Mittwoch, 24. Mai 2017


Wildkrankheiten: Die Vogelgrippe hat Bayern erreicht

Jäger beteiligen sich seit Jahrzenten aktiv am Monitoring

(lifePR) (Feldkirchen, )  
  • Bundesweites Monitoring und Beprobung von Wasservögeln durch Jägerschaft
  • Das BayStMUV und das LGL bestärken die Jägerschaft in der Durchführung herbstlicher Wasservogeljagden – Die Jägerschaft wird gebeten, weiterhin Tupferproben zu gewinnen und Todfunde einer Untersuchung zuzuführen
  • Ist die Vogelgrippe auch für Haustiere gefährlich?
  • Kann man Wildgeflügel bedenkenlos verzehren?
  • Empfehlungen des Friedrich-Löffler-Instituts
Die Vogelgrippe hat Bayern erreicht. Nachdem der Vogelgrippe-Virus im Norden Deutschlands nachgewiesen wurde, sind nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit in Erlangen am Donnerstag bei zwei toten Reiherenten im Landkreis Lindau der Virus vom Subtyp H5N8 festgestellt worden. Auch im Münchner Umland, Landkreis Starnberg, wurde am Ufer des Ammersees eine tote Seeschwalbe gefunden – auch hier wurde in den Organen des Tieres Aviäres Influenza Virus-Genom vom Subtyp H5N8 nachgewiesen.

Bundesweites Monitoring und Beprobung von Wasservögeln durch Jägerschaft

Der BJV rief im letzten Jahr zur Unterstützung des AIV-Monitorings auf mit der Bitte, bei der Beprobung von Wasservögeln im Rahmen eines aktiven Monitorings mitzuwirken.

In 2015 war die hochpathogene Form des Virustyp H7N7 bei einem Legehennen-Bestand im Emsland bestätigt und Nachweise von H5N8 bei Wildenten erbracht worden. Da letztere bei augenscheinlich gesunden Wildenten, die im Rahmen der herbstlichen Wasservogeljagd erlegt werden konnten, erbracht wurden, musste davon ausgegangen werden, dass das Virus in der Wildvogelpopulation zirkulieren kann, ohne dass die Vögel erkranken müssen.

So sollten im letzten Jahr vor allem „gesund erlegte“ Vögel in einem sogenannten aktiven Monitoring beprobt und "überprüft" werden.

In diesem Jahr ist die Situation eine andere, es wurden sehr viele Wildvögel im Norden und Süden Deutschlands tot aufgefunden. Das Augenmerk liegt daher vor allem auch auf der Untersuchung von Todfunden.

Dr. Klaus Ottis, Tierarzt, Jäger, Mitglied der Vorstandschaft des Kreisjagdverbandes Erding und seit Jahrzehnten mit der Thematik der Geflügelpest betraut: „Das Monitoring zur Beprobung von Wasservögeln mit festgelegter Proben-Stückzahl ist den bayerischen Landkreisen vom LGL fest vorgeschrieben. Für den Landkreis Erding müssen jährlich elf Proben von erlegten Wildenten zur Untersuchung, Typisierung und gegebenenfalls zur Überprüfung der Pathogenität eingeschickt werden. Die Erdinger Jäger sind von Anfang an an diesem Monitoring-Programm beteiligt. Während der Zeit von September bis Dezember, in der Wildenten bejagt werden, wird das Monitoring durchgeführt. Auch im derzeit aktuellen Ausbruch des H5N8-Viruses bieten wir Jäger unsere Hilfe an.“

Das BayStMUV und das LGL bestärken die Jägerschaft in der Durchführung herbstlicher Wasservogeljagden – Die Jägerschaft wird gebeten, weiterhin Tupferproben zu gewinnen und Todfunde einer Untersuchung zuzuführen

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (BayStMUV) bestärkt in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Jägerschaft in der Durchführung ihrer nun vielerorts geplanten herbstlichen Wasservogeljagden, die in erster Linie zum Zweck der Wildbretgewinnung stattfinden. Eine verstärkte Bejagung rein zum Zweck der Probengewinnung soll jedoch nicht forciert werden. Die Jägerschaft wird bayernweit gebeten, von „lebend“ erlegten Wasservögeln – wie schon gewohnt – Tupferproben zu gewinnen, aber auch Todfunde einer Untersuchung über das Verbringen an die örtlichen Veterinärämter zuzuführen. Besonders beim Kontakt mit Todfunden sind Schutzhandschuhe anzuraten.

