Dienstag, 06. Dezember 2016


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Konjunkturprognose 2010/2011: Commerzbank-Volkswirte erwarten Wachstumsraten von 1,8 % (2010) und 1,5 % (2011) für Deutschland

(lifePR) (Frankfurt am Main, ) .
- Euroraum hinkt den USA hinterher, im Euroraum schlägt sich Deutschland am besten
- Krämer: "Deutsches Arbeitsmarktwunder geht weiter"

"Die Weltwirtschaft ist gespalten: auf der Gewinnerseite stehen China und Lateinamerika, relative Verlierer sind die westlichen Industrieländer. Unter diesen bildet der Euroraum das Schlusslicht, die Exportnation Deutschland schlägt sich im Euroraum noch am besten. Alle westlichen Industrieländer werden nach dem Platzen der Finanzmarktblase noch lange mit niedrig ausgelasteten Kapazitäten kämpfen müssen und geringere Wachstumsraten aufweisen". Diese Kernaussagen treffen die Volkswirte der Commerzbank in ihrer heute in Frankfurt vorgestellten "Konjunkturprognose 2010/2011".

Deutschland: Konjunkturlokomotive im Euroraum

Im ersten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft - vor allem aufgrund des Einbruchs im Bau wegen des strengen Winters - leicht geschrumpft sein, diesen Rückgang mit einem starken Wachstum im zweiten Quartal aber mehr als wettmachen. "Im weiteren Jahresverlauf wird das Wachstum aber wieder nachlassen, auch wenn Deutschland sich besser schlägt als die anderen Länder des Euroraums", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Gebremst wird das Wachstum vor allem durch die Nachwehen der 2007 geplatzten weltweiten Kreditblase. Nach dem Einbruch der deutschen Wirtschaft um 5 % im vergangenen Jahr, erwartet Krämer eine Wachstumsrate von 1,8 % für 2010 und von 1,5 % für 2011.

Die Inflationsrate hat im März einen deutlichen Sprung nach oben auf 1,1 % gemacht; dies lag vor allem an der starken Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln. Die Kernrate, die diese beiden Komponenten ausblendet, dürfte dagegen weiter nachgeben. Insgesamt wird sich die Inflationsrate auf ihrem derzeit niedrigen Stand seitwärts bewegen. Damit ist für die nächste Zeit weder Inflation noch Deflation ein Thema.

Arbeitsmarkt: Das deutsche Arbeitsmarktwunder

Einen Lichtblick stellt der Arbeitsmarkt dar, den die Com merzbank-Volkswirte in einer Sonderstudie analysiert haben. "Positiv überrascht hat uns der Arbeitsmarkt: während vor einem Jahr noch Prognosen von zum Teil über 5 Millionen Arbeitslosen kursierten, rechnen wir jetzt mit einer Zahl von unter 3,5 Millionen zum Jahresende", sagte Eckart Tuchtfeld, Autor der Sonderstudie zum deutschen Arbeitsmarkt.

Überraschendes Ergebnis der Studie: dies lag nicht in erster Linie an der - oft überschätzten - Kurzarbeit, sondern daran, dass der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren, von vielen unbemerkt, in Gänze flexibler geworden ist. So ist die Arbeitszeit je Beschäftigten seit dem Ausbruch der Krise um 5 % (-43,5 Stunden im Jahr) zurückgegangen - der stärkste Einbruch seit 1991. Die in den Medien häufig erwähnte Kurzarbeit hat hierzu nur ein knappes Drittel beigetragen. Hauptrolle spielte die Verringerung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit, daneben leisteten der Abbau von Überstunden sowie von Guthaben auf Arbeitszeitkonten weitere bedeutende Beiträge.

Krämer: "Das deutsche Arbeitsmarktwunder geht weiter. Die Arbeitszeit atmet: Unternehmen entlassen nicht ihre Mitarbeiter, sie verringern stattdessen die Arbeitszeit je Beschäftigten." Die Verringerung des Arbeitseinsatzes um 5 % hat rein rechnerisch dazu beigetragen, dass 1,8 Millionen Menschen nicht in Arbeitslosigkeit fielen.

