Die Möbelindustrie in der Zange – der Handel

Von Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen

(lifePR) ( Bad Honnef, )
„Die gesamte Möbelwelt wurde jüngst durch die Turbulenzen um Schieder und deren vorsorgliche Beantragung des Insolvenzverfahrens aufgeschreckt. Dabei ist Schieder kein Einzelfall für das schwierige Fahrwasser, in dem sich die Möbelindustrie nach wie vor befindet: auch Habemat Küchen und Eisenberger Wohnmöbel gerieten 2007 in Schieflage. Das deutliche Umsatzplus der Hersteller im letzten Jahr in Höhe von 7,2 Prozent kann das zentrale Strukturproblem der Industrie nicht überdecken: die Übermacht des Handels und deren schädliche Preispolitik.

Fakt ist: die überwiegend mittelständischen Hersteller stehen als Einzelkämpfer einer stark konzentrierten Einkaufsmacht des Möbelhandels gegenüber. Die fünf größten Einlaufskooperationen kontrollieren den Markt. Von Waffengleichheit zwischen Handel und Industrie keine Spur.

Zudem befinden sich die Hersteller in einer schwierigen Zangensituation. Der übermächtige Handel lässt notwendige Preiserhöhungen nicht zu, weil er die Möbel zu Schleuderpreisen verramscht. Die andere Seite der Zange bilden die extrem steigenden Materialkosten, die von der Industrie wegen der fehlenden Nachfragemacht nicht abgewendet werden können. Beides führt zu katastrophal geringen Renditen und verhindert den ausreichenden Aufbau von Eigenkapital. In solch einer fatalen Situation können hausgemachte Fehler, Nachfrageausfall oder extreme Materialpreissteigerungen manches Unternehmen schnell in existenzielle Probleme stürzen.

Viele in der Branche haben sich von den deutlichen - doch größtenteils Mehrwertsteuer bedingten - Umsatzsteigerungen Ende letzten Jahres blenden lassen. Umsatz ist eben nicht Ertrag Und die Möbelwirtschaft hat es nicht geschafft, dass endlich wieder bessere Marktumfeld für sich gewinnbringend zu nutzen, weil vom Handel ohne Not an der Niedrigpreispolitik festgehalten wurde..

Dieser agierte wieder phantasie- und ideenlos und nutzte die gute Nachfragesituation nicht zur Aufbesserung des Preisgefüges bei Handel und Industrie. Vielmehr wurde weiter fröhlich verramscht, der aggressive Rotstiftkrieg der großen Möbelhäuser nahm noch groteskere Dimensionen an. Die Folge ist: Kein Kunde blickt mehr durch und immer weniger Verbraucher glauben das Märchen von dem vermeintlich gesparten Geld.

Der Handel muss endlich erkennen: Möbel sind mehr als ein durchgestrichener Preis. Und mit Möbeln kann man - auf beiden Seiten - durchaus gutes Geld verdie-nen. Der Verbraucher kann – anders als etwa bei Autos oder TV-Geräten – den Preis eines Möbels ohnehin nicht einschätzen. Warum also dann nicht legitim den Versuch unternehmen, mit wertigem Marketing und anspruchsvollen Prä-sentationen mehr Markt zu machen. Hier liegt die besondere Verantwortung des Handels, der er in ganz überwiegender Zahl überhaupt nicht gerecht wird. Dabei wäre es so einfach, statt mit einem durchgestrichenen Phantasiepreis vom Produkt abzulenken, den zu erzielenden Preis stehen zu lassen und intelligent auf die Vorzüge des Möbels bzw. der damit verbunden Serviceleistungen hinzuweisen. Funktionen, Mehrwerte, Stoffe, Farben, Qualität, Finanzierung, Langlebigkeit, Lieferservice, Design, Garantie … die Liste wäre endlos fortzusetzen. Erste erfolgreiche Ansätze dafür gibt es im Handel übrigens schon. Einige Handelspartner machen vor, wie man mit Möbeln erfolgreich Geld verdienen kann und wir können nur hoffen, dass sich diese erfolgreichen Ansätze verstärkt ausbreiten und schließlich durchsetzen.

Unser Appell an den Handel lautet deshalb: beendet endlich diese für alle unbefrie-digende Situation. Macht Schluss mit dem sinnlosen Preiskrieg untereinander und mit den Herstellern, damit schnellstmöglich für alle auskömmliche und überlebensfähige Preise am Markt etabliert werden können - und die Möbelwirtschaft am Standort Deutschland Zukunft hat. Handel und Industrie brauchen einander. Jede weitere Insolvenz schwächt den Möbelstandort Deutschland.“
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