Freitag, 09. Dezember 2016


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Die globale Finanzkrise - wie geht es weiter?

Amerikanischer Professor zu Gast bei der Veranstaltungsreihe "Duale Hochschule im Dialog"

(lifePR) (Heidenheim, ) Prof. Dr. Dieter Gramlich, Studiengangsleiter Bank an der Dualen Hochschule Heidenheim, führte die über 80 Gäste in die Veranstaltung ein. Er wies darauf hin, dass statistisch alle 4- 5 Jahre eine Finanzkrise von kontinentalem Ausmaß auftrete. Interessant sei daher zu überlegen, ob sich Unternehmen an solche quasi-unvermeidbaren Krisen klug anpassen müssen oder ob durch geeignete Frühwarnsysteme diese Krisen in Zukunft verhindert werden können. Dabei spiele eine Rolle, dass die Intensität der Krisen zunimmt. Eine besondere Bedeutung sieht er in der amerikanischen Sichtweise. Er hat daher seinen langjährigen Kooperationspartner, Professor Alan Reichert von der Cleveland State University in Ohio an die Duale Hochschule Heidenheim eingeladen, um zu Fragen der globalen Finanzkrise aus amerikanischer Sicht zu referieren.

Der ausgewiesene Experte für "Banking and Finance" betrachtete im ersten Schritt Ursachen der Finanzkrise, wie beispielsweise die starke Zunahme der US-Immobilienkredite, die durch den weltweiten Verkauf der Kredite als Wertpapiere finanziert wurden. Allein in den letzten zwölf Jahren hat sich die Gesamtsumme der hierüber ausstehenden Wertpapiere in den USA verfünffacht. Hochproblematisch wird dies durch die Tatsache, dass die scheinbar unabhängig voneinander bestehenden Verträge in Wirklichkeit über ein sehr komplexes System von Beziehungen zwischen den einzelnen Banken miteinander verbunden sind. Insbesondere bei den Investmentbanken hat in den letzten Jahren eine massive Verflechtung stattgefunden, die für die Bankkunden allerdings nicht transparent ist. Hinzu kommt ein Interessenskonflikt der Rating-Agenturen, die für ihre Beurteilungen von den Banken bezahlt werden, also nicht wirklich unabhängig agieren können. Hinter der rein finanztechnischen Ebene stehe ein menschliches Verhalten, das geprägt sei von Gier und auf dem internationalen Markt geringeren Regulierungs- oder Kontrollmechanismen ausgesetzt sei. Es wurden zwar schon einige Jahre vorher Anzeichen der Krise in den Finanzberichten verschiedener Länder und auf internationalen Konferenzen identifiziert, die Dimension der Gefahren wurde aber deutlich unterschätzt. Es bleibt daher die Frage, ob in Zukunft Finanzkrisen früher erkannt und verhindert werden können.

Reichert beschrieb die aktuelle amerikanische Politikstrategie, die seit zwei Jahren darin besteht, massiv Geld an gefährdete Banken in das System zu bringen, in der Senkung des Leitzinses und der Absicherung des Wertpapiermarktes durch Garantien. Die derzeitige Debatte in den USA sieht die Einrichtung einer einzigen zentralen Bankaufsicht vor sowie die Gründung eines Aufsichtsrates für Finanzdienstleistungen, um insbesondere den Grad der systemischen Risiken aufgrund der Vernetzung der Banken zu beobachten und auch Institute schließen zu können. Des Weiteren soll die Rolle der Zentralbank ausgeweitet werden und die Anforderungen an die Kreditvergabe erhöht werden. Es gibt auch den Vorschlag, neben der amerikanischen Zentralbank eine neue Institution zu gründen, die speziell die Interessen der Bankkunden schützt. Insgesamt soll eine größere Transparenz bzgl. der Risiken hergestellt werden. Der Verkauf von riskanten Wertpapieren soll nur noch zu 90% möglich sein, so dass ein Teil des Risikos beim ursprünglichen Eigentümer verbleibt.

Reichert selbst schlägt vor, eine zentrale Datenbank einzurichten, in der alle notwendigen Informationen über den Abschluss von Kreditgeschäften gespeichert werden, die für die Beurteilung von Risiken relevant sind. Des Weiteren sollte im Rahmen eines Indexes für das Systemrisiko die Wachstumsrate des Finanzmarktes und der einzelnen Finanzprodukte beobachtet werden. Hierzu zählt auch der Grad der Konzentration der beteiligten Institute. Auf internationaler Ebene sollte ein Risiko-Fond eingerichtet werden, der eingreift, wenn global agierende Firmen gefährdet sind. Aufgegriffen wurde der Vorschlag eines "Letzter Wille" für Banken, mit dem diese vorab für den Fall eines Konkurses bestimmen sollen, wie zentrale ausstehende Geschäfte abgewickelt werden.

In der anschließenden Diskussion ging es neben dem grundsätzlichen Verhältnis von Freiheit auf den Märkten und deren Regulierung auch um die Frage, welche Rolle die Mentalität der am Finanzmarkt agierenden Menschen spielt. Gefragt wurde, ob sich die nächste Blase am Aktienmarkt abzeichne, da der Dow Jones schon wieder um 40% gestiegen sei. Dies verneinte Reichert, da der Markt in der Krise nach unten überreagiert habe. Allerdings ist davon auszugehen, dass aus weiteren Gründen früher oder später eine neue Krise entstehen könnte, dann sei hoffentlich ein besseres Frühwarnsytem vorhanden.

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