Ebenfalls zu der positiver als erwarteten Entwicklung am Arbeitsmarkt haben moderate Tariflohnzuwächse (die durchschnittlichen jährlichen Anstiege von 2001 - 2009 lagen um volle 3 Prozentpunkte unter denen des Zeitraums 1991 - 2000), eine negative Lohndrift, die deutliche Zunahme flexibler Formen von Erwerbstätigkeit (Teilzeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit) sowie eine rückläufige Tarifbindung beigetragen. In den alten Bundesländern unterlag 1998 erst ein knappes Viertel aller Beschäftigten keinem Tarifvertrag, 2007 waren es bereits 37 %. In den neuen Bundesländern ist in diesem Zeitraum der Anteil der nichttarifgebundenen Beschäftigten von 37 % auf 47 % angestiegen.

USA: Sparen, sparen, Sparen

Die USA schlagen sich unter den westlichen Industrieländern noch mit am besten. Nach dem außergewöhnlich kräftigen Wachstum im Schlussquartal 2009 konnte die amerikanische Wirtschaft auch in den ersten Monaten ordentlich zulegen. Im zweiten Halbjahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt wieder das Niveau vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise erreichen. Die Lagerinvestitionen der Unternehmen, die maßgeblich zur Erholung beigetragen haben, werden von nun an aber weniger zum Wachstum der US-Wirtschaft beitragen. Das spricht ebenso für ein nachlassendes Wachstum wie die hohe Verschuldung der amerikanischen Privathaushalte. Sie müssen ihre zuletzt wieder deutlich gesunkene Sparquote - etwa 3 % gegenüber 11,3 % in Deutschland (2009) - nachhaltig erhöhen.

"Aber auch der amerikanische Staat muss sparen, Haushaltskonsolidierung ist nicht nur im Euroraum ein Thema. Alles in allem erwarten wir, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr nur um knapp 3 % wachsen wird, das ist für US-Verhältnisse wenig", sagte Bernd Weidensteiner, der US-Volkswirt der Commerzbank.

Die Inflation wird auch 2010 kein Problem darstellen. Die US-Wirtschaft wird noch lange unter Massenarbeitslosigkeit leiden. Das hat den Anstieg der Löhne bereits gedrückt. Die Kerninflation (Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel) wird sehr niedrig bleiben. Die Fed dürfte ihren Leitzins nicht vor Ende des Jahres erhöhen.

Die Bekämpfung der Krise war für die öffentlichen Finanzen enorm kostspielig, die energischen Maßnahmen der Notenbank bergen die Gefahr erheblicher Nebenwirkungen. Der endgültige Erfolg des Krisenmanagements wird davon abhängen, ob Regierung und Fed die Nothilfemaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt beenden.

Euroraum: Peripherieländer belasten

Unter den westlichen Industrieländern bildet der Euroraum das Schlusslicht, die Wirtschaft im Euroraum ist im Winterhalbjahr 2009/10 kaum gewachsen. Der ungewöhnlich harte Winter hat vor allem in der Bauwirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Im Frühjahr dürfte ein Teil der Produktionsausfälle nachgeholt werden. Die Volkswirte der Commerzbank erwarten eine kräftige Zunahme des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Vierteljahr. Ab dem Sommer wird es dann aber wieder ohne Schwung aufwärts gehen. Krämer: "Das liegt auch an der Schuldenkrise, die das Wachstum in den Peripherieländern des Euroraums empfindlich dämpfen sollte. Wir rechnen für 2010 nur mit einem Plus von 1 %. Die EZB wird ihren Leitzins wohl erst im Frühjahr 2011 zum ersten Mal anheben."

Die Konjunkturprognose sowie die Studie zum Arbeitsmarkt finden Sie unter:
https://cbcm.commerzbank.com/de/site/research/economic_research/latesteresearch/index.jsp

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