Mittwoch, 26. Juli 2017


Neue philosophische Buchzeitschrift LATENZ stellt ihre Konzeption auf der Buchmesse vor

Erster Call for papers stellt die Zukunft der Demokratie ins Zentrum der kommenden ersten Ausgabe von LATENZ

Mössingen-Talheim, (lifePR) - Latenz - Journal für Wissenschaft und Gesellschaft, Arbeit und Technik, Kunst und Kultur: Einladung zur Mitwirkung

Es wird anders. Die Welt befindet sich im Umbruch. Neue Technologien, neue Lebensweisen, neue Erfahrungswelten, aber auch neue Konfliktformationen. Die Zukunft ist offen. Aber sie ist nicht zufällig. Sie wird bedingt durch die ungleichzeitigen Dynamiken der Vergangenheit und die Ansprüche und Forderungen einer vielschichtigen Gegenwart. Der Philosoph Ernst Bloch sprach einst von der Front des historischen Prozesses, an der sich eine „objektiv-reale Möglichkeit“ ablesen lassen müsse: „Dann eben, wenn Front den vordersten Abschnitt jener Zeit darstellt, in der es so wie bisher nicht weitergehen kann, und worin der nachfolgende Zustand, im Sprung stehend, auf der Kippe stehend, entschieden wird oder nicht. An unserem Jetztsein aber, es klärend, sein Gesicht aufschlagend, hat die Front sich letzthin zu bewähren“ (Ernst Bloch: Tübinger Einleitung in die Philosophie).

Das Journal „LATENZ“ versteht sich sowohl in der Tradition der Philosophie Ernst Blochs, fühlt sich aber nicht an dessen Stil und Methode des Philosophierens gebunden, wie auch in der Tradition der politischen Praxis Karola Blochs. Das Erkenntnisinteresse der Herausgeber/innen und der Redaktion besteht in einer konkret-utopischen Diagnose der Gegenwart. Dafür sind alle mit diesem Anliegen kompatiblen theoretischen und politischen Ansätze gefragt und willkommen. Das Verbindende bleibt der „aufrechte Gang“, die „moralische Orthopädie“, wie Ernst Bloch sie als Leitgedanken formuliert, d. h. das emanzipatorische Element aus der Tradition der Aufklärung, welches sich mit dem „guten und nützlichen“ Erbe des Christentums trifft.

Das Journal ist eine in unregelmäßigen Abständen erscheinende Buch-Zeitschrift, in der versucht wird, offensichtliche wie verborgene, dominante oder auch nur auf Nebengleisen verlaufende gesellschaftliche Trends und Tendenzen zu analysieren und kritisch zu diskutieren. Wohin geht die Reise in Politik, Ökonomie, Technik, Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft? Welche „objektiv-realen Möglichkeiten“ birgt unsere Gegenwart? Worin besteht die Latenz des Jetzt?

Das Journal „LATENZ“ will ein Debatten-Forum sein. Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Fachdisziplinen und gesellschaftlicher Gruppierungen sollen eine Plattform erhalten, auf der innerhalb eines breiten Themenspektrums zwischen Gesellschaftstheorie und historisch-politischer Analyse, ökonomischer Prognose und ästhetischer Kritik versucht werden soll, die Gegenwart zu vermessen, deren innere Dynamik aufzuspüren und auf ihr eventuell emanzipatorisches Potenzial hin zu befragen.

Das Journal wird getragen von einem Herausgeber-Team, einer Redaktion und einem Beirat. Die Herausgeberschaft liegt beim Talheimer-Verlag (Mössingen) und dessen Geschäftsführung, bei Irene Scherer und Welf Schröter. Die Redaktion wird sich aus einem teils festen, teils je nach Thematik variierenden Personenkreis zusammensetzen. Aufgabe der Redaktion ist es, für jede Ausgabe einen jeweils themenbezogenen Call-for-Papers herauszugeben und die eingesandten Beiträge auf ihre thematische Relevanz und wissenschaftliche oder erfahrungsgereifte Qualität hin zu bewerten und die Inhalte der Publikation zu organisieren.

Der Beirat setzt sich aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Gesellschaft zusammen. Seine Aufgabe ist es, die Redaktion inhaltlich zu beraten, Themen und Autor/innen vorzuschlagen und Kontakte zu vermitteln.

