Nur großes Geld: Fehler auf Briefmarke

bundesbank.jpg (lifePR) ( Göttingen, )
„50 Jahre Deutsche Bundesbank“ lautete das Thema. Da lag es nahe, auf der Sondermarke Geld abzubilden. Die Deutsche Mark, deren Hüterin die Bundesbank lange Jahre war, teilt sich den Platz mit dem Euro. Doch was haben die Münzen zwischen den Scheinen zu suchen? Die Bundesbank widmete sich nur dem großen Geld. Sie brachte die Banknoten in den Umlauf. „Deutsche Bundesbank“ stand in Großbuchstaben auf der Vorderseite. Um das Kleingeld dagegen kümmerte sich das Bundesfinanzministerium. Es ließ Kurs- und Gedenkmünzen prägen. Deren Inschrift lautete folglich: „Bundesrepublik Deutschland“. Diese Arbeitsteilung besteht übrigens bis heute fort. Die Europäische Zentralbank trägt die Verantwortung für die Euro-Banknoten. Das Kleingeld ist Sache des Finanzministeriums – zumindest, was die deutschen Euro-Münzen betrifft. Ersttag: 9. August 2007; Grafiker: Werner Hans Schmidt; Herstellung: Offsetdruck; Format: 46 x 27,32 mm; Bestellnummer: 004370 (bmst)

Neue Briefmarken (Kurzfassung)
Mit einem bescheidenen Ausgabeprogramm wartet Deutschland im klassischen Ferienmonat auf. Gerade einmal drei Sondermarken kommen am 9. August an die Schalter. 2,55 Euro muss der Sammler investieren, der sie einmal postfrisch ins Album stecken möchte. Da dürfte genügend Geld für andere Urlaubsaktivitäten übrig bleiben.

Die teuerste Marke stellt die größte Drehbrücke Deutschlands vor. Am 29. August 1907 rollten die ersten Fahrzeuge über die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven. Auf dem Wert zu 1,45 Euro erscheint eine historische Ansichtskarte mit geschlossener Brücke. Darüber projizierte Lutz Menze eine Strichzeichnung der geöffneten Brücke. Etwas jünger als die Brücke ist die Saaletalsperre Bleiloch, die 1932 fertig gestellt wurde. Sie dient dem Hochwasserschutz, gehört aber auch zu den beliebten Ausflugszielen rund um Saalburg. Barbara Dimanski schlug vor, ein Luftbild der Stausee-Landschaft auf der 55-Cent-Marke zu zeigen. Geld ist auf einer weiteren Marke zum Standardbriefporto zu sehen. Vor 50 Jahren nahm die Deutsche Bundesbank ihre Arbeit auf. Bis 1999 lag ihre Hauptaufgabe in der Wahrung der Geldwertstabilität. Heute fährt die Europäische Zentralbank (EZB) im Prinzip den Kurs, den vor Einführung des Euros die Bundesbank vorgegeben hatte. Mit der Collage aus Deutsche-Mark- und Euro-Banknoten schlug Werner Hans Schmidt die Brücke von der Bundesbank zur EZB. Niemals aber hat die Bundesbank Kursmünzen herausgegeben. Auf einer Marke zu Ehren der Bundesbank sind sie folglich fehl am Platze. (bmst)
Technische Daten: siehe separate Berichte

Größte Drehbrücke
Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, kurz MAN, ist heute vor allem als Hersteller von Lastwagen und Bussen bekannt. Der eine oder andere weiß noch von Schienenfahrzeugen zu berichten, beispielsweise vom VT 11.5 (Michel-Nummer 2562). Damit hat es sich dann aber. Nichtsdestoweniger war und ist die MAN in den verschiedensten Segmenten des Anlagen- und Maschinenbaus tätig. Die Palette der MAN-Produkte reicht von Druckmaschinen über Schiffe bis hin zu Brücken. Unter anderem stammt Deutschlands größte Drehbrücke aus den Werkhallen des heute in München ansässigen Unternehmens: die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven.

