Auswirkungen der Wirtschaftskrise hinterlassen Spuren

Zahl der Arbeitslosen gestiegen / Immer mehr Betriebe in mehr Branchen sichern Beschäftigung durch Kurzarbeit / Positives Signal: Meldung neuer Arbeitsstellen auf Vorjahresniveau

(lifePR) ( Karlsruhe, )
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Das Wichtigste in Kürze:

- 19.330 Frauen und Männer sind ohne Arbeit - 540 mehr als vor einem Monat
- Anstieg bei den Versicherungskunden (Sozialgesetzbuch III) stärker als bei der Grundsicherung nach SGB II
- Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent angestiegen
- Zugänge in Arbeitslosigkeit um 28,5 Prozent höher als im Vorjahr
- Arbeitgeber begegnen der vorübergehenden Arbeitsmarktschwäche durch Ausweitung der Kurzarbeit
- Meldung neuer Arbeitsstellen auf Vorjahresniveau

"Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlassen jetzt auch in unserer Region sichtbare Spuren", sagt Hartmut Pleier, Chef der Karlsruher Arbeitsagentur, bei Vorlage der Aprildaten. "Vor allem die Entwicklung der Kurzarbeit zeigt, wie rasch sich die Auftragslage der Betriebe in kürzester Zeit verändern kann. Zwischenzeitlich zeigen uns rund 610 Betriebe für gut 23.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorläufig Kurzarbeit an. Ich kann es nur begrüßen, wenn sich die Unternehmen auf diese Weise für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze und gegen Entlassungen entscheiden. Die Zeit der Kurzarbeitet bietet aber auch die Chance, Mitarbeiter zu qualifizieren. Wir fördern nicht nur die Weiterbildung, wir übernehmen auch die gesamten Sozialversicherungsbeiträge während der Qualifizierung.

Dennoch", so Pleier weiter, "waren Kündigungen für manchen Arbeitgeber nicht zu vermeiden."

Dass Arbeitgeber trotz der schwierigen Lage annähernd gleich viele neu zu besetzende Arbeitsstellen im April meldeten, bewertet Pleier als positives Signal.

Die Fakten:

Arbeitslosigkeit

19.330 Frauen und Männer im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind jetzt ohne Arbeit. Das sind gut 540 oder 2,9 Prozent mehr als im März und 7,4 Prozent (1.340) mehr als vor einem Jahr. Die Zunahme betrifft nahezu alle Personengruppen. Nur bei den Jugendlichen, die mindestens 15 aber noch keine 20 Jahre alt sind, ging die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um 6,9 Prozent auf knapp 310 zurück. Dadurch blieb die Zahl aller jugendlichen Arbeitslosen (Altersgruppe 15 bis unter 25 Jahren) nahezu unverändert (1,1 Prozent).

Der Blick auf die beiden Rechtskreise - Sozialgesetzbuch III (SGB III) und Sozialgesetzbuch II (SGB II) zeigt, dass der Anstieg bei den Versicherungskunden (SGB III) erneut höher ausfiel als bei den Kunden mit Grundsicherungsleistungen (SGB II).

Im April erhielten 10.050 Frauen und Männer aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe Leistungen zur Grundsicherung (SGB II); das sind 170 mehr als im Vormonat. Das sind 52,0 Prozent aller Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Karlsruhe. Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 59,0 Prozent.

Betrachtet man den Stadt- und Landkreis getrennt, fällt auf, dass auch im April der Anstieg im Rechtskreis des SGB II nahezu nur Menschen aus dem Landkreis getroffen hat. 3.880 Personen (plus158) sind dort arbeitslos und auf die Grundsicherungsleistung angewiesen.

Im Stadtkreis hingegen gab es kaum Veränderung. Die 6.165 (plus 13) Bürger, die in Karlsruhe ihren Wohnsitz haben, werden vom JobCenter Stadt Karlsruhe, der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) von Stadt und Arbeitsagentur, betreut.

Arbeitslosenquote

Bedingt durch den Anstieg der Arbeitslosenzahl, ist die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte angestiegen. Mit aktuell 5,2 Prozent liegt sie aber weiterhin im Landesdurchschnitt. Im Vorjahr lag die Quote noch bei 4,8 Prozent.

