Donnerstag, 08. Dezember 2016


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EZB weist auf allmähliche Erholung des Prozesses der europäischen Finanzmarktintegration hin

(lifePR) (Frankfurt, ) Die Europäische Zentralbank (EZB) weist in ihrem heute veröffentlichten vierten Bericht über die Finanzmarktintegration in Europa (Report on Financial Integration in Europe) darauf hin, dass der Integrationsprozess an den europäischen Finanzmärkten allmählich wieder einsetzt. Nach der Finanzkrise waren in mehreren Marktsegmenten Zeichen einer Abschwächung des Integrationsprozesses zu beobachten gewesen. Nachdem sich die Marktbedingungen im Jahr 2009 und insbesondere 2010 jedoch schrittweise wieder normalisierten, kam es auch an den Märkten, die am stärksten von der Krise betroffen waren, zu einer Rückkehr zu einem Verflechtungsgrad, wie er vor der Krise beobachtet worden war. Da die Funktionsfähigkeit der europäischen Finanzmärkte allerdings noch nicht vollständig wiederhergestellt ist, ist nach wie vor Wachsamkeit geboten, und die aktive Präsenz der EZB an den Märkten ist weiterhin unerlässlich.

Im ersten Kapitel wird eine Beurteilung zum Stand der Finanzintegration im Euroraum anhand einer Reihe von Indikatoren vorgenommen, die von der EZB entwickelt wurden. Die Krise hat die Finanzmärkte in sehr unterschiedlichem Maße beeinträchtigt. Die integriertesten unter ihnen, z. B. die Geldmärkte, zeigten deutliche Anzeichen einer Beschränkung der Geschäftstätigkeit auf den heimischen Markt. Die Anleihemärkte und das Privatkundensegment im Bankenmarkt waren hingegen weniger betroffen, und an den Aktienmärkten setzte sich die grenzüberschreitende Integration ohne merkliche Einschnitte fort. Als sich die Bedingungen an den Finanzmärkten 2009 und 2010 schrittweise wieder normalisierten, kehrten die Märkte, die am stärksten gelitten hatten, auch schneller zu einem Verflechtungsgrad zurück, der vor der Krise vorgeherrscht hatte.

Das zweite Kapitel enthält vier Sonderbeiträge, d. h. eingehende Analysen zu ausgesuchten Themen:

- Der erste Beitrag zur Integration des Bankwesens und zur Bankenaufsicht in der Europäischen Union (EU) zeigt, dass das Privatkundensegment im Bankenmarkt bei der Integration hinterherhinkt, wohingegen das Großkundengeschäft seit jeher stark verflochten ist. Die Finanzkrise hat den Integrationsprozess im Bankensektor verlangsamt, dieser Effekt dürfte jedoch nur vorübergehender Natur sein. Die Krise hat die Debatte über die Finanzmarktregulierung und -aufsicht forciert und dazu geführt, dass Vorschläge bezüglich einer neuen EU-Finanzaufsichtsarchitektur erarbeitet wurden, die sich den Erwartungen zufolge günstig auf die Finanzmarktintegration wie auch auf die Finanzstabilität auswirken dürfte.

- Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit gedeckten Schuldverschreibungen, einem wichtigen Refinanzierungsinstrument für Kreditinstitute in Europa. Wenngleich mittlerweile in fast allen Ländern ein rechtlicher Rahmen für die Ausgabe gedeckter Schuldverschreibungen existiert, sind die Märkte nach wie vor fragmentiert. Es besteht daher Spielraum für eine weiter gehende Integration, insbesondere über die weitere Harmonisierung der zugrunde liegenden nationalen rechtlichen Rahmenwerke und über die Formulierung eines einheitlichen Standards oder einer einheitlichen Definition für gedeckte Schuldverschreibungen. Die Krise hat diese Märkte erheblich belastet, aber das Programm des Eurosystems zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen trug zu einer Wiederbelebung bei.

- Der dritte Beitrag befasst sich mit der Harmonisierung im Nachhandelssektor. Die Finanzkrise hat die entscheidende Rolle der Wertpapierclearing- und -abwicklungssysteme für die Finanzmarktintegration und Finanzstabilität unterstrichen. Die Integration in diesem Bereich wird nach wie vor durch rechtliche, steuerliche und technische Hindernisse erschwert. Eine wichtige Initiative zur Überwindung dieser Hindernisse ist das TARGET2-Securities-System, mit dem eine einheitliche technische Plattform für die Abwicklung europäischer Wertpapiergeschäfte in Zentralbankgeld zur Verfügung gestellt wird.

- Der vierte Beitrag untersucht die Auswirkungen der Finanzmarktintegration und -entwicklung auf die Finanzstabilität. Gut integrierte und
entwickelte Finanzsysteme erhöhen die Finanzstabilität. Die jüngste Krise hat jedoch auch deutlich gemacht, dass die Integration und Entwicklung der Finanzmärkte das Risiko finanzieller Instabilität unter bestimmten Umständen, beispielsweise aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit einer länderübergreifenden Ansteckung und weniger transparenter Finanzprodukte, erhöhen kann. Eine größere Markttransparenz, eine wirksame makroprudenzielle Aufsicht und ein effektives Krisenmanagement können diesen Entwicklungen entgegenwirken.

Das letzte Kapital des Berichts liefert einen Überblick über die wichtigsten Aktivitäten des Eurosystems auf dem Gebiet der Finanzmarktintegration im Jahr 2009.

Die Finanzmarktintegration ist für den europäischen Binnenmarkt und die EZB von zentraler Bedeutung. Sie erleichtert die reibungslose Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet und trägt außerdem durch Schaffung größerer, liquiderer und wettbewerbsfähigerer Märkte, die bessere Möglichkeiten zur Risikostreuung bieten, zur Finanzstabilität bei. Darüber hinaus fördert die Finanzmarktintegration das Wachstum, indem sie der Weiterentwicklung und Effizienz des Finanzsystems Vorschub leistet. Gleichzeitig erhöhen sich dadurch jedoch die grenzüberschreitenden Ansteckungsrisiken.

Der Bericht der EZB über die Finanzmarktintegration in Europa wurde auf der Konferenz zum Thema "Financial Integration and Stability: the Legacy of the Crisis" (Finanzmarktintegration und Finanzstabilität: Die Folgen der Krise) vorgestellt. Druckexemplare dieses Berichts sind bei der EZB, Abteilung Presse und Information, unter der nachstehenden Anschrift erhältlich. Der Bericht steht auch auf der Website der EZB zur Verfügung.

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