Demo gegen Elektroschocks in deutschen Anstalten

Auch im Klinikum Frankfurt-Höchst werden Patienten mit E-Schocks (EKT) traktiert Menschenrechtler fordern gesetzliches Verbot von EKT als Folter!

(lifePR) ( München, )
Am Samstag, den 18. September protestieren Mitglieder der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) in der Frankfurter Innenstadt gegen Elektroschockbehandlung in der Psychiatrie. Ab 13:30 Uhr versammeln sich rund 100 Teilnehmer am Kaisersack, Kaiserstraße, für eine 30-minütige Auftaktkundgebung und demonstrieren dann entlang Kaiserstraße und Roßmarkt zur Hauptwache, wo bis 16 Uhr Abschlusskundgebungen stattfinden werden.
 
Kostümiert als Psychiater „Dr. Pfusch“ und „Dr. Brutzel“ demonstrieren vier Menschenrechtler unter Zuhilfenahme von vier Elektroschockgeräte-Attrappen, wie grausam so eine Schock-Serie auf das menschliche Hirn vollzogen wird und welch verheerende und irreversible Auswirkungen diese haben können. Andere Demo-Teilnehmer ziehen als Totengräber verkleidet einen Anhänger mit einem überdimensional großen Grabstein und der Aufschrift: „Im Gedenken an 60.078 Todesopfer in deutschen Psychiatrien 1991 – 2017.“ 

Die Menschenrechtler fordern ein gesetzliches Verbot von Elektroschocks in der Psychiatrie in Deutschland. Es fehlt die Transparenz, die Anzahl der durchgeführten Schocks ist der Öffentlichkeit kaum zugänglich. 2016 waren es in Deutschland rund 5.700 Menschen, denen Elektroschocks verabreicht wurden, siebenmal mehr als vor 40 Jahren. Bei der angewendeten, sogenannten modifizierten Elektrokonvulsions- oder Elektrokrampftherapie (EKT) setzen Psychiater den Patienten unter Vollnarkose, verabreichen ihm ein muskellähmendes Mittel, beatmen ihn künstlich, legen eine Spannung von bis zu 460 Volt an die Schläfen und lösen mit Hilfe des Stroms einen künstlichen epileptische Krampfanfall im Hirn aus. EKT-Patienten erhalten in der Regel 8 bis 12 Schocks, im Abstand von je zwei bis drei Tagen. Einige Patienten werden aber auch mit wesentlich mehr Elektroschocks traktiert, u.U. auch gegen ihren Willen. 

Mit Schreiben vom 16.09.2021 wendet sich die KVPM Initiative an zehn psychiatrische Anstalten in Hessen und fordert unter Berufung auf das Hessische Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetz (HDSIG) u.a. die Herausgabe der Zahl der Elektroschockbehandlungen pro Jahr sowie die Zahl der verstorbenen Patienten nach dieser Behandlung. Unter den Adressaten befinden sich auch die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Höchst sowie die Gerontopsychiatrie der Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken Gemeinnutzige GmbH.

Psychiater wie Thomas Schläpfer von der Uni-Klinik Freiburg geben offen zu, dass sie nicht wissen, wie die Behandlung wirkt: „Darüber wissen wir erstaunlich wenig. ... das ist häufig auch eine Kritik, dass man sagt: Ihr wendet hier eine Therapie an, wo man keine Ahnung hat, wie es wirkt.“ Dasselbe Unwissen spricht aus der Doktorarbeit von Ingrid Bauer, geb. Clinckspoor, die 2020 veröffentlicht wurde: „Die genauen Wirkmechanismen der Elektrokonvulsionstherapie sind im Einzelnen noch unklar.“
(Quelle: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/25861/7/Bauer_Ingrid.pdf )

Peter Falkai, Chef der Europäischen Psychiatrischen Vereinigung, kümmert das wenig, er bemängelte im März 2019 im Magazin Stern, dass 5.700 Schockpatienten pro Jahr „zu wenig“ seien, dabei sind das bereits sieben mal mehr als vor 40 Jahren. In Deutschland wird die EKT in über 180 psychiatrischen Anstalten durchgeführt.

Nebenwirkungen der Elektrokrampftherapie (EKT):
Desorientierung, Gedächtnisverlust, Konzentrationsstörungen, Hirnschäden, kardiovaskuläre Komplikationen, einschließlich unregelmäßigem Herzschlag, Herzinfarkt, Schlaganfall, Zahn- oder Oraltrauma und physisches Trauma, manische Symptome, anhaltende Anfälle, Verschlechterung der psychiatrischen Symptome und sogar den Tod kann EKT verursachen. Ein Drittel der EKT Patienten erleiden permanenten Gedächtnisverlust und viele einen steilen Abfall ihres IQs. E-Schock Überlebende, die sich immer wieder hilfesuchend an unseren Verein wenden, klagen verzweifelt über Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, zerbrochene Zähne, ausgerenkte Wirbel u.v.m.

„Die EKT-Folter in Narkose erinnert mich in makabrer Weise an die Hinrichtungsmethoden der alten Chinesen, die dem Delinquenten große Mengen Opium einflößten, bevor man ihm Glied für Glied amputierte. Eine fortschreitende Amputation geistiger und seelischer Fähigkeiten stellt die Erzeugung künstlicher Epilepsien durch Strom auch dar.“
Alfred D., Elektroschock-Überlebender aus München

In Deutschland setzen sich Mitglieder der KVPM seit über 50 Jahren ehrenamtlich für Menschenrechte in der Psychiatrie und gegen psychiatrische Missbräuche ein.
Zerstörerische Methoden wie die Zerschneidung der Hirnlappen von Hilfesuchenden (Lobotomie), Fesselungen ans Bett, sexuelle Übergriffe in der Therapie und auch die Übermedikation von Kindern mit schädigenden Psycho-Pillen konnte Einhalt geboten, gesetzlich verboten oder zumindest eingeschränkt werden. Dadurch wurden die Patientenrechte vielfach gestärkt.

Dokumentationsfilm der KVPM über Elektroschock-Behandlung (deutsche Fassung):
https://www.cchr.de/ban-ect/watch/therapy-or-torture-the-truth-about-electroshock.html 

Bernd Trepping, Sprecher KVPM Deutschland e.V.: „Die EKT-Behandlung ist lukrativ. Ein EKT-Patient, der z.B. eine Serie von 12 Schocks bekommt, erhält Narkosen, muskellähmende Mittel, Stromstöße für einen epileptischen-Anfall im Hirn und bleibt über 30 Tage in der Klinik. Wenn nur an einem Tag die 1:1 Betreuungskosten anfallen, belaufen sich die EKT-Kosten pro Patient auf über € 15.000. Multipliziert mit 5.700 EKT-Patienten pro Jahr, landet man bei Kosten von 86,4 Mio. € für E-Schocks. Wir fordern Transparenz der finanziellen Flüsse, der Nebenwirkungen und Todesfälle sowie ein gesetzliches Verbot von Elektroschocks in der Psychiatrie. Das ist Folter, keine Therapie.“
Die KVPM gehört zu Deutschlands ältesten Gegnern dieser psychiatrischen Methode.
https://www.kvpm.de/pressemitteilungen/pressemitteilungen-1976/heilung-aus-der-steckdose
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