Montag, 27. Februar 2017


Karlsruhe und die Sudetendeutschen

Posselt gratuliert Karlsruhe zum 300. Stadtgeburtstag

(lifePR) (Stuttgart, ) .
- Posselt gratuliert zum 300. Stadtjubiläum
- Menschenrechte im Zentrum sudetendeutschen Handelns
- Sudetendeutsche wollen sich bei den Heimattagen 2017 einbringen
- Aktuelle Situation der Sudetendeutschen
- Karlsruhe darf nicht abgehängt werden - Magistrale für Europa wichtige Bahnstrecke

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren fanden viele Sudetendeutsche nach der Vertreibung auch in Karlsruhe eine neue Bleibe. Und wie in anderen Orten auch, so haben sie sich in der ehemaligen badischen Landeshauptstadt beim Wiederaufbau aktiv eingebracht. Eine besondere Bedeutung hatten die Heimatvertriebenen auch im politischen Bereich, als es um die Neugliederung des Bundeslandes Baden-Württemberg ging. Waren es doch ihre Erfahrungen in der verloren gegangenen Heimat, die sie dazu veranlassten einem zukünftigen Bundesland Baden-Württemberg mehrheitlich zuzustimmen.

Die Sudetendeutschen, die einst von böhmischen Herzogen ins Land gerufen worden waren, um dort das Land zu bestellen und bei der Entwicklung zu helfen, ahnten sicher nicht, dass ein badischer Großherzog durch weitreichende Privilegien den Aufbau seiner Stadt Karlsruhe im Jahr 1715 forcierte. "Wisst, dass die Deutschen freie Leute sind" ließ Herzog Sobieslav im Jahre 1176 verkünden und versprach den Deutschen in Prag 550 Jahre vor Großherzog Karl-Wilhelm in Karlsruhe den Neuansiedlern schon weitreichende Privilegien. Nun also brachte die Nachkriegsgeschichte die Sudetendeutschen - und nicht nur diese - auf tragische Weise um Haus und Hof und Hab und Gut. Von nun an also Karlsruhe; von den früheren Privilegien war nichts mehr geblieben, es ging ums nackte Überleben.

Posselt gratuliert zum 300. Stadtjubiläum

300 Jahre nach der Stadtgründung Karlsruhes erinnert sich die Stadt im besonderen Maße seiner Gründung. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe ließ es nicht nehmen der Einladung von Klaus Hoffmann, Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Baden-Württemberg zu folgen und sich über dieses besondere Ereignis zu informieren. "Ich gratuliere der Stadt Karlsruhe herzlich zu diesem 300. Geburtstag", sagte Posselt, der hier seine ersten beruflichen Sporen verdiente, und weiter "Karlsruhe zeigt sich als weltoffene und moderne Stadt."

Erster Bürgermeister Jäger, CDU, begrüßte Bernd Posselt und Klaus Hoffmann zu einem Meinungsaustausch im Karlsruher Rathaus. Anschließend informierte Dr. Oliver Langewitz im KA300-Laden, einem Informationsbüro rund um den Stadtgeburtstag, die beiden über den aktuellen Stand kurz vor Beginn der Feierlichkeiten. Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgte Posselt dessen Ausführungen. Bei einem Blick ins Programmheft assoziierte Posselt bei einem Bild der spektakulären Installation des argentinischen Künstler Leandro Erlich mit dem Titel "Pulled by the Roots", sofort die Historie der Sudetendeutschen. Entwurzelt schwebt ein Haus über dem Karlsruher Marktplatz - entwurzelt wurden die Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Menschenrechte im Zentrum sudetendeutschen Handelns

Die Sudetendeutschen sind bis heute Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Karlsruhe als Sitz des Bundesverfassungsgerichts, als Stadt mit einem Platz der Grundrechte und einem Platz der Menschenrechte setzt hier deutliche Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen. Posselt regte daher einen Menschenrechtskongress an. Er verwies auf den erfolgreichen Menschenrechtskongress zu Pfingsten in Augsburg und sah eine Fortsetzung anlässlich der Heimattage 2017 in Karlsruhe als Möglichkeit an. "Vertreibungen verletzen Menschenrechte" stellte Posselt fest. Daher wäre Karlsruhe ein idealer Austragungsort des 2. Menschenrechtskongresses der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Posselt verglich den Privilegienbrief des Karlsruher Stadtgründers Karl-Wilhelm mit dem 1176 von Herzog Sobieslav erlassenen Privilegien für die Deutschen in Prag "Wißt, dass die deutschen freie Leute sind." und stellte fest "Privilegien sind positive Rechte".