Sie verbindet das Stadtzentrum mit dem Südufer des Großen Hafens. Ihre Hauptspannweite beträgt 159, die Höhe neun Meter. Am 29. August 1907 gab Kaiser Wilhelm II. die 1,625 Millionen Mark teure Brücke für den Verkehr frei. Benannt wurde sie selbstverständlich nach dem Namenspatron der von Adalbert von Preußen gegründeten Stadt, Wilhelm I. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Briten die Brücke demontieren. Oberbürgermeister Reinhard Nieter und Oberstadtdirektor Friedrich Paffrath gelang es aber, den Stadtkommandanten von der Bedeutung der Brücke für den innerstädtischen Verkehr zu überzeugen. Seit der Sanierung Ende der 70er-Jahre trägt die Brücke eine Asphaltdecke. Bei der bevorstehenden Überholung soll der historische Holzbelag wieder hergestellt werden. Auf der Sondermarke zu 1,45 Euro erscheint die geöffnete Drehbrücke als Strichzeichnung, die über dem Motiv einer historischen Ansichtskarte liegt. Ersttag: 9. August 2007; Grafiker: Lutz Menze; Stecher: nicht genannt; Herstellung: Stichtief- und Offsetdruck; Format: 55 x 32,8 mm; Bestellnummer: 004368 (bmst)

9,2 Quadratkilometer Wasserfläche
Als Notstandsmaßnahme des Landes Thüringen entstand zwischen 1926 und 1932 der größte Stausee Deutschlands. Der Bau der Saaletalsperre Bleiloch brachte tausende Arbeitslose in Lohn und Brot, neben Thüringern auch Sachsen. Sie errichteten eine 65 Meter hohe, 7,20 Meter starke und 205 Meter lange Gewichtsstaumauer, die dem Druck von 215 Millionen Kubikmetern Wasser standhalten muss. Der Stausee erreicht eine Ausdehnung von bis zu 28 Kilometern Länge und zwei Kilometern Breite. Im Jahresdurchschnitt sind 9,2 Quadratkilometer Fläche überflutet. Am Rande des Stausees steht ein Kraftwerk, das bis zu 80 Megawatt Leistung ins Netz einspeist.

Die Bleilochtalsperre gehört zur Saale-Kaskade, die fünf Stufen aufweist und dem Hochwasserschutz dient. Diskutiert wurde über ihren Bau bereits seit 1890, als Hochwasser große Schäden im Saaletal anrichtete – lange Planungs- und Ausführungszeiten scheinen also bei Staatsbauten kein Phänomen der Gegenwart zu sein. Seinerzeit kostete vor allem der Interessenausgleich zwischen Preußen und den thüringischen Kleinstaaten viel Zeit. Die preußische Regierung unterstützte vehement und recht einseitig den Wunsch der Elbeschifffahrt nach einer Anreicherung in Kleinwasserperioden, während die Thüringer höchste Priorität der Gewinnung von Strom gaben. Erst im Januar 1925 begannen die Vorbereitungen für den Bau. Unter anderem mussten etwa 700 Bewohner umgesiedelt werden.

Auf der Sondermarke zu 55 Cent erscheint ein Luftbild des Sees mitsamt Umgebung. Ganz nebenbei dokumentiert die Marke, in welchem Ausmaß sich die Natur ihren Raum zurückerobert, wenn die Bauarbeiter abgezogen sind. Die Ökosysteme eine Kunstsees und eines natürlichen Sees werden sich selbstverständlich immer unterscheiden. Von Menschenhand unberührte Gegenden gibt es aber nirgends mehr. Wer diese Tatsache akzeptiert, wird auch an einem gewaltigen Stausee seine Freude haben. Rund um Saalburg zählt der See heute zu den beliebtesten Ausflugs- und Wassersportgebieten. Sein Name erinnert an den Bleibergbau in der Gegend, einen früheren Eingriff in die Natur.
Ersttag: 9. August 2007; Grafikerin: Barbara Dimanski; Herstellung: Offsetdruck; Format: 46 x 27,32 mm; Bestellnummer: 004369 (bmst)

