Über 500 Menschen demonstrierten in Berlin für den Erhalt der Erstattungsfähigkeit von Insulinanaloga für Kinder

Bundesgesundheitsministerium bekundet Unterstützung / Organisatoren des Protests ziehen positive Bilanz

Die Übergabe der Petition (Foto: Angela Monecke) (lifePR) ( Mainz, )
Mehr als 500 Menschen sind dem Aufruf der Organisation diabetesDE gefolgt und haben am Mittwochnachmittag (19. Mai 2010) in Berlin für den Erhalt der Erstattungsfähigkeit kurzwirksamer Insulinanaloga für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes demonstriert. Eigentlich war die Entscheidung darüber für den 20. Mai geplant, wurde aber nun erst einmal auf den Herbst vertagt.

Betroffene Kinder und Jugendliche, deren Eltern, Ärzte, Diabetesberaterinnen sowie Vertreter mehrerer Verbände und Selbsthilfe-Organisationen versammelten sich um 15 Uhr vor der Geschäftsstelle von diabetesDE und zogen in einem Protestmarsch gemeinsam zum Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Berlin Mitte, um dort ihren Unmut über die sture Haltung des Gemeinsamen Bundesausschusses in dieser Angelegenheit zu äußern.

G-BA beharrt derzeit weiterhin auf Streichung der Erstattungsfähigkeit

In einem Stellungnahmeverfahren vertritt der G-BA nämlich die Ansicht, dass den Familien mit stoffwechselkranken Kindern die Kosten für diese modernen Arzneimittel nicht mehr von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstatten werden sollen da sie angeblich keinen Zusatznutzen gegenüner herkömmlichen Humaninsulin hätten - obgleich das BMG bereits vor zwei Jahren diesen Plänen seine Zustimmung verweigert hatte.

"Für die meisten Familien ist das Analoginsulin aus eigener Tasche nicht bezahlbar. Doch alle Kinder auf das erstattungsfähige Humaninsulin umzustellen, würde mit Komplikationen verbunden sein", erklärte Professor Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Und der Geschäftsführer von diabetesDE, Dr. Dietrich Garlichs, fügte hinzu: "Die Sparpolitik kann nicht ausgerechnet zu Lasten derjenigen gehen, die bereits in frühen Jahren an der chronischen Krankheit Diabetes Typ 1 erkrankt sind."

"Geben Sie sich einen Ruck!"

Im Ministerium übergab eine Delegation - u.a. bestehnd aus Prof. Danne und Dieter Möhler, Bundesvorsitzender der Patientenorganisation Deutscher Diabetiker Bund (DDB) - dem Presseprecher des BMG, Christian Lipicki, eine Petition mit 5.000 Unterschriften gegen die Streichung der Erstattungsfähigkeit. Dabei forderte Möhler gegenüber Lipicki: "Geben Sie sich einen Ruck! Stoppen Sie das Verfahren! Was offenkundig ist, braucht keinen Nachweis durch Studien!"

Bundesgesundheitsministerium: "Umstellung für Kinder unzumutbar"

Der BMG-Sprecher sah die Demonstration und die Übergabe der Petition zwar als deutliches Signal, der eigentliche Adressat sei allerdings der G-BA. Trotzdem bekundete er die Unterstützung des Ministeriums in dieser Sache. So habe man bereits vor zwei Jahren betont, dass die Umstellung auf andere Insuline für Kinder und Jugendliche unzumutbar sei. Damals schon habe man dem Bundesausschuss "den Ball ein Stück weit zurückgespielt".

Im Anschluss an die Petitionsübergabe sprach Prof. Danne zu den Mitdemonstranten: "Das Gesundheitsministerium verfolgt die Sache sehr genau. Das hat mich sehr optimistisch gestimmt." Die Demonstration habe sich "unbedingt gelohnt" und das BMG habe nochmals bekräftigt, dass die Umstellung auf andere Insuline für Kinder unzumutbar sei - die Entscheidung liege jetzt beim G-BA. Prof. Er könne sich nicht vorstellen, dass dieses Gremium entscheidet, ohne die Eckpunkte des BMG zu berücksichtigen.

Danne betont großartige Unterstützung aller Beteiligten

Für die Erstattungsfähigkeit der Analoginsuline für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes wurde bereits zum zweiten Mal demonstriert. "Ich hoffe, dass keine dritte Demonstration nötig ist", so Danne. Abschließend betonte der Vorsitzende von diabetesDE noch die "großartige Unterstützung" aller beteiligten Menschen und Verbände.

Auch die anderen Demonstartionsteilnehmer zeigten sich kämpferisch. Margit Munz, Vorsitzende von DiaBolinus - Elterninitiative diabetischer Kinder und Jugendlicher, aus Hannover war mit ihren Söhnen Niklas, 14 und Gerrit, 11 dabei. Beide haben Typ-1-Diabetes. "Ich hoffe, dass Bundesgesundheitsminister Rösler wie seine Vorgängerin Schmidt entscheidet: Dass eine Umstellung für Kinder und Jugendliche unzumutbar ist", so Munz.

Die Demonstartion war "Politik-Unterricht live"

Niklas trägt eine Insulinpumpe. Mit dem Analog-Insulin könne er essen, wann er will. Die Demo war für ihn "Politik-Unterricht live". Sein jüngerer Bruder, der Analog-Insulin spritzt, findet es "super und wichtig, dass wir dabei waren."

Nicole Milde, ebenfalls aus Hannover, kam mit ihrer elfjährigen Tochter zur Demo nach Berlin. Ein Leben ohne Analog-Insulin wäre für ihr Kind "im Schulablauf gar nicht machbar". Die Politik sollte "an anderen Sachen sparen" und Einsparungen "nicht auf dem Rücken der Kinder" austragen.

25.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes

In Deutschland leben rund 25.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Mehr als die Hälfte davon nutzen derzeit kurzwirksame Insulinanaloga, mit denen sie ihren Tagesablauf genauso flexibel gestalten können wie Kinder ohne Diabetes.

Nur durch den schnelleren Wirkungsbeginn und die kürzere Wirkdauer können Aktivitäten wie Sport und Spiel spontan wahrgenommen werden, so diabetesDE. Kinder und Jugendliche mit Diabetes würden damit weniger der Gefahr ausgesetzt, stigmatisiert oder isoliert zu werden.

Insulinanaloga reduzieren das Unterzuckerungsrisiko

Außerdem zeigen internationale Studien, dass diese modernen Insuline gegenüber herkömmlichen Humaninsulin das Risiko für Unterzuckerungen reduzieren, die sogar zu Ohnmachtsanfällen führen können. Symbolisch trugen die Demonstranten deshalb ein Kind auf einer Bahre mit, um zu signalisieren: "Diese Politik macht uns ohnmächtig".

Bildtext: Die Übergabe der Petition. Von links: Michaela Berger (Vorstand diabetesDE und VDBD), Margit Munz (Vorsitzende DiaBolinus), Christian Lipicki (Pressesprecher des BMG), Prof. Dr. Thomas Danne (Vorstandsvorsitzender diabetesDE), Dieter Möhler (Vorsitzender des DDB) und Dr. Dietrich Garlichs (Geschäftsführer diabetesDE). (Foto: Angela Monecke)
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