Dienstag, 06. Dezember 2016


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Geduldsfaden gerissen

Die Marktmeinung aus Stuttgart

(lifePR) (Stuttgart, ) Europa verliert die Geduld mit dem Sorgenkind Griechenland. Das Wahlergebnis, das zu einem extrem ausgerichteten Links-rechts-Bündnis geführt hat, wurde nach langem Fremdeln noch mehr oder weniger akzeptiert. Dann aber wurde die Erwartung, dass die vielen wilden Wahlversprechen der neuen Regierung zur Seite gelegt werden, um ernsthaft nach einem Kompromiss im Schuldenstreit zu suchen, Woche um Woche enttäuscht. Die aus vielen Krimis bekannte und von der griechischen Regierung offensichtlich praktizierte Good Guy (Ministerpräsident Tsipras)/Bad Guy (Finanzminister Varoufakis) Taktik geht vielen europäischen Verantwortlichen zunehmend auf die Nerven. In der gleichen Sekunde werden die Forderungen der Gläubiger-Institutionen als "absurd" abgelehnt, um dann sofort zu vermelden, eine Einigung stünde so nah wie nie zuvor bevor.

Dieses Spielchen geht seit Wochen so und die griechische Regierung setzt offensichtlich auf den Erpressungsfaktor "Vermeidung Euro-Krise II". Nun, die griechische Regierung könnte sich verrechnet haben, denn nicht nur der sehr geringe Anteil der Wirtschaftskraft Griechenlands im Verhältnis zur Euro-Zone (circa zwei Prozent) deutet darauf hin, dass sich Griechenland für zu bedeutend hält. Das Anleihenkaufprogramm der EZB, das noch mindestens bis September 2016 andauert und gestern vom europäischen Gerichtshof genehmigt und mit sehr viel Rückenwind versehen wurde, ist bestens geeignet, Ansteckungseffekten in der südeuropäischen Peripherie entgegenzuwirken. Der Vertrauensvorschuss, den EZB-Präsident Draghi genießt, dürfte im Verbund mit einem konzertierten europäischen Finanzminister-Krisenmanagement dazu führen, dass die Finanzmarkt-Schockwellen im Falle einer griechischen Staatspleite gedämpft bleiben dürften. Ministerpräsident Tsipras dürfte im Moment der Pleite erkennen, dass er lieber etwas mehr Kompromissbereitschaft gezeigt hätte. Denn es steht zu erwarten, dass die Belastungen der griechischen Bürger im Falle einer Staatspleite sehr viel höher sein werden als im Falle einer Erfüllung der immer wieder abgelehnten Forderungen der internationalen Gläubiger-Institutionen.

Die Aktien-, Renten- und Devisenmärkte haben sich in einer Art "Abwarte-Seitwärtshaltung" eingenistet. Um größere Schwankungen und Ausschläge zu vermeiden, steht zu hoffen, dass realistische Wahrnehmungen der Gesamtsituation Einzug halten.

Sie finden die Marktmeinung ebenfalls unter folgendem Link: www.privatbank.de/presse

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