Spät gegründet
Brauchen wir sie noch? Diese Frage stellen sich seit mindestens fünf Jahren Ökonomen und Politiker. Mit der Einführung des Euro zum 1. Januar 1999 und dem Umtausch der Umlaufwährung zum 1. Januar 2002 verlor die Deutsche Bundesbank ihre wichtigste Aufgabe: die Kontrolle der Geldmenge. Andere Tätigkeiten könnten von Privaten erledigt werden, beispielsweise die Verteilung und Echtheitsprüfung von Banknoten und Münzen. Die Währungs- und Goldreserven stehen de facto unter Kontrolle der Europäischen Zentralbank. Für Konjunktur- und andere Berichte gibt es eine Reihe ebenfalls staatlich finanzierter Institute. Wozu also brauchen wir die Bundesbank?

Interessant wird die Debatte beim Blick in die Geschichtsbücher. Als die Bundesbank zum 1. August 1957 ins Leben trat, waren alle Weichen längst gestellt. Um die Währungsreform durchführen zu können, hatten die Landeszentralbanken (LZB) am 1. März 1948 eine gemeinsame Notenbank gegründet: die weitgehend föderalistisch strukturierte Bank deutscher Länder. Unter ihrer Regie stieg die Deutsche Mark schnell zur ernsthaften Konkurrenz des Schweizer Frankens und des britischen Pfunds auf. Parallel zur Währungsreform setzte Ludwig Erhard die Bewirtschaftung weitgehend aus. In der Folgezeit handelten Politik und Verbände zumeist konsensorientiert. Mit der Aufnahme in den Internationalen Währungsfonds, 1952, drückte die Weltgemeinschaft ihre Wertschätzung für das deutsche Wirtschaftswunder aus. Einer Bundesbank bedurfte es dafür nicht.

Zweifellos erwarb sie sich in den Jahren ab 1957 große Meriten um die Sicherung der Geldwertstabilität. Fast immer lag die Inflationsrate in Deutschland niedriger als in anderen Industrienationen. Keineswegs selten mussten andere europäische Länder sogar doppelt so hohe Werte ausweisen wie Deutschland. Wer aber das Verdienst allein der Bundesbank zuschreibt, der tut der Politik und der Wirtschaft Unrecht. Vor dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods, 1973, hatte die Bundesbank beispielsweise nur geringen Einfluss auf die Geldmenge, da sie vorgelegte Devisen zum festgelegten Kurs eintauschen musste. 90 % des Geldmengenzuwachses kam aus der Quelle. Wie sollte die Bundesbank da wirksam gegensteuern? Nein, die Erfolge waren schlichtweg darauf zurückzuführen, dass über Jahrzehnte hinweg alle Seiten – vor allem Bundesbank, Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften – eng zusammenarbeiteten. Dass die gesetzlich verbriefte Unabhängigkeit der Bundesbank dabei äußerst hilfreich war, steht außer Zweifel. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard hatte sich diesbezüglich gegen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Finanzminister Fritz Schäffer durchgesetzt. Somit konnte der Zentralbankrat allen Widerständen aus der Politik zum Trotz einen monetaristischen Kurs fahren. Dabei spielte es keine Rolle, aus welchem Bundesland oder gar welcher Partei der jeweilige Bundesbankpräsident kam.

Mit einer 55-Cent-Marke würdigt Deutschland die Arbeit der Bundesbank. Der im Wettbewerb siegreiche Grafiker legte eine Collage zum Thema Geld vor. Dummerweise enthält sie neben Deutsche-Mark- und Euro-Banknoten auch Kursmünzen. Das Münzrecht lag allerdings nie bei der Bundesbank, sondern stets beim Bundesfinanzminister.
Ersttag: 9. August 2007; Grafiker: Werner Hans Schmidt; Herstellung: Offsetdruck; Format: 46 x 27,32 mm; Bestellnummer: 004370 (bmst)
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