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Der lange Schlaf der Fledermaus

Naturschutz-Stiftung zeichnet FH-Studentin für wertvolle Fledermaus-Forschung aus

(lifePR) (Osnabrück, ) Wer in den Abendstunden in den Himmel blickt, wird mit etwas Glück die Silhouette einer nach Insekten jagenden Fledermaus wahrnehmen. In wenigen Wochen, wenn der Spätsommer einsetzt und die Insekten knapper werden, beginnt jedoch bereits die Suche nach dem geeigneten Winterquartier. Die Tiere halten dann zumeist kopfüber einen langen Winterschlaf. Während dieser Zeit sinkt ihre Körpertemperatur von 38 o C auf einige Grade über 0 o C ab, die Atmung reduziert sich auf 4-8 Atemzüge pro Stunde. Ausschwärmen werden sie erst wieder im April nächsten Jahres.

"Dass die lange Zeit der Winterruhe alles andere als langweilig und mit vielen interessanten und unerwarteten Aktivitäten verbunden ist, habe ich im Rahmen meiner Diplom-Arbeit aufzeigen können", betont Vanessa Korn, Absolventin des Studiengangs Landschaftsentwicklung an der FH Osnabrück.

In ihrer Arbeit setzte sie sich umfassend mit dem Überwinterungsverhalten der Fledermäuse im Großraum Osnabrück auseinander. Hierfür wurden zwei Fledermaus-Höhlen intensiv untersucht.

Mit Infrarot-Kamera, Fledermausdetektor und Horch-Box ausgestattet, wurde das Sozialverhalten der Tiere beobachtet. "Die gesammelten Daten habe ich alle 1-2 Tage ausgelesen. Insgesamt waren es mehr als 17.000 Dateien, die ausgewertet wurden", so Vanessa Korn weiter.

Das Ergebnis ist eine einzigartige Dokumentation des Fledermaus-Verhaltens während der Winterruhe.

Von September bis April wurde neben Paarungen ein ausgesprochenes gegenseitiges Körperpflegeverhalten beobachtet. Nachgewiesen wurde auch, dass viele Tiere ihren Hangplatz im Verlauf der Überwinterung wechseln und es zu großen Umgruppierungen in abflugnahe Quartiersbereiche kommt.

"Besonders faszinierend zu sehen ist, dass viele Individuen nicht nur jeden Spätsommer die gleiche Höhle, sondern auch den exakt gleichen Hangplatz anfliegen", unterstreicht die Diplom-Ingenieurin. Die Untersuchungsergebnisse lassen zudem darauf schließen, dass durchaus längere soziale Bindungen zwischen einigen Tieren bestehen.

Aus Sicht der Naturschutz-Stiftung besitzt die Untersuchung einen hohen akademischen und auch praktischen Wert, der nun mit dem einmal im Jahr verliehen Preis für herausragende Arbeiten zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen oder zur Verbesserung von Umweltbedingungen ausgezeichnet wurde.

Zwar ist die Untersuchung abgeschlossen, das Interesse an den Tieren hingegen ist bei Vanessa Korn geblieben. "Jeden Abend sehe ich von meinem Balkon aus die Tiere ausschwärmen. Direkt gegenüber befindet sich offensichtlich eine Wochenstube. Es wird nicht mehr lange dauern, bevor auch diese Nachtjäger sich ein Quartier für die nächsten 7 Monate suchen."

Eine lange Ruhezeit, aber wirklich ruhig wird es garantiert nicht.