Donnerstag, 08. Dezember 2016


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Im Gestrüpp der Beziehungen

ArtikultTheater zeigt "Lantana" im Pelkovenschlössl in Moosach

(lifePR) (München, ) Pelkovenschlössl goes Theater: In einem einmaligen Kreativakt hat das Team des ArtikultTheaters seinen angestammten Aufführungsraum im Kultur- und Bürgerhaus in Moosach in eine Bühnenlandschaft voller Leben und Leidenschaft verwandelt. Unter der Regie von Kerstin Weiler feierte Andrew Bovells Schauspiel "Lantana" am Wochenende eine erfolgreiche Premiere: Inszenierung und Schauspieler begeisterten das Publikum. Im Münchner Westen macht bereits das geflügelte Wort vom "Kleinen Theater im Pelkovenschlössl" die Runde.

"Wenn Beziehungen starr werden, dann brechen sie leichter!" Mit diesem Gedanken im Hinterkopf machte sich Regisseurin Kerstin Weiler an die Arbeit und an die Umsetzung von Andrew Bovells anspruchsvollem Schauspiel "Lantana" (im Original "Speaking in Tongues"). Anders als vom australischen Autor ursprünglich vorgesehen, setzte die 44-Jährige dabei nicht auf vier Schauspieler, sondern übertrug die vorhandenen neun Rollen auch neun Darstellern. So konnte der Zuschauer dem verworrenen und verwirrenden Geschehen besser folgen, die handelnden Personen besser auseinander halten.

Zudem kürzte Weiler die in vielen Dialogüberschnitten und Parallelpassagen antizyklisch erzählten Episoden an entscheidenden Stellen: So beginnen Sätze im ersten Akt beim einen und enden beim anderen Pärchen auf der anderen Seite der zweigeteilten Bühne. Menschen scheinen miteinander zu kommunizieren, obwohl sie doch in verschiedenen Räumen sind.

"Sie hat mir Angst gemacht! Es war mir peinlich. Ich wusste nicht, wie ich mich vor einer fremden Frau ausziehen soll", sagt Pete (Guido Verstegen) und blickt dabei schräg über die Bühne hinweg rüber zu Sonja (Ulrike Grehlich), die wie er seiner Frau Jane (Bianca Issing) ihrem Mann von dem gemeinsamen "missglückten" Seitensprung erzählt. Nicht ahnend, dass ihr "Bastard" Leon (erstmals im Artikult-Ensemble: Thomas Linde) das Ganze am gleichen Abend bis zum Letzten durchgezogen hat. Sein Aufriss heißt Jane ...

Diese Story allein könnte schon abendfüllend sein, doch nach einer Stunde, sechs abwechslungsreich erzählten Szenen und einer (Denk-)Pause geht es erst richtig los: Das Publikum erlebt den ganz normalen Beziehungswahnsinn mit all seiner Sprachlosigkeit, all seiner Liebe, all seinen Verwicklungen. "Lantana camara" ist eine wild wachsende Tropenpflanze, die undurchdringliches Buschwerk bildet und dem Stück seinen passenden Namen gibt. Die Schönheit trügt - die Pflanze ist dornig und giftig. Der Zuschauer landet im Dickicht, mittendrin im Geflecht von Verletzungen und verlorenem Vertrauen.

Menschen begegnen sich, gehen auseinander, Schicksale verschmelzen miteinander. In diesem Gestrüpp verfangen sie sich alle - ob nun der Polizist, die Psychotherapeutin, die Nachbarin oder der Jogger. Große Liebe und großes Glück bedeuten großes Risiko.

Ein Risiko, das Sarah (Anne Liehmann) nicht eingehen will. Sie, die ihre Beziehungen immer dann aufgibt, wenn sie wachsen wollen. Sie, die so nie das große Glück erleben kann. "Ich habe Angst, dass ich einfach so weiter machen werde. Dass ich einfach immer weiterziehen werde. Dass ich, wann immer mich jemand zu sehr liebt, einfach weiterziehen werde", sagt Sarah im Gespräch mit ihrer Therapeutin. Nicht ahnend, dass diese Valerie (Manja Evers) die vom Leben gezeichnete Ehefrau ihres Geliebten John (Markus Flüggen) ist.

