Samstag, 03. Dezember 2016


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Leibniz-Nachwuchspreis an Angelika Sturm

(lifePR) (Hamburg, ) Dr. Angelika Sturm aus der Malaria-Forschungsgruppe von PD Dr. Volker Heussler am Bernhard-Nocht-Institut wird für ihre Dissertation über ein bisher nicht bekanntes Stadium im Vermehrungszyklus des Malariaparasiten mit dem Nachwuchspreis der Leibniz-Gemeinschaft in der Kategorie Natur- und Technikwissenschaften ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird jährlich unter den bundesweit 86 Leibniz-Instituten für herausragende Doktorarbeiten ausgelobt.

In ihrer Doktorarbeit "Parasit-Wirtszell Interaktionen während der Malaria Leberphase" beschreibt Angelika Sturm dieses von ihr erstmals identifizierte, völlig neue und bisher nicht bekannte Stadium im komplexen Vermehrungszyklus des Malariaparasiten.

Durch die Anopheles-Mücke übertragene Einzeller, so genannte Plasmodien, infizieren zunächst Leberzellen. In einer einzelnen Leberzelle können sich daraus innerhalb weniger Tage zehntausende Merozoiten entwickeln. Gelangen diese in die Blutbahn, infizieren sie rote Blutkörperchen und es kommt zum sogenannten erythrozytären Vermehrungszyklus, der für die schweren Krankheitsverläufe der Malaria verantwortlich ist. Während der erythrozytäre Vermehrungszyklus bereits gut erforscht werden konnte, war es bisher unklar, wie eine von tausenden Parasiten befallene Leberzelle vom Immunsystem nicht erkannt und entsprechend vernichtet werden kann. Unbekannt war auch, wie es den Parasiten von den Leberzellen aus gelingt, durch die Wände der Blutgefäße in die Blutbahn einzudringen.

Erstmals konnte Angelika Sturm diese Fragen beantworten: Die Parasiten täuschen das Immunsystem, indem sie die Signale der sterbenden Zelle abfangen und so die Erkennung und Eliminierung der Zelle durch die weißen Blutkörperchen verhindern. Gleichzeitig veranlassen sie die Leberzelle Membranausstülpungen, so genannte Merosomen, zu bilden, die bis in die Blutbahn hineinreichen: Wie in einem trojanischen Pferd passieren die Parasiten so die Wände der Blutgefäße. Dort werden sie anschließend abgeschnürt und in den Blutstrom freigesetzt, wo sie unmittelbar die roten Blutkörperchen infizieren. Dieser neu entdeckte Täuschungsmechanismus des Parasiten in der sterbenden Zelle und der Weg der Merozoiten in die Blutbahn bieten neue Ansatzpunkte zur Entwicklung von Medikamenten oder Impfstoffen. Die Ergebnisse der Arbeit wurden in äußerst renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht, u.a. in Science.

Neben der inhaltlichen Erkenntnis besticht Angelika Sturms Doktorarbeit auch durch ihre wissenschaftliche Methode: Die oben genannten Vorgänge beobachtete sie in Mäusen, die mit gentechnisch veränderten, grün fluoreszierenden Parasiten infiziert waren. Der Einsatz der sogenannten Intravitalmikroskopie ermöglichte ihr zudem Beobachtungen im lebenden Organismus.

Angelika Sturm forscht jetzt nach ihrer erfolgreichen Promotion als Post-Doc am Institut für Mikrobiologie der Monash-Universität in Melbourne, Australien.

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Seit seiner Gründung im Jahr 1900 ist das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Hamburger Hafen Deutschlands größtes Institut der Forschung, Lehre und Versorgung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten. Den bereits vom Gründer Bernhard Nocht formulierten Aufgaben "Forschen - Heilen - Lehren" widmen sich im BNI insgesamt 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Schwerpunkte der Forschung liegen aktuell auf den Gebieten Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Gewebewürmer, Amöben und Leishmanien. Klinische Forschungsprojekte werden in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Universität von Kumasi, Ghana, durchgeführt.

Das BNI ist Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren wie Ebola und Lassa. In der Forschung kooperiert das BNI in vielfältigen nationalen und internationalen Verbünden. Zahlreiche Forschungsprojekte werden in den Tropen durchgeführt - so unterhält das BNI seit zehn Jahren ein kooperatives Forschungszentrum in Ghana, Westafrika. Größte wissenschaftliche Leistung der jüngsten Vergangenheit war die Identifizierung des SARS-Virus 2003.

Seit 2008 wird das BNI als rechtlich selbstständige Stiftung geführt. Trägerin ist die Freie und Hansestadt Hamburg. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einer Vereinigung von 86 außeruniversitären deutschen Forschungseinrichtungen mit überregionaler Bedeutung, die zu gleichen Teilen von Bund und Ländern finanziert werden.

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