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Neue VEM-Publikation stellt Modell zur Dekolonisierung des globalen Lernens vor

Kein „Wir hier und die dort" mehr

(lifePR) (Wuppertal, )
Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) hat eine neue englischsprachige Publikation mit dem Titel „Decolonising Global Learning – The GLEP Approach of the United Evangelical Mission" veröffentlicht. Auf 171 Seiten stellt das Buch das Konzept des „Global Learning in Ecumenical Perspective" (GLEP) vor: ein internationalisiertes, diverses Lernmodell, das koloniale und paternalistische Denkmuster überwinden will – Denkmuster, die bis heute in Kirche und christlichen Institutionen wirken.

16 Autor*innen aus der internationalen Ökumene haben Artikel, Vorträge und Forschungsarbeiten zum Thema beigesteuert, darunter der 2022 verstorbene VEM-Moderator Willem Simarmata.

Die Herausgeber*innen – Pfarrerin Marie-Anne Halim (Leiterin der Region Deutschland der VEM), Pfarrer Andar Parlindungan (Generalsekretär der VEM) und Angelika Veddeler (VEM-Vorstandsmitglied im Ruhestand und Mit-Entwicklerin des GLEP-Modells) wollen mit dem Buch eine akademische Weiterentwicklung anstoßen: „Wir erwarten, dass diese Publikation gemeinsam studiert werden kann, um dieses Konzept akademisch weiterzuentwickeln. Es gehört zum Wesen von GLEP, dass dieses Lernmodell offen dafür ist, von vielen im Bereich des globalen Lernens Interessierten herausgefordert und weitergedacht zu werden."

VEM-Expertise gegen koloniale Denkmuster

Die Dekolonisierung des Lernens gehört seit Langem zu den zentralen Anliegen der VEM. Die Einteilung in „Empfänger*innen" und „Geber*innen" präge weiterhin die Beziehungen zwischen Kirchen des Globalen Südens und des Nordens – ebenso wie die Vorstellung, Kirchen des Nordens hätten den Kirchen des Südens etwas zu lehren. Solche paternalistischen Haltungen wollen die Herausgeber*innen hinter sich lassen und stattdessen gemeinsam wachsen.

Zudem sehen sie in den aktuellen gesellschaftlichen Polarisierungen – in Deutschland wie weltweit – ein Signal: Es brauche neue Formen des Zusammenlebens, global wie lokal. Die internationale evangelische Gemeinschaft will dafür eigene Erfahrungen aus einer langen Geschichte gemeinsamen Lebens und Lernens über Grenzen hinweg einbringen.

Elf Schritte für gemeinsames Lernen

Zur Überwindung kolonialer Denkmuster folgt die Gestaltung aller Bildungsprogramme der VEM dem Grundverständnis, dass sie gemeinsam und international organisiert und durchgeführt werden. Vielfalt und Beteiligung bestimmen jeden Schritt der Planung. Dafür kommen elf konkrete Schritte des gemeinsamen Lernens zur Anwendung:
  1. Ein vielfältiges Umfeld mit diversen Gruppen schaffen
  2. Themen gemeinsam identifizieren
  3. Diverse Leitungsteams bilden
  4. Ziele gemeinsam mit den tragenden Gruppen festlegen
  5. Über Grenzen akzeptierter Werte kommunizieren
  6. Inhalte und Strukturen gemeinsam planen
  7. Gemeinsam in vielfältigen, internationalen Gruppen lernen
  8. Gemeinsam lehren – mit Trainer*innen aus verschiedenen Regionen und Berufsfeldern
  9. Gemeinsam leiten und traditionelle Bildungsrollen verändern
  10. Methoden und Orte finden, die viele Perspektiven fördern
  11. Konflikte wahrnehmen und transformieren
Das Ziel lautet: gemeinsames Lernen – nicht voneinander, miteinander oder übereinander, um überholte Dichotomien von „wir hier" und „die dort" zu überwinden.

Das Buch steht hier auf der Website der VEM zum kostenfreien Download bereit.

Vereinte Evangelische Mission (VEM)

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Büros in Wuppertal, Indonesien und Tansania ist eine internationale, gleichberechtigte Gemeinschaft von 39 Mitgliedern, darunter 32 evangelische Kirchen in Afrika und Asien sowie sechs deutsche EKD-Kirchen und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die VEM verfolgt konsequent ein ganzheitliches Missionsverständnis. Dazu gehört, die Lebensumstände notleidender und benachteiligter Menschen unter Achtung ihrer persönlichen Würde und Berücksichtigung ihres kulturellen Kontexts zu verbessern.

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