Die Redaktion der ersten Ausgabe, die im Jahr 2016 erscheinen soll, wird von Dr. Dr. Matthias Mayer, Dr. Mathias Richter, Inka Thunecke, Irene Scherer und Welf Schröter gebildet. Der Call-for-papers wird über den Mailverteiler des „bloch-akademie-newsletters“ (siehe www.bloch-blog.de) verbreitet. Kontakt: schroeter@talheimer.de

LATENZ
Erster Aufruf zur Einreichung von Beiträgen (Call for papers)
13. Oktober 2015

Wer ist das Volk?
Die Vermessung der Demokratie –
Spannungen im zivilgesellschaftlichen Bewusstsein


Seit ihren Anfängen im antiken Griechenland wird der politischen Demokratie immer wieder diagnostiziert, sie befände sich in einer Krise. Derzeit allerdings erstreckt sich das Krisenbewusstsein auf zwei Kerngehalte der modernen Demokratie: die Norm politischer Gleichheit und den Anspruch auf Selbstregierung. Die sozialen Rahmenbedingungen für politische Partizipation begünstigen sozial Bessergestellte und benachteiligen gesellschaftliche Gruppen mit niedrigen Bildungschancen und geringerer materieller Ausstattung bei der Durchsetzung ihrer Interessen. Zugleich formulieren immer mehr Bürger Partizipationsansprüche bei politischen Entscheidungen, die in ihre unmittelbare Lebenswelt eingreifen. Regierungen versuchen ihr Handeln durch Plebiszite zu legitimieren. Derweil verweisen vermeintliche Sachzwänge politischer wie ökonomischer Provenienz auf mögliche Grenzen demokratischer Willensbildung. Vor dem Hintergrund von Eurokrisen, Flüchtlingsbewegungen und populistischen Lösungsangeboten will LATENZ Umfang und Reichweite der Demokratie vermessen und auf ihr emanzipatorisches Potenzial hin neu zu befragen:

1. Welche Erbschaften der Demokratieutopien sind noch unabgegolten und drängen tendenziell auf Einlösung? Welche Errungenschaften sind schon wieder verloren gegangen? Welche neuen Horizonte von Demokratieutopien entfalten sich heute?
2. Welche neuen Verknüpfungen von direkter und repräsentativer Demokratie sind erforderlich?
3. In welchen Hinsichten liegt die Verwirklichung politischer und sozialer Demokratie in Europa in der Überwindung und Aufhebung nationalstaatlicher Begrenzungen?
4. Lässt sich die in vielen Ländern Europas während der letzten Jahre in der Exekution vermeintlicher ökonomischer Sachzwänge erstarrte Parteiendemokratie wiederbeleben oder liegt die Zukunft der Demokratie in der Konfrontation zwischen einem linken und einem rechten Populismus?
5. Wie verteidigt man den Raum demokratischer Deliberation erfolgreich gegen populistische Versuchungen, die zur Diktatur der Mehrheit streben?
6. Qualifizierte Öffentlichkeiten und qualifizierte Kommunikationskulturen sind Bedingungen für das Funktionieren moderner Demokratien. Welche strukturellen Veränderungen lösen neue digitale und virtuelle Kommunikationstechniken aus?
7. Lässt die Geschwindigkeit von gesellschaftlichen und technischen Änderungsprozessen demokratische Bewertung und Reaktion noch angemessen zu? Wie kann ggfs. eine Angleichung der Geschwindigkeiten erzielt werden?
8. Welchen Stellenwert haben demokratische Verfahren, wenn sich Bürger zunehmend nicht mehr als Teil der Gesamtgesellschaft empfinden und auf ihre Partizipationsrechte verzichten? Was bedeutet es, wenn plötzlich auf Grund von Zuwanderung ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung nicht mehr oder noch nicht wahlberechtigt ist?
9. Welche Konsequenzen hat es für ein demokratisch verfasstes Gemeinwesen, wenn weitreichende politische Entscheidungen jenseits des europäischen und der nationalen Parlamente gefällt werden?
10. Welche Abwehrkräfte können Demokratien gegen das Unterlaufen ihrer Entscheidungen durch neoliberale Wettbewerbsregime entfalten?
11. Wieviel politische Demokratie ist möglich ohne Wirtschaftsdemokratie? Wie kann die Tendenz zur Refeudalisierung von Politik und Wirtschaft beantwortet werden?
12. Und wo deuten sich womöglich Grenzen der Demokratie an? Hat die Mehrheit immer Recht? Wie totalitär sind sogenannte identitäre Demokratiekonzepte? An welchem Punkt schlagen sie in eine Tyrannei der Mehrheit um?

Die erste Ausgabe der Zeitschrift LATENZ erscheint im Herbst 2016.

• Autorinnen und Autoren werden gebeten, ihre Meldungen für den Call als erste kurze Skizzen bis spätestens 30. November 2015 einzureichen an schroeter@talheimer.de
• Im Dezember 2015 erfolgt die Auswahl durch die Redaktion und die Verständigung der Schreibenden.
• Die Abgabe der Beiträge soll bis Ende März 2016 geschehen.

