2. Ausserordentliches-Konzert - Ravel, Franck und Hindemith

(lifePR) ( Dresden, )
Seinem ursprünglich für Klavier bestimmten Zyklus "Ma mère l'oye" gab Maurice Ravel den Untertitel "Cinq pièces enfantines" - fünf kindliche Stücke. Doch was bedeutet eigentlich "kindlich" in Bezug auf Musik? Man mag damit Stücke bezeichnen, die technisch so einfach sind, dass Kinder sie selbst spielen können. Oder Kompositionen, die ein junges Publikum leicht aufnehmen kann, weil die musikalischen Ideen besonders prägnant formuliert sind. Oder Musik, die sich (auch) an Erwachsene wendet, dabei aber kindliche Themen aufgreift, Erinnerungen an die Kindheit weckt. Dass Ravels Stücke von allen drei Aspekten etwas haben, zeigt ein Kommentar des Komponisten aus dem Jahr 1928: "Die Absicht, in diesen Stücken die Poesie der Kindheit wachzurufen, hat mich völlig selbstverständlich dazu geführt, mein Komponieren zu vereinfachen und meinen Stil zu entschlacken." Geschrieben hat Ravel den Zyklus zwischen 1908 und 1910 für die Geschwister Maria und Jean Godebski, mit deren Eltern er gut befreundet war; die Orchesterfassung stammt aus dem Jahr 1911. Mit dem Titel bezog sich der Komponist auf eine Märchensammlung von Charles Perrault (1628-1703) - die "Contes de ma mère l'oye" (Geschichten von Mutter Gans).

Paul Hindemiths handlungsloses Stück "Die vier Temperamente" entstand 1940 auf Anregung des Choreographen Léonide Massine, doch zugeeignet wurde es letztlich dessen Konkurrenten George Balanchine, der es 1946 in New York inszenierte. Hindemiths Formidee ist ebenso einfach wie einleuchtend: Am Anfang steht ein Thema aus drei gegensätzlichen Gedanken - einer schlichten Melodie der Streicher, einem vom Klavier angeführten Scherzando und einer Pastorale im wiegenden Siciliano-Rhythmus. Nun folgen vier Variationen, in denen die vier Temperamente auf ihre je eigene Weise das Thema beleuchten. Der Melancholiker wendet alles ins Düstere, gedämpft klingt bei ihm selbst der Prestoteil. Durchgehend im Walzermetrum interpretiert der Sanguiniker alle Themenabschnitte, während der Phlegmatiker die Spannungen einebnet.

César Franck einzige Sinfonie, zwischen Herbst 1887 und Sommer 1888 entstanden und 1889 in Paris uraufgeführt, beeindruckt aber nicht nur durch ihre originelle und formverdeutlichende Instrumentation. Bemerkenswert erscheint auch die Harmonik, die vor allem im ersten Satz von exzessiver Chromatik bestimmt ist; Vorbilder in dieser Hinsicht waren Franz Liszt und Richard Wagner. Ein wirksames Gegengewicht zur komplizierten Harmonik bilden die eingängigen und gefälligen Melodien.

Yan Pascal Tortelier begann seine musikalische Laufbahn als Geiger, gewann als Vierzehnjähriger den 1. Preis am Pariser Conservatoire und machte sein Debut als Solist mit dem London Philharmonic Orchestra. Nach einem Studium Generale bei Nadia Boulanger ging Tortelier an die Accademia Chigiana in Siena, um bei Franco Ferrara Dirigieren zu studieren. Von 1974 - 1983 war er "Associate Conductor" des Orchestre National du Capitole de Toulouse, später Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Ulster Orchestra (1989-1992) und Erster Gastdirigent des Pittsburgh Symphony Orchestra von 2005-2008.

Als Anerkennung seiner herausragenden Arbeit als Chefdirigent des BBC Philharmonic von 1992 - 2003 wurde ihm der Titel des "Conductor Emeritus" verliehen. Neben der weiterhin regelmäßige Arbeit mit BBC Philharmonic ist er Erster Gastdirigent der Royal Academy of Music in London. Außerdem ist er Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Sao Paulo.

Insbesondere für ihre Interpretationen des deutschen klassischen und romantischen Repertoires wird die Wahl-Berlinerin Lauma Skride, seit 2008 Trägerin des Beethoven-Ringes, geschätzt. Nach Hamburg und Gran Canaria wird sie mit Mozart Klavierkonzerten zurückkehren, mit der Polnischen Kammerphilharmonie spielt sie Robert Schumanns Konzert bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, mit dem Sinfonieorchester Aachen unter Peter Ruzicka wiederum das Klavierkonzert von Clara Schumann. Zu den Dirigentinnen und Dirigenten, mit denen Lauma Skride arbeitet, gehören Andris Nelsons, Kristjan Järvi, Anu Tali, Muhai Tang, John Storgards, Pedro Halffter und Cornelius Meister. Kombiniert mit einer brillanten Technik sind dieses die Eigenschaften, mit denen es Lauma Skride gelingt, als Solistin wie als Kammermusikerin gleichermaßen zu begeistern. 2007 spielte Lauma Skride den Klavierzyklus "Das Jahr" von Fanny Hensel bei SONY ein und wurde für diese Aufnahme mit dem Echo-Klassik Preis als beste Nachwuchskünstlerin geehrt.

2. Außerordentliches Konzert

Samstag 09. Oktober 2010 | 19.30 Uhr Kulturpalast, Festsaal
Sonntag 10. Oktober 2010 | 11.00 Uhr Kulturpalast, Festsaal

Maurice Ravel (1875 – 1937)
Ma Mère l’oye (Meine Mutter, die Gans) - Märchensuite für Orchester

Paul Hindemith (1895 – 1963)
Thema mit vier Variationen für Streichorchester und Klavier - »Die vier Temperamente«

César Franck (1822 – 1890)
Sinfonie in d-Moll FWV 48

Yan Pascal Tortelier | Dirigent
Lauma Skride | Klavier
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