Gegen den Einsatz von Jagdhunden bei diesen regulären Wasservogeljagden besteht im Hinblick auf H5N8 derzeit keine Bedenken. Der Kontakt der Hunde mit verendet aufgefundenen bzw. sichtbar kranken Tieren sollte jedoch vorsichtshalber eingeschränkt werden.

Besteht eine Ansteckungsgefahr für Haustiere?

Dr. Klaus Ottis erklärt: „Eine Gefährdung von Haustieren ist derzeit nicht erkennbar. Die Pathogenität, also wie krankheitserregend der Virus ist, ist hier für andere Tiere als Vögel schwer einzustufen.“ Trotzdem wird empfohlen in einem betroffenen Gebiet Katzen nicht aus dem Haus zu lassen und Hunde an der Leine zu führen.

Kann man Wildgefügel bedenkenlos verzehren?

Für den Menschen besteht nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gefahr, sich zu infizieren. Da Influenzavieren jedoch im allgemeinem als sehr variabel und mutationsfreudig einzustufen sind, sind die üblichen Schutz- und Hygienemaßnahmen, nicht nur im Umgang mit toten Tieren, angeraten.

Wer sich bei der Zubereitung von Geflügel gut die Hände wäscht, muss wegen der Vogelgrippe nicht auf Geflügel verzichten. Selbst ein infiziertes Tier ist essbar. Der Ofen muss nur auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden. Das bedeutet, dass für mindestens zwei Minuten eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht werden muss. Bei diesen Temperaturen werden die Erreger abgetötet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt zudem weitere Hygienemaßnahmen wie rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung gekommen sind, gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen, Verpackungsmaterialien, Auftauwasser und ähnliches sofort entsorgen, Hände mit warmem Wasser und Seife waschen und Geflügelspeisen gründlich durchgaren. Eier sollten zudem vor dem Verzehr gekocht werden, bis Eiweiß und Eigelb fest sind.

Empfehlungen des Friedrich-Löffler-Instituts

▪ Umsetzung strenger Biosicherheitsmaßnahmen in allen Geflügelbetrieben

▪ Risikobasierte Einschränkung der Freilandhaltung (Aufstallung) von Geflügel in Regionen mit hoher Wildvogeldichte und in der Nähe von Wildvogelrast- und sammelplätzen

▪ Keine Kontaktmöglichkeit von Geflügel in Freilandhaltungen mit natürlichen Gewässern

▪ Verstärkte Untersuchung von Geflügelhaltungen; bei Hühnervögeln vermehrt klinische Untersuchung, bei Gänsen und Enten PCR-Untersuchungen von kombinierten Rachen- und Kloakenproben

▪ Meldung verendeter oder kranker Wildvögel an die zuständige Veterinärbehörde

▪ Verstärkte Untersuchung insbesondere von verendeten oder am Wasser lebenden Wildvögeln auf aviäre Influenzaviren (passives und aktives Wildvogelmonitoring)

▪ Kein Kontakt von Jägern, die mit Federwild in Berührung gekommen sind, zu Nutzgeflügel

▪ Vermeidung des direkten Kontakts von Personen (nur mit Schutzhandschuhen) und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln.

Weitere Informationen finden Sie unter www.jagd-bayern.de
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Landesjagdverband Bayern e.V.

Der Landesjagdverband Bayern e. V. ist der Verband der Jäger Bayerns und vertritt etwa 46.500 Jägerinnen und Jäger in Bayern. Als staatlich anerkannter Naturschutzverband wirkt der Bayerische Jagdverband offiziell bei Naturschutzangelegenheiten mit.

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