Sudetendeutsche wollen sich bei den Heimattagen 2017 einbringen

Die Heimattage 2017 fanden sein ungeteiltes Interesse. Mit dem Isergebirgsmuseum in Neugablonz und dem Sudetendeutschen Museum in München sah er zwei mögliche Partner. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat in Karlsruhe bestünde die Möglichkeit sich dem Thema Heimat gemeinsam anzunähern und mit neuen Impulsen zu versehen. "Das Isergebirgsmuseum ist das modernste Vertriebenenmuseum" sagte Posselt und bot seine Unterstützung an.

Aktuelle Situation der Sudetendeutschen

Selbstverständlich ging Posselt auch auf die derzeitige Situation innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft ein. Ende Februar wurde eine Satzungsänderung beschlossen und eine Grundsatzerklärung verabschiedet. "Ich habe größten Respekt vor denen, die sich mit den durchgeführten Änderungen schwer tun, weil sie ernsthafte Argumente vorbringen, oder weil sie nach 70 Jahren diesen Weg nicht mehr mitgehen können", so Posselt und verwies darauf, dass innerhalb der Landsmannschaft intensiv diskutiert wird.

Aber er verwies auch auf die positiven Reaktionen aus der tschechischen Republik. Der stellvertretende Ministerpräsident Pavel Bělobrádek sprach am Sudetendeutschen Tag ein Grußwort per Videostream, viele Tschechen waren in Augsburg persönlich anwesend. "Es gibt nicht die Tschechen und es gibt nicht die Sudetendeutschen" stellte Posselt fest. Er sieht die Aufgabe darin "Frieden zu machen". 70 Jahre hätte man in Deutschland Zeit gehabt die Geschichte aufzuarbeiten, damit verglichen stünde die Aufarbeitung in der Tschechischen Republik erst am Anfang, denn dies sei erst seit 1989 möglich.

Karlsruhe darf nicht abgehängt werden - Magistrale für Europa wichtige Bahnstrecke

Posselt, kam mit der Bahn aus Straßburg nach Karlsruhe. "Die Zukunft gehört den Schnellbahnen", daher sei der Ausbau der Bahnstrecke von Karlsruhe nach München von größter Bedeutung. Die "Magistrale für Europa" verbindet den Südwesten mit Paris und Bratislava/Pressburg. "Karlsruhe darf nicht abgehängt werden", so Posselt weiter und ergänzte, "genauso wenig wie Stuttgart und München".

Bildnachweise:

"Posselt im Laden KA300" zeigt von links Dr. O. Langewitz, Bernd Posselt, Klaus Hoffmann: Team KA300 vor der Programmtafel zum Festivalsommer in Karlsruhe

"Entwurzeltes Haus" Leandro Erlich, Pulled by the Roots, 2015, Außeninstallation mit Kran
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Sudetendeutsche Landsmannschaft Landesgruppe e. V

Wir vertreten die im Land Baden-Württemberg wohnenden Sudetendeutschen.

Die Nachfahren jener Deutschen, die vor mehr als 800 Jahren in den sogenannten "Böhmischen Ländern", nämlich in Böhmen, Mähren und dem südlichen Teil Schlesiens (diese Länder bilden heute die "Tschechische Republik") ansässig geworden sind, wurden in diesem Jahrhundert unter dem Sammelnamen "Sudetendeutsche" bekannt.

1945/46 wurden 3,2 Millionen von den insgesamt 3,5 Millionen Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben, ihr Eigentum wurde entschädigungslos konfisziert. Konfiskation und Vertreibung waren begleitet von blutigen Exzessen. Grundlage dieser gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßenden "ethnischen Säuberung" bildeten Dekrete, die vom damaligen tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Beneš erlassen worden waren und die heute noch gültig sind.

Rund 600 000 dieser vertriebenen Sudetendeutschen kamen nach Baden-Württemberg, wo sie sich eine neue Existenz aufbauten und in das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben eingegliedert wurden. Sie fanden sich in zahlreichen Vereinigungen zusammen, deren Grundlage ganz verschiedenartig war: Herkunftsgebiete, politische oder kulturelle Interessen, Freizeitgestaltung, berufliche Gemeinsamkeiten und manches mehr.

