VdAW-Verbandstag 2012 in Sindelfingen, Stadthalle

Das private Agrargewerbe in Baden-Württemberg erzielte in 2011, 3,7 Mrd Euro Umsatz im Zuliefer- und Absatzgeschäft

(lifePR) ( Stuttgart, )
Die Mitgliedsbetriebe des Agrargewerbes mussten auch in 2011 ihren Platz behaupten und sich den ständigen Veränderungen und Herausforderungen des Marktes anpassen sagte Heinz Künkele, Präsident des Verband der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) e. V.

Völlig unbefriedigend bezeichnete Künkele die derzeitige Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen im Agrarbereich insgesamt. Anstatt Bürokratie abzubauen, werden neue, sinnlose Vorgaben geschaffen, die außer einer Arbeitsplatzsicherung für staatliche Organisationen in Deutschland absolut keinen Nutzen bringen. Als Beispiel wurde das aktuelle Thema "Nachhaltigkeit bei Biomasse", was wieder zu einer Zertifizierung in der Branche mit Aufwand und Kosten führt, aber überhaupt keinen Sinn in Bezug auf die Erhaltung von Natur und Umwelt bringt.

Weiter ist unverständlich daß für notwendige Importware wie z.B. Soja, eine Nulltoleranz mit Spuren von in der EU nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gilt. Der Vorschlag der EU Kommision, einen technischen Schwellenwert von 0,1 % einzuführen ist überfällig so Künkele.

Die Wirtschaftslage allgemein ist in Folge der Bankenkrise durch eine massive Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Mit Milliarden versuchen die EU-Mitgliedsstaaten derzeit einigen EU- Mitgliedsstaaten zu helfen. Dabei entsteht der Eindruck, dass die wirkliche Hilfe den Großbanken zugute kommt, die an diesen Staaten seit langem Kredite vergeben haben - oder soll tatsächlich die Stabilität des Euros gestützt werden?

Für die Binnenwirtschaft dürfte die Schwäche des Euros keine großen Nachteile mit sich bringen, für den Export deutscher Waren in Drittländer sind Vorteile zu erkennen, was letztendlich zur Verbesserung der Auftragslage unserer Wirtschaft und damit auch eine Stabilisierung der Beschäftigungssituation führt. Importe werden jedoch teurer.

Die rund 1.600 mittelständischen Unternehmen des Agrargewerbes in Baden-Württemberg agieren in Märkten, die sehr schnelllebig sind und flexible und rasche Anpassungsstrategien erfordern. Mit der Auswirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise sind diese Unternehmen teilweise konfrontiert. Das vergangene Jahr war zum Teil von steigenden Rohstoffpreisen, einer lebhaften Konjunktur und guter Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft aber auch der Verbraucher gekennzeichnet.

Nach dem Ausnahmejahr 2009/10 mit rückläufigen Umsatzzahlen meldeten die Agrargewerbeunternehmen im abgelaufenen Jahr in fast allen Sparten deutliche Umsatzzuwächse. Der Gesamtumsatz stieg auf rund 3,7 Mrd. Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Dies sind über alle Branchen des Agrargewerbes gerechnet-ca. 8 % mehr als im Vorjahr. Die weiter günstige Konjunkturprognose im laufenden Geschäftsjahr darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass stabile wirtschaftliche Verhältnisse mit langfristigen positiven Wachstumsraten nicht unbedingt zu erwarten sind.

Während der Absatz von Mineralölen und Brennstoffen weitgehend positiv verlief, sorgte die gute Liquidität in der Landwirtschaft für lebhaften Absatz bei den landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, insbesondere in der Agrartechnik. Im Motorgeräte-Fachhandel ist das vergangene Jahr im Gegensatz zu vielen anderen Branchen sehr positiv verlaufen. Der Umsatz konnte über 10 % gesteigert werden.

