen Tradition und Moderne, zwischen Bewahren und Fortschritt spiegelt sich in der Literatur Indonesiens wider, die Stellung bezieht nicht nur zu geschichtlichen Themen sondern auch zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Ich freue mich sehr auf die spannenden Neuentdeckungen, die uns in den kommenden Monaten erwarten.“

„Eigentlich ist es unmöglich, ein Land mit 250 Millionen Menschen und 17.000 Inseln zu übersehen“, so Goenawan Mohamad, Leiter des indonesischen Organisationskomitees. „Doch trotz aller vermeintlichen Nähe in der globalisierten Welt wird unser Land literarisch nicht wirklich wahrgenommen. Wir möchten unsere Worte und Werke weiter in die Welt tragen und in einen kulturellen Dialog eintreten.“ Der Autor und Gründer der bedeutenden indonesischen Zeitschrift Tempo sieht die Buchmesse als Chance, den Stimmen aus dem neuen Indonesien Gehör zu verschaffen. Er selbst und zahlreiche weitere Autoren waren unter dem autoritären Regime von Suharto, das bis 1998 dauerte, zahlreichen Zensurmaßnahmen ausgesetzt.

Neuerscheinungen in deutscher Sprache

So etwa die Erfolgsautorin Ayu Utami (Jahrgang 1968), deren zweiter Roman Larung im August auf Deutsch erscheint (Horlemann Verlag). Die Geschichte knüpft inhaltlich an ihr erstes in Deutschland erschienenes Buch Saman (Horlemann Verlag, 2007, Neuauflage 2015) an. Auch hier verbindet die Autorin Traumsequenzen und alte Mythen mit Schilderungen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Indonesien – vom Putschversuch 1965 über Prozesse der Globalisierung bis hin zum Sturz von Suharto. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Zeit findet ebenfalls im Roman der bekannten Autorin Laksmi Pamuntjak (Jahrgang 1971) statt. Ihr Bestseller Amba, der unter dem Titel Alle Farben Rot im September 2015 in deutscher Sprache erscheint (Ullstein Verlag), transferiert die Liebesgeschichte aus dem jahrhundertealten indonesischen Nationalepos Mahabharata in die Zeit zwischen 1965 und 1968. Nach einem Putschversuch fielen damals Hunderttausende Menschen in Indonesien einem brutalen antikommunistischen Säuberungsakt zum Opfer.

Von Andrea Hirata, einem der in Deutschland bekanntesten indonesischen Autoren, gibt es seit kurzem ein weiteres Werk in deutscher Übersetzung: Der Roman Der Träumer (Hanser Berlin) zeichnet den Lebensweg von Ikal, der Hauptfigur aus dem Bestseller Die Regenbogentruppe, nach: Erzählt wird ein modernes Märchen, das starke autobiografische Züge trägt – die Geschichte des zwölfjährigen Jungen, der es aus ärmlichen Verhältnissen auf der Insel Belitung über Elend und Obdachlosigkeit im Moloch der Millionenstadt Jakarta bis zum Studium nach Paris schafft – immer den Traum vor Augen, die Welt zu sehen und mit einer guten Ausbildung zurückzukehren, um die Verhältnisse in seiner Heimat zu verbessern.

Von der jungen Autorin Okky Madasaris (geb 1984), die zur Generation 2000 zählt, erscheint in diesem Jahr der Roman Pasung Jiwa in Deutschland: Seele in Ketten (Sujet Verlag) handelt von zwei jungen Männern, die sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien wollen, von sexuellen Orientierungen, die von einer Vielzahl von Menschen nicht akzeptiert werden, von Schikane, Missbrauch, Flucht und Verbrechen. Für ihren Roman Maryam wurde Okky Madasaris 2012 als bisher jüngste Autorin mit dem prestigeträchtigen indonesischen Khatulistiwa Literaturpreis ausgezeichnet.

Veranstaltungen in Leipzig

10 Autorinnen und Autoren stellen auf der Leipziger Buchmesse dieser Tage ihre Literatur vor. In der Talkrunde Poesie und Pluralität spricht Sapardi Djoko Damono, einer der bedeutendsten Lyriker des Landes, über die Sprachenvielfalt in Indonesien und über die Rolle der Literatur innerhalb der sprachlichen und kulturellen Pluralität (14.3., 16 Uhr). Die Bestellerautorin Laksmi Pamuntjak liest aus ihrem Buch Alle Farben Rot (14.3., 15 Uhr). Die engagierte Schriftstellerin bezieht auch Stellung zu aktuellen Themen: So nimmt sie an einer Podiumsdiskussion zum Thema Freiheit des Wortes teil (13.3., 15.30 Uhr, Mehrzweckfläche 4). Erst kürzlich hatte Laksmi als engagierte Muslimin öffentlich die Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris verurteilt (www.resonanzboden.com). Daneben wird das von der indonesischen Regierung aufgelegte Übersetzungsförderungsprogramm auf einer Veranstaltung vorgestellt (12.3., 16 Uhr).

Weitere Informationen zum Ehrengastauftritt unter:
www.islandsofimagination.id
www.buchmesse.de/de/ehrengast

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