Mit System dem Wildschwein auf die Schwarte rücken

Erste Ergebnisse des bundesweiten Modellprojekts auf Bundesjägertag vorgestellt

(lifePR) ( Bonn, )
Landwirtschaftliche Schäden durch Wildschweine eindämmen, Seuchenzüge verhindern und gleichzeitig die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft fördern: Wie das funktionieren kann, untersucht der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) gemeinsam mit dem Bauernverband seit 2008 in bundesweit sechs Betrieben. Erste Zwischenergebnisse des vom Bundeslandwirtschaftsministerium finanzierten und initiierten Modellprojekts "Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft" präsentierte der DJV gestern auf dem teilnehmenden Agrarbetrieb Röddelin. "Wildschweine im bis zu zwei Meter hohen Mais effektiv zu jagen, ist eine echte Herausforderung für Jäger, Landwirte und Grundeigentümer gleichermaßen", sagte DJV-Präsident Jochen Borchert. Hand in Hand gelinge das aber durchaus, besonders wenn Schneisen systematisch angelegt würden, wie das Modellprojekt zeige.

Als besonders erfolgreich für die Wildschweinjagd und die gleichzeitige Verhinderung von Fraßschäden im Mais haben sich bisher quer zur Saatreihe angelegte Schneisen erwiesen. Die Schneisen werden im Modellprojekt als Brache belassen oder - gleichzeitig mit dem Mais - eingesät mit verschiedenen Getreidearten und Wildkräutern. Diese werden im August separat geerntet. Dadurch bieten die Schneisen bessere Sicht auf Wildschweine, wenn diese im Sommer im Familienverband regelrecht in den reifenden Mais einziehen, weil es dort Nahrung und Deckung im Überfluss gibt. Für Brutvögel wie Feldlerche oder Schafstelze haben die Schneisen positive Effekte, zeigen erste wissenschaftliche Auswertungen.

Nach Worten von DJV-Präsident Jochen-Borchert ist der sich andeutende positive Effekt der Schneisen für die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft sehr wichtig. Der zunehmend industrielle Anbau von Mais und anderen Pflanzen zur Energiegewinnung sei zwar politisch gewollt, Klimaschutz auf Kosten der Artenvielfalt dürfe es aber nicht geben, so Borchert. Zudem können Schneisen laut DJV künftig bundesweit einen wichtigen Beitrag leisten, Wildschweine effektiv zu bejagen. Das ist wichtig, um Seuchenzüge der Schweinepest zu verhindern und Wildschäden auf den Feldern einzudämmen. Borchert betonte, dass die Akzeptanz der Schneisen mit finanziellen Anreizen gefördert werden müsse. Dazu bieten sich beispielsweise Agrarumweltmaßnahmen an.

Deutschland ist inzwischen ein Schlaraffenland für Schwarzkittel. Allein die Maisanbaufläche ist innerhalb von 50 Jahren um den Faktor 20 gestiegen und liegt derzeit bei etwa 2 Millionen Hektar. Mais, Getreide und Raps bedecken derzeit zusammen etwa 27 Prozent Deutschlands. Nahrung und Deckung satt für die anpassungsfähigen Allesfresser, die wegen fast durchweg milden Winter und guter Nahrungssituation bereits mit 5 Monaten geschlechtsreif werden. Ohne Jagd könnten Wildschweine ihre Zahl in einigen Regionen innerhalb eines Jahres verdreifachen.

Das Modellprojekt "Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft" hat 2008 begonnen und läuft noch bis Ende 2010. Jagderfolg, Wirtschaftlichkeit und Effekte auf die Artenvielfalt werden laufend wissenschaftlich ausgewertet und 2011 in einem Abschlussbericht zusammengestellt.
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