Die Entwicklung in den einzelnen Geschäftsstellen ist dabei sehr unterschiedlich. Bei vier der fünf Geschäftsstellen gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Arbeitslosenquote. Nur Waghäusel konnte einen leichten Rückgang von einem Zehntelprozentpunkt melden. Die aktuelle Quote liegt dort jetzt bei 4,4 Prozent.

Trotz 0,6 Prozentpunkten mehr gegenüber dem Vorjahr meldet Ettlingen weiterhin mit 3,9 Prozent die niedrigste Quote. Den stärksten Anstieg. um 0,8 auf 5,5 Prozent verzeichnet Bretten. In Bruchsal stieg die Quote binnen Jahresfrist um 0,6 Prozent auf 4,6 Prozent im April. Die Hauptagentur hat mit 5,7 Prozent die höchste Quote; im Vorjahresvergleich die Zunahme um 0,2 Prozent fiel aber deutlich moderater aus als im nördlichen Landkreis.

Zugänge in Arbeitslosigkeit - Abgänge aus der Arbeitslosigkeit

Es ist nach wie vor viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt aber seine Aufnahmefähigkeit ist in den vergangenen vier Wochen zurückgegangen. Gut 5.530 Frauen und Männer mussten sich im April neu oder wieder arbeitslos melden; 4.980 Personen konnten aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet werden.

Die Zugänge waren um 28,5 Prozent höher als im Vorjahr. Gut 68 Prozent aller Arbeitslosmeldungen erfolgten im Anschluss an eine Erwerbstätigkeit, nach Ablauf einer betrieblichen/schulischen Ausbildung oder nach einer Qualifizierungsmaßnahme. Rund 1.130 Menschen konnten ihre Arbeitsunfähigkeit beenden und stehen jetzt dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung.

Für viele Menschen (4.980) der Region war im April die Zeit der Arbeitslosigkeit zu Ende. 6,7 Prozent oder 310 Menschen weniger als im Vorjahr. Sie haben jetzt wieder neue Arbeitsstellen, nehmen an einer beruflichen Weiterbildung teil oder besuchen eine betriebliche oder schulische Ausbildung. Ein Teil hat sich auch in den vergangen vier Wochen aus persönlichen Gründen aus dem Arbeitsmarktgeschehen zurückgezogen.

Arbeitskräftenachfrage auf Vorjahresniveau

Trotz schwieriger Wirtschaftslage konnte der Arbeitgeberservice 130 Stellenangebote mehr aufnehmen als im März und damit fast gleich viele wie im letzten April. Insgesamt meldeten die Arbeitgeber der Region 1.070 Angebote, die sie neu besetzen können.

Durch die abgeschwächte Arbeitskräftenachfrage seit Jahresbeginn ist das Gesamtangebot an freien Vakanzen - also ohne die registrierten Angebote für geförderte Stellen, wie Arbeitsgelegenheiten nach dem SGB II (die sogenannten "ein Eurojobs") - merklich zurückgegangen. Es liegt aktuell bei 2.250 und damit um 23,5 Prozent niedriger als im letzen April.

Kurzarbeit

Die Arbeitgeber aus der Region begegnen der vorübergehenden Arbeitsmarktschwäche derzeit noch hauptsächlich durch Ausweitung der Kurzarbeit. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe eine Anzeige über den Arbeitszeitausfall der örtlichen Arbeitsagentur erstatten. Diese Anzeigen sind somit als potenzielle Zugänge in die Kurzarbeit zu interpretieren.

Wie viele Personen später tatsächlich kurzarbeiten und in welchem Umfang Arbeit ausfällt, wird allerdings erst mit beträchtlicher Zeitverzögerung sichtbar. Die kurzarbeitenden Unternehmen müssen ihre Meldung jeweils erst nach dem Quartalsende für die zurückliegenden drei Monate erstatten. Daraus, sowie aus dem durchschnittlichen Arbeitsausfall der Kurzarbeiter, lässt sich die Entlastung der Arbeitslosigkeit ermitteln. Aktuell liegen der Karlsruher Arbeitsagentur rund 610 Betriebsanzeigen für gut 23.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor.
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