Bei den landwirtschaftlichen Lohnunternehmen ist ein stetig wachsender Umsatz zu verzeichnen. Der Bedarf des überbetrieblichen Maschineneinsatz in der Landwirtschaft steigt. Neue Geschäftsbereiche durch die weiter entwickelnde Bioenergieerzeugung, insbesondere im Bereich der Substratbeschaffung für Biogasanlagen, tragen zum Wachstum der Branche bei.

Anders sieht es bei den Forstunternehmen aus. Die Betriebe sind ebenfalls mit moderner Technik für die Holzernte, Rückearbeiten und Transport ausgestattet. Die Auftragslage ist allerdings sehr stark abhängig von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit aufgrund der Vergabepraxis durch Ausschreibungen der staatlichen Forstverwaltung. Aufgrund der verschiedenen Forstkalamitäten der letzten Jahre wurden in Deutschland zum Teil Überkapazitäten an Forsttechnik angeschafft. Dies führt im harten Wettbewerb zu sinkenden Angebotspreisen.

Die Mühlen- und Landhandelsbetriebe sind konfrontiert mit einer spürbaren Veränderung in den Märkten sowie der Struktur ihrer langjährigen Kunden. Gestiegene Preise für Getreide und Ölsaaten und die in diesem Zusammenhang enorm gestiegene Volatilität dieser Märkte haben dazu geführt, dass sich sowohl die reinen Erfassungsbetriebe als auch die verarbeitenden Mühlen ständig neu an die aktuelle Marktsituation anpassen müssen. Wer die Chancen dieser Märkte nutzen und gleichzeitig die enormen Risiken für sein Unternehmen begrenzen will, muss sich intensiv in die Märkte einarbeiten und das Marktgeschehen analysieren. Der Nutzung von verschiedenen Kontraktmodellen an Warenterminbörsen kommt in diesem Zusammenhang ebgenso eine zunehmende Bedeutung zu wie klaren Regelungen in der Gestaltung und Um-setzung von Anbau- und Lieferverträgen mit der Landwirtschaft

Deutliche Veränderungen zeichnen sich auch bei der wichtigsten Kundengruppe der Landhandels- und Mühlenbetriebe, den Landwirten ab.

Die gravierendste Veränderung in der Landwirtschaft ergibt sich dabei durch den Bioenergiesektor, der die Angebot- und Nachfragestruktur total verändert. Durch die rasante Zunahme von Kapazitäten bei Biogas brechen noch immer Vermarktungsmengen bei Getreide und Ölsaaten auf lange Sicht weg und der Bedarf von Betriebsmitteln, vor allem bei Futter- und Düngemitteln, geht deutlich zurück.

Im vergangenen Wirtschaftsjahr ging die Zahl der meldepflichtigen Mühlen in Deutschland um 10 auf 262 Betriebe zurück, was einem Rückgang um 3,7% entspricht. Die durchschnittliche Getreidevermahlung pro Betrieb stieg im Berichtszeitraum um rund 5,5% auf 32.350 t je Mühle an. Bei den acht deutschen Hartweizenmühlen erhöhte sich die Vermahlungsmenge um 5.900 t auf 55.520 t Hartweizen je Betrieb. Bezogen auf die Bundesländer lag die durchschnittliche Vermahlung je Betrieb in Baden-Württemberg bei 12.900 t, in Bayern bei 17.200 t und in Hessen bei 21.100 t.

Die gesamte Vermahlung von Brotgetreide erreichte im Berichtszeitraum knapp 8 Mio. t, was einer Zunahme um 1% oder rund 81.500 t entspricht. Während die Vermahlung von Weichweizen um 85.500 t auf 7,14 Mio. t anstieg, reduzierte sich die Vermahlung von Roggen auf 0,86 Mio. t (-4.000 t). Zusammen mit der um 47.250 t (+11,9%) erhöhten Vermahlung von Hartweizen stieg die Gesamtvermahlung in Deutschland um 128.800 t (+1,5%) auf rund 8,4 Mio. t an. Anteilmäßig hielt Weichweizen 84,6%, Roggen 10,1% und Hartweizen 5,3% an der Gesamtvermahlung.