Überraschend dann die Auflösung der Geschichte um die braunen Budapester, die Leon im ersten Akt seiner Frau Sonja sozusagen als Gleichnis erzählt: Neil (Stefan Brandstätter) - Sarahs Ex-Freund - lässt sie am Strand stehen, Leon nimmt sie mit. Ob Neil sich umbringt oder ertrinkt, bleibt offen.

Emotional dann die Auflösung der Geschichte um die verschwundene Frau, die der hilfsbereite Arbeitslose Nick (Tobias Beck) in seinem Auto mitnimmt. Es ist Valerie, die dann am Buller's Way mitten hinein ins Gestrüpp läuft und nie wieder auftaucht. Ob sie von der Klippe ins Meer gesprungen ist, wie es die so plakativ und packend von vier in Reih und Glied stehenden Schauspielern erzählte Traumsequenz andeutet?

Der dritte Akt ähnelt mehr einem Kriminalstück und offenbart in den geschliffenen Parallel-Dialogen von Therapeutin und Patientin beziehungsweise von Polizist und Ehemann der Vermissten schließlich das ganze Ausmaß, das ganze Dilemma der Geschichte(n) ...

Das Bühnenbild (Anja Callam) und die Lichttechnik (Ralph Müller) geben der trotz ihrer zwei Stunden immer kurzweiligen Inszenierung den passenden Rahmen. Callam baut beim modular austauschbaren Mobiliar auf grob gezimmerte, unförmige Sitz- (Hotel, Therapieraum, Bar, Wohnzimmer) und Liegegelegenheiten (Hotel), die sich in den Pausen zwischen den Szenen des ersten Aktes trotz ihrer rustikalen Bauweise schnell umrüsten lassen - so wird das Bett zum Sofa, das Sofa zur Bar.

Alle Möbel - das Bett ist einer Euro-Palette entsprungen - haben den Touch von Strandgut, eine Botschaft, die sehr gut mit dem im Hintergrund leise auf den Bühnenboden rieselnden Sand harmoniert. Er mag die Zeit symbolisieren; aber auch die Beziehungen, die womöglich im Sande verlaufen; oder auch den Strand, an dem sich einige Handlungsstränge abspielen.

Müllers Idee, aus den Bühnenelementen gestaffelt stehende Podeste fürs Publikum zu schaffen, zahlte sich aus. Sicher gab es auf den hinteren Plätzen immer noch ein eingeschränktes Sichtfeld, aber das Gros der Zuschauer hatte jetzt einen besseren Blick auf die mit schwarzem Tanzboden ausgelegte Bühne. Der Techniker unterstrich jede Szene mit eindrucksvollem Lichtspiel, verlieh vor allem der dramatischen Traumsequenz im zweiten Akt (hier setzte er gezielt "leuchtende" Nebelschwaden ein) und Valeries "Abgang" im dritten Akt eine besondere Note.

Fazit: Das Team vom ArtikultTheater hat sich in "Lantana" mit viel Gespür für die Situation und für die Menschen des immer wieder neuen Themas Beziehungen angenommen. Von Anfang an nimmt uns Kerstin Weilers Inszenierung gefangen und lässt uns nicht mehr los.

Weitere Aufführungstermine

Donnerstag, 25. bis Samstag, 27. Februar 2010, jeweils 20:00 Uhr
PASINGER FABRIK
August-Exter-Straße 1, 81245 München-Pasing
Telefon: 089-82 92 90 79
Karten an der Abendkasse Di-So 17:30-20:30 Uhr oder unter www.muenchenticket.de

Donnerstag, 11. März bis Samstag, 13. März 2010, jeweils 20:00 Uhr
PASINGER FABRIK
August-Exter-Straße 1, 81245 München-Pasing
Telefon: 089-82 92 90 79
Karten an der Abendkasse Di-So 17:30-20:30 Uhr oder unter www.muenchenticket.de

Sonntag, 21. März und Montag, 22. März 2010, jeweils 19:00 Uhr
OBERANGERTHEATER
Oberanger 38, 80331 München
Karten: 089-99 75 82 13 und karten@artikulttheater.de

Freitag, 9. April und Samstag, 10. April 2010, jeweils 20:00 Uhr
INTERIM
Agnes-Bernauer-Straße 97, 80687 München-Laim
Karten: 089-54 66 29 51 und www.interim-kultur.de

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