Jeder 15. Einwohner Baden-Württembergs ist Sudetendeutscher. Heute gibt es in Europa und Übersee insgesamt rund 3,8 Millionen Sudetendeutsche. Rund 600 000 von ihnen kamen im Zuge der Vertreibung aus ihrer Heimat nach dem 2.Weltkrieg nach Baden-Württemberg. Gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung trugen sie in der Nachkriegszeit zum Wiederaufbau des Landes bei. Durch ihre Stimmabgabe bei der Volksabstimmung 1952 waren sie wesentlich am Zustandekommen des "Südweststaates" beteiligt. Die für Baden-Württemberg kennzeichnende Ausgewogenheit zwischen großen Weltfirmen, Mittel- und Kleinbetrieben hat die wirtschaftliche Eingliederung der Sudetendeutschen und die Gründung neuer Werke und Fabriken durch sudetendeutsche Unternehmer in besonderem Maße erleichtert. Stellvertretend dafür seien genannt die Autofirma Porsche in Stuttgart, die Wiesenthal-Glashütte in Schwäbisch Gmünd, die Aluminium-Hütte Grohmann in Bisingen,die Maschinenfabrik Panhans in Sigmaringen, die Papierwerke Zechel in Reilingen,das Pharmawerk Merckle in Blaubeuren, dazu zahlreiche weitere mittlere und kleinere Betriebe.

27 Städte und Gemeinden Baden-Württembergs übernahmen Patenschaften über sudetendeutsche Kreise, Gemeinden und Landschaften. Insgesamt 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen - wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen, Heimatstuben - wurden durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut.

Aus dem kulturellen Leben des Landes sind manche Namen von Sudetendeutschen nicht mehr wegzudenken, wie z. B. der Bildhauer Prof. Otto H. Hajek, die Tänzerin Birgit Keil, die Komponisten Karl-Michael Komma und Widmar Hader, der weltbekannte Posaunist Armin Rosin, die Dirigenten Wolfgang G. Hofmann und Emmerich Smola, die Malerin Traude Teodorescu-Klein oder der Dichter und Schriftsteller Josef Mühlberger - um nur einige wenige stellvertretend zu nennen.

Das Sudetenland im Vergleich zur Fläche einzelner deutscher Bundesländer

Bayern 70550 km2
Baden-Württemberg 35750 km2
Sudetenland 26500 km2
Hessen 21100 km2
Schleswig-Holstein 15700 km2
Saarland 2600 km2

Die kulturelle Verflechtung der Sudetendeutschen mit den übrigen deutschen Ländern und Landschaften ist seit Jahrhunderten eng und vielgestaltig.

Beispiele sind: Der schwäbische Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der im 14. Jahrhundert u. a. den Veitsdom in Prag erbaute, oder der aus dem Egerland kommende Barockbaumeister Balthasar Neumann, der nicht nur die Würzburger Residenz, sondern z. B. auch berühmte Treppenhäuser in Brühl und Bruchsal schuf. Auch andere Namen, herausgegriffen aus einer großen Zahl, beweisen den lebendigen Anteil, den die Deutschen aus den böhmischen Ländern am geistigen Leben des gesamten deutschen Volkes hatten und haben: Der Komponist Johann Wenzel Stamitz aus Deutsch-Brod beispielsweise, der später in Mannheim wirkte, Vinzenz Prießnitz und Johann Schroth, die großen Naturheiler, der Brünner Abt Gregor Mendel, dessen Vererbungslehre zur Grundlage moderner Genetik wurde, die Friedensnobelpreis-Trägerin Bertha von Suttner, die Dichter Rainer Maria Rilke, Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, die Maler Alfred Kubin oder Ferdinand Staeger, aber auch die Bamberger Symphoniker, die nach der Vertreibung aus den "Prager Deutschen Philharmonikern" hervorgegangen waren, oder auch der Schriftsteller Otfried Preußler aus Reichenberg, dessen "Räuber Hotzenplotz" und "Kleine Hexe" heute Millionen Kinder und Erwachsene erfreuen.

Die Organisationen der Sudetendeutschen spiegeln in ihrer Vielfalt und Vielschichtigkeit das Leben und die Interessen der Angehörigen dieser Volksgruppe wider. Im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich gibt es sudetendeutsche Zusammenschlüsse, aber auch auf Generationsebene und im Bereich der Freizeitgestaltung.

In Baden-Württemberg gibt es heute 27 größere sudetendeutsche Vereinigungen, von denen viele noch Untergliederungen auf Orts- und Kreisebene haben.

Mehrere sudetendeutsche Zeitschriften werden in Baden-Württemberg herausgegeben, ebenso haben verschiedene sudetendeutsche Stiftungen, Institute und Gesellschaften ihren Sitz in diesem Lande.

Die Sudetendeutschen im Vergleich zur Einwohnerzahl verschiedener Staaten

Norwegen 4,1 Mio
Sudetendeutsche 3,8 Mio
Irland 3,3 Mio
Albanien 2,7 Mio
Luxemburg 0,36 Mio
Island 0,23 Mio

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