Montag, 05. Dezember 2016


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Und wieder führen alle Wege nach Rom

(lifePR) (Zürich, ) Rom war einst das politische, geografische und wirtschaftliche Zentrum der alten Welt. Das heutige Italien hat zwar viel von diesem Glanz eingebüßt, doch das Land nimmt nach wie vor eine wichtige Stellung im europäischen Gefüge ein. Man könnte sogar sagen, dass der Weg zur Lösung der europäischen Schuldenkrise gewissermaßen über Rom führt.

Zu behaupten, die Zinssätze in Spanien und Italien seien der wirtschaftlichen Entwicklung nicht förderlich, wäre eine Untertreibung. Im Gegenteil: Angesichts der Konjunkturlage in diesen Ländern muss man das Zinsniveau als restriktiv bezeichnen. Eine Folge davon ist, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Wirkung nicht entfalten kann, eine Tatsache, die auch vom Zentralbankpräsidenten, Mario Draghi, nicht bestritten wird. Grund dafür ist das fehlende Vertrauen der Investoren in die Zukunft des Euro und in die Fähigkeit Spaniens und Italiens, wieder ein nachhaltiges Verschuldungsniveau zu erreichen.

In enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) entwickelt die EZB einen Plan zur Intervention auf den Anleihenmärkten von Unterstützung suchenden Ländern. Als Vorbedingung für eine Intervention der EZB werden diese Länder bestimmte Auflagen, die in einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) festgehalten sind, zu erfüllen haben. Des Weiteren ließ die EZB verlauten, sie plane, das Problem der Vorrangigkeit angekaufter Anleihen anzugehen - für die Anleger ein wichtiges Anliegen. In jedem Fall sind noch viele offene Fragen zu klären, bevor die Marktteilnehmer den Glauben an eine Lösung der Schuldenkrise wiederfinden. Schlimmer noch, es erwarten uns möglicherweise einige negative Überraschungen, die den Prozess aus der Bahn werfen könnten. So wird der deutsche Bundesgerichtshof voraussichtlich am 12. September seine Entscheidung bekannt geben, ob der europäische Rettungsfonds überhaupt verfassungskonform ist. Am gleichen Tag finden in den Niederlanden Parlamentswahlen statt. Und schließlich hängt die Ungewissheit über das Schuldenabbauprogramm Griechenlands wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Fundamentale Probleme jetzt lösen

Trotz aller Probleme könnten die jüngsten Maßnahmen der europäischen Behörden das Schlüsselereignis darstellen, auf das die Märkte so lange gewartet haben. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Schuldenkrise in der Eurozone Ende 2009 haben die Behörden möglicherweise genug Zeit gewonnen, um die fundamentalen Fragen anzugehen, die im Raum stehen, z.B. eine gemeinsame Bankenaufsicht, Budget-Kontrolle, strukturelle Reformen oder eine vertiefte politische Union.

Was China betrifft, so gehört das Land zurzeit nicht zu den favorisierten Anlagemärkten. Die Ergebnisse der chinesischen Unternehmen fielen schwach aus. Überdies ist das Reich der Mitte gerade dabei, sich von seiner Investitions- und Exportfokussierung zu verabschieden zugunsten eines neuen Wachstumsmodells, das sich in erster Linie auf den heimischen Konsum abstützt. Vontobel hält den Markt wegen der günstigen Bewertung der Aktien aber trotzdem für attraktiv. Zudem sind nach der Erneuerung des Politbüros entscheidende Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft absehbar.

Italienische Staatsanleihen in günstigem Licht

Auch in anderer Hinsicht schwimmen wir gegen den Strom: Italienische Staatsanleihen weisen unserer Ansicht nach attraktive Renditen bei einem beschränkten Risiko auf. Es ist davon auszugehen, dass die EZB und die EFSF die Zinssätze effektiv begrenzen werden. Angesichts der Größe Italiens ist an ein Rettungspaket wohl nicht zu denken, somit kommt dem Land im Hinblick auf die Zukunft der Eurozone eine Schlüsselrolle zu. Einerseits ist es der größte Markt für Staatsanleihen in Europa und - hinter den USA und Japan - der drittgrößte weltweit. Mit einer Verschuldungsquote von 120 Prozent ist Italiens Haushalt schwer belastet, weil das Wirtschaftswachstum seit langer Zeit gering ist und die Wettbewerbskraft seit Einführung des Euro nachgelassen hat. Andererseits erwirtschaftet das Land einen bedeutenden Primärüberschuss (annähernd zwei Prozent des BIP), ist die Verschuldungsquote seit 1992 unverändert (was kein anderes Land der Eurozone geschafft hat) und wurden strukturelle Reformen sowie eine umfassende Reform des Rentensystems eingeleitet. Die meisten Marktteilnehmer unterschätzen wohl die Fähigkeit Italiens zur Stabilisierung seiner Verschuldung.

Insgesamt hat sich das Marktumfeld nicht verändert: Es ist durch eine extrem hohe Staatsverschuldung, ungenügendes Wachstum und schwere Eingriffe der Zentralbanken gekennzeichnet. Zudem belasten die steigenden Haushalts- und regulatorischen Risiken in zahlreichen Ländern die Gewinnaussichten. Vontobel rechnet deshalb nicht mit einer Rückkehr der Aktienmärkte zu einem stabilen Wachstumstrend, sondern gehen von einer Seitwärtsbewegung aus.

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