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(lifepr) (Karlsruhe, 17.02.2015) Die junge Studentin Mara (Nadine Knobloch) wird eines Tages bei einer Busfahrt Zeugin eines rassistischen Angriffs auf einen jungen schwarzen Mann durch zwei rechte Hooligans. Couragiert schreitet sie ein, während die anderen Fahrgäste wegsehen. Nach diesem einschneidenden Erlebnis begibt sie sich auf die Suche nach den Ursachen von Rassismus in unserer Gesellschaft.
Der Dokumentarfilm „Alle anderen sind nicht gleich anders.“ des Karlsruher Filmemachers Oliver Langewitz dokumentiert das Leben verschiedener Menschen mit Migrationshintergrund in der deutschen Gesellschaft. Zudem werden Expertinnen und Experten, z. B. Deutschlands führender Integrationsforscher Prof. Dr. Klaus J. Bade oder die Migrationsforscherin Prof. Dr. Astrid Messerschmidt, interviewed, die die Intergrationsprobleme von Menschen thematisieren sowie Lösungsansätze bieten, welche Möglichkeiten existieren, Rassismus zu bekämpfen und Menschen fremder Herkunft den Zugang zur deutschen Kultur in Einklang zu ihren eigenen Normen und Werten zu erleichtern.
An diesen Erkenntnissen anknüpfend werden in der Region Karlsruhe lebende Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen, z. B. aus Afrika, Asien, Muslime, Buddhisten etc., begleitet, die sich u. a. in verschiedenen Kulturvereinen engagieren und Menschen, die neu nach Deutschland kommen, bei ihren ersten Schritten in dieser neuen und fremdartigen Welt begleiten.
Ibraimo Alberto kam über Umwege aus Mosambik nach Karlsruhe und hat viele Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Heute trainiert er junge Boxer, betreut Menschen mit Behinderung und hält Vorträge über sein bewegtes und bewegendes Leben. Shahrokh Dini hat sich als DJ und Clubbetreiber einen Namen gemacht. Er sieht Musik als ein verbindendes Element zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft. Dem können sich die beiden Musiker Hakim Ludin und James Clarke nur anschließen. , Der Lehrer und Künstler Belarmino Barros erzählt, welche Probleme er als Schwarzer in Deutschland hat. Najoua Benzarti, Rüstü Aslandur und Aliz Müller engagieren sich als Migrationsbeiräte und in verschiedenen Vereinen, die sich mit dem interkulturellen Dialog auseinander setzen. Der Theaterpädagoge Rusen Kartaloglu bringt Jugendliche über interkulturelle Theaterprojekte zusammen.
Auch von deutscher Seite aus portraitiert der Film verschiedene Anti-Rassismus-Aktivisten. Die Friedenspreisträgerin Irmela Mensah-Schramm ist bekannt für das Entfernen von rechten Graffitis und Aufklebern aus dem öffentlichen Raum. Sie zeigt Zivilcourage, wo viele Menschen einfach nur wegsehen oder blind an hasserfüllten Parolen vorüber gehen.
Eine Besonderheit des Dokumentarfilms sind fiktionale Zwischensequenzen, zum Beispiel ein Eltern-Lehrer-Gespräch mit einer Kopftuch tragenden Schülerin (Hicran Araz) oder die Recherche-Arbeiten von Mara. Mediale Sequenzen wie das Showprogramm von Bülent Ceylan, zeigen, dass bestimmte Klischees gerade auch aufgrund ihrer medialen Verbreitung die Gesellschaft und deren Bild über bestimmte Ethnien und Kulturen prägen. Als Zuspitzung der Handlung zeigt ein Nazi-Aufmarsch, wie präsent rassistische Aussagen in der deutschen Gesellschaft noch sind, laut hörbar und auf Plakaten nachzulesen. Gezeigt wird auch die von der Teilnehmerzahl deutlich größere Gegendemonstration, angeführt von wichtigen politischen und kulturellen Vereinen aus Karlsruhe. In weiteren Interviews mit der Studentin Mara plädieren die Protagonisten für einen offenen Dialog über die Angst vorm Fremden, mögliche Ansatzpunkte wie die Karlsruher Wochen gegen Rassismus und eben auch engagierten Einsatz vor Ort.
Der Film stellt fest, dass die in der Gesellschaft existierenden Stereotype und Klischees über bestimmte Ethnien und Kulturen nicht der Realität entsprechen und häufig auch massenmediale Darstellungen unser Bild von bestimmten Kulturen prägen. Da diese Bilder insbesondere entstehen, je fremder und ferner eine solche Kultur zur eigenen Lebenswirklichkeit erscheint und es gerade äußere Merkmale eines Menschen sind, die zur Prägung solcher Bilder beitragen, sollte es eine zentrale Aufgabe des Filmprojektes sein, diese Mechanismen aufzuzeigen, um so ein Umdenken anzuregen. Eine Botschaft des Films ist, dass dem Fremden nicht mit Furcht zu begegnen ist, sondern dieses eine Gesellschaft bereichern kann und so die Innovationskraft und Vielfalt der Menschen über neue Einflüsse und Sichtweisen voranbringen kann.
Die beteiligten Akteure reflektieren ihre eigene Situation und finden im Dialog mit den anderen Charakteren Antworten auf die bestehenden Fragen zum Thema Interkultureller Dialog und Rassismusbekämpfung. Der Dokumentarfilm bietet so ein wertvolles Dokument innerhalb einer postmodernen Welt, das darüber hinaus dem Zuschauer Möglichkeiten aufzeigen soll, wie Menschen unterschiedlicher Kulturen und Ethnien harmonisch zusammenleben können.
Weltpremiere am Samstag, 28.03.2015, 19 Uhr
Kinemathek Karlsruhe
Studio 3, Kaiserpassage 6, 76133 Karlsruhe
Eintritt frei!
[Link inaktiv]
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