Samstag, 03. Dezember 2016


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Schwerpunktprogramm "Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne" (SPP 1688)

(lifePR) (Bonn, ) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit 2013 das Schwerpunktprogramm "Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne" (SPP 1688). Als Laufzeit sind insgesamt sechs Jahre vorgesehen. Für die zweite Förderperiode ab 1. Oktober 2016 wird hiermit zur Einreichung von Neu- und Fortsetzungsanträgen aufgerufen.

Zeit lässt sich als grundlegendes Phänomen von Sukzessivität nicht allgemein fassen, ihr Erscheinen ist an die merkmalsevidente Verbindung mit konkreten Gegenständen gebunden. Veränderungen von Zeitlichkeit vollziehen sich, so die forschungsleitende Annahme, zuerst durch Wahrnehmung, Darstellung und Praxis und dringen erst danach in die propositionalen Strukturen. Eine Grundthese des Schwerpunktprogramms lautet deshalb, dass der mit der Modernisierung verbundene Wechsel des Raum-Zeit-Regimes sich nicht nur an den Künsten und Artefakten "ablesen" lässt, sondern dass er ganz wesentlich durch nicht propositional zugängliche Verschiebungen präfiguriert und gebildet wird. Das Schwerpunktprogramm zielt somit auf eine Revision bestehender Forschungsansichten über Verzeitlichung und Modernisierungsprozesse und stellt etablierte Periodisierungen infrage.

Den integrativen Bezugspunkt der Forschungen bildet das Konzept der "Ästhetischen Eigenzeiten", das charakteristische und eigensinnige Zeit-Ordnungen und Zeit-Regime bezeichnet, die durch einzelne Objekte oder Subjekt-Objekt-Konstellationen konstituiert und präsentiert werden. Ästhetische Eigenzeiten realisieren sich durch "ästhetische Form" in der doppelten Semantik des Wortes, also durch sinnlich-materielle Erscheinung und künstliche ästhetische Darstellung oder, spezifischer, durch künstlerische Gestaltungspraktiken. Das Konzept der Ästhetischen Eigenzeit bezieht sich auf die in Artefakten selbst gesetzte, (per)formierte Zeit im Vollzug, zugleich artikuliert es ein historisches Zeitbewusstsein, das auf die allgemeineren gesellschaftlichen, technischen, kunsttheoretischen und wissenschaftlichen Zeitkonzepte reagiert und sie kommentiert, reflektiert und mitgestaltet.

Das Schwerpunktprogramm erstreckt seinen Untersuchungszeitraum von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart und ist interdisziplinär angelegt. Es will ästhetische Verfahren in allen kulturbildenden Bereichen, insbesondere auch in den Sozial- und Naturwissenschaften, als grundlegend für die Geschichte des modernen Zeit-Wissens ausweisen. Gezeigt werden soll, dass sich in den immer zugleich poetologisch und epistemologisch wirksamen Darstellungspraktiken künstlerische, wissenschaftliche und technische Moderne treffen und die komplexen Zeit-Regime, die die Moderne kennzeichnen, erst hier einer von den Expertisen der beteiligten Disziplinen ausgehenden kulturwissenschaftlich-komparativen Analyse zugänglich werden.

Für die zweite Projektphase 2016 bis 2019 ist vorgesehen, die Perspektive verstärkt auf außereuropäische Kulturen zu richten und Zeit und Zeitlichkeit auch als Ergebnis globaler Verflechtungsgeschichten zu thematisieren. Geplant ist zudem, das grundlegende Interesse an konkreten Gegenständen stärker auf Fragen der Materialität hin zu perspektivieren und die apparativen, technischen und physikalischen Möglichkeitsbedingungen der Implementierung von Eigenzeiten in den Blick zu rücken. Das zentrale Problem der Darstellung von Zeitlichkeit soll so auch prononcierter unter wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten untersucht werden. Weiterhin sollen aber auch die mit Literatur, Bild und Ton beschäftigten Disziplinen beteiligt bleiben. Dabei werden kulturwissenschaftlich, anthropologisch, transkulturell und wissensgeschichtlich orientierte Projekte aus diesen Fächern besonders begrüßt.

Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Programm und der Ausrichtung der zweiten Projektphase sind auf der Webseite des Schwerpunktprogramms zugänglich.

Anträge für bis zu drei Jahren Förderungsdauer müssen bis spätestens 3. Februar 2016 (deadline) elektronisch bei der DFG eingereicht werden. Die Antragstellung erfolgt über das elan-Portal zur Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten. Bitte wählen aus der angebotenen Liste "SPP 1688" aus. Berücksichtigen Sie bitte bei der Antragstellung die aktuellen Versionen des Programm-Merkblatts 50.05, Teil B (Merkblatt Schwerpunktprogramme) sowie des Leitfadens für die Antragstellung 54.04.

Handelt es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG, berücksichtigen Sie bitte, dass Sie sich vor der Antragstellung im elan-Portal registrieren müssen. Bitte erledigen Sie dies möglichst bis zum 20. Januar 2016. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag. Ohne vorherige Registrierung ist eine Antragstellung nicht möglich.

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