Die Vieh- und Fleischbranche ist von einem starken Strukturwandel gekennzeichnet. Die Rinderbestände im Land sind seit Jahren rückläufig, die Schlachtschweinebestände expandieren. Besonders bei der Sauenhaltung wird ab dem 1.1.2013 ein deutlicher Rückgang erwartet, da dann die gesetzlich vorgeschriebene Umstellung auf Gruppenhaltung greift. Dadurch wird der Strukturwandel mit der Tendenz zu immer größeren Betrieben mit großen Stückzahlen weiter beschleunigt. Auch im Schlachtsektor ist ebenfalls eine Konzentration auf wenige Großbetriebe zu beobachten.

Der Tierschutz spielt eine immer bedeutendere Rolle. Neben den Haltungsbedingungen betrifft dies hauptsächlich den Tiertransport und die Bedingungen im Schlachthof. Im Gegensatz zur strukturellen Entwicklung geht hier der Wunsch der Verbraucher eher zurück auf eine "bäuerliche" Erzeugung.

Der Getränkesektor ist gekennzeichnet von einem Rückgang beim Konsum von klassischem Fruchtsaft. Neben einer Vielzahl neuer Produkte am Markt macht den mittelständischen Keltereien hauptsächlich die Verpackungsstruktur zu schaffen. Mittlerweile wird die Hälfte der fruchthaltigen Getränke in PET-Einwegflaschen verkauft, die vor allem beim Großhandel wegen ihres geringen Gewichts und der nicht notwendigen Logistik des Rücktansports punkten.

Beim Discount als größter Absatzkanal zeichnet sich eine Sättigung dieses Vertiebsweges an - im vergangenen Jahr nahm der Anteil erneut ab und liegt derzeit bei knapp 60%.

Die Hälfte des deutschen Apfelsaftes wird von den Fruchtsaftbetrieben in Baden-Württemberg erzeugt. Im Wettbewerb zu den Apfelsäften aus heimischen Streuobstwiesen nimmt die Safterzeugung mit Billigkonzentraten aus China, die über Polen und die Türkei nach Deutschland eingeführt werden, weiter zu. Fruchtsaftbetriebe, die Apfelsäfte aus heimischer Produktion herstellen, müssen für diese Säfte am Markt einen höheren Preis erzielen, um den Streuobstbesitzern einen akzeptablen Erzeugerpreis für das Mostobst bezahlen zu können.

Die Trauben- und Weinproduktion steht derzeit ganz im Zeichen der neuen EU-Weinmarktordnung und des Bezeichnungsrechtes. Der Weinmarkt blieb im vergangenen Jahren von der Wirtschaftskrise weitgehend verschont. Die Weinerzeugung in Baden Württemberg ist 2011 nach zwei vorausgehenden Jahrgängen um über 20 % auf 2,37 Mio. Hektoliter gestiegen. Der Weinmengenabkonnte im vergangenen Jahr um 2,5 % gesteigert werden also ein recht stabiler Weinmarkt. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die nachgewiesene Verlagerung des Außer-Haus-Konsums in Richtung in-Haus-Konsum.

Insgesamt sind die mittelständischen Agrargewerbebetriebe gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet. Die Unternehmer und ihre Mitarbeiter sind motiviert, bestens informiert und hervorragend ausgebildet, wozu der VdAW auch wesentlich beiträgt. In den meisten Betrieben ist die Nachfolge geregelt. Die Betriebe weisen überwiegend ein gesundes Wachstum und eine maßvolle Investitionstätigkeit auf. Dies macht die Unternehmen krisenfest und bietet den Landwirten einen ausreichenden Wettbewerb und einen verlässlichen Partner.
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