Redaktion LATENZ c/o Talheimer Verlag, Rietsweg 2, 72116 Mössingen-Talheim, E-Mail: schroeter@talheimer.de

Mitglieder des Beirates der Buchzeitschrift LATENZ
(alphabetisch sortiert, Stand 13. Oktober 2015)

• Dr. Dirk Balfanz, Geschäftsführer der CAS Education, CAS Software AG, Karlsruhe.
• Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bundesgeschäftsführer des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), Berlin;
• Hans-Ernst Böttcher, Präsident des Landgerichts i.R., Lübeck;
• Dr. Boris Buden, Philosoph, Publizist, European Institut for Progressive Cultural Policies (eipcp), Wien;
• Reinhard Bütikofer, Mitglied des Europäischen Parlaments und Ko-Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei (EGP)
• PD Dr. Volker Caysa, Universität Leipzig, Institut für Philosophie; Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Leipzig;
• Dr. Rainer Funk, Psychoanalytiker, Nachlass- und Rechteverwalter von Erich Fromm, Erich Fromm Institut Tübingen;
• Jürgen Jahn, Dipl.-Germanist, langjähriger Lektor Ernst Blochs beim Aufbau-Verlag, Berlin;
• Dr. Simone Kimpeler, Leiterin des Competence Center Foresight, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe;
• Dr. Wilfried Korngiebel, Literaturwissenschaftler und Philosoph, Bochum / Hattingen;
• Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Universität Ulm; China Intelligent Urbanization Co-Creation Center at Tongji University Shanghai, Argenbühl;
• Dr. Constanze Kurz, Leiterin des Ressorts Zukunft der Arbeit (ZdA), IG Metall Vorstand, Frankfurt;
• Dipl.-Ing. Claudia Lenz, Freie Architektin; Lehrbeauftragte des Instituts für angewandte Architekturstrategien, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig);
• Prof. Dr. Christoph Menke, Philosoph, Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Goethe Universität Frankfurt am Main;
• Regine Möbius, Schriftstellerin, Vizepräsidentin des Deutschen Kulturrates und stellvertretende Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), Leipzig;
• Prof. Dr. Arno Münster, Philosophieprofessor im Ruhestand / Unversität Amiens, Nizza;
• Prof. Dr. Alice Pechriggl, Philosophin & Psychotherapeutin, Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt;
• Prof. Dr. habil. Sabine Pfeiffer, Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Soziologie;
• Prof. Dr. Gérard Raulet, Philosoph, Germanist, Lehrstuhl für deutsche Ideengeschichte, Universität Paris-Sorbonne;
• Beate Schmeichel-Falkenberg, Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, Kurt-Tucholsky-Gesellschaft, Gesellschaft für Exilforschung, Mössingen;
• Michael Schwemmle, Geschäftsführer der Input Consulting GmbH – Beratungsgesellschaft für Innovationstransfer, Post & Telekommunikation, Stuttgart;
• Prof. Dr. Stefan Selke, Forschungsprofessur „Transformative & Öffentliche Wissenschaft", Hochschule Furtwangen;
• Prof. Dr. Yves Sintomer, Politikwissenschaftler, Département de science politique an der Universität Paris 8;
• Prof. Dr. Gordana Škorić, Universität Zagreb, Philosophische Fakultät, Abteilung für Philosophie, Zagreb;
• Prof. Dr. Grazyna Barbara Szewczyk, Lehrstuhl für Literaturtheorie und Literarische Komparatistik, Schlesische Universität Katowice;
• Prof. Dr. Winfried Thaa, Politikwissenschaftler, Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Trier;
• Imre Török, Schriftsteller; stellvertretender Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), Berlin;
• Prof. Dr. Mohamed Turki, emer. Professor für Philosophie, Universität Tunis, Recklinghausen;
• Prof. Dr. Hans-Dieter Will, Fachhochschule Erfurt, ehem. Geschäftsführer des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe, Beirat der Karola-Bloch-Stiftung, Reutlingen;
• Peter Zudeick, Freier Journalist, Bonn/Berlin
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Der Talheimer Verlag verlegt Sachbücher aus den Bereichen Philosophie, Gesellschaftswissenschaften, Arbeitswelt, Technik, Wissensgesellschaft, Frauen im Beruf, Religionskritik und veröffentlicht Bücher von Karola Bloch, Jan Robert Bloch, Eugen Rosenstock-Huessy sowie Beiträge zur Philosophie Ernst Blochs.

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