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Verkehrssicherheits-Kolloquium von DVR und ARCD zum automatisierten Fahren und seinen Folgen

(lifepr) (Bad Windsheim, 18.12.2013) .
- ARCD-Umfrage zeigt: viele Verbraucher noch unentschlossen bis skeptisch
- Demographischer Wandel: Automatisierung im Rahmen zukunftsorientierter Mobilitätskonzepte sinnvoll
- Rücksichtnahme als Parameter technischer Lösungen
- Beim autonomen Auto noch viele Fragen offen

Mit dem automatisierten Fahren und seinen Folgen hat sich ein Verkehrssicherheits-Kolloquium unter dem Titel "Braucht uns das Auto noch?" beschäftigt, das der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mit Unterstützung des ARCD am 11. Dezember in Bonn ausgerichtet hat. Am Ende waren sich rund 130 Experten aus Politik, Verbänden, Industrie und Wissenschaft einig: Bis zum Fahren ohne Fahrer ist es noch ein weiter Weg.

Sich vollautomatisch auf der Straße zu bewegen, ist für ein Fahrzeug in gewissem Rahmen durchaus machbar. Das haben unterschiedliche Beispiele bereits gezeigt. Wie aber steht es um die Akzeptanz durch die potenziellen Nutzer? Einer aktuellen Umfrage des ARCD unter seinen Mitgliedern zufolge können sich 32 Prozent der Teilnehmer vorstellen, ein Auto zu benutzen, das auf allen Strecken automatisiert fahren kann. 34 Prozent würden sich in ein Auto setzen, das wenigstens in bestimmten Situationen, wie in Parkhäusern oder auf Autobahnen, automatisch fahren kann. Ebenfalls 34 Prozent können sich nicht vorstellen, in ein solches Auto zu steigen.

Automatisierung auch zum Nutzen älterer Verkehrsteilnehmer

"Es ist nicht die Frage ob, sondern ab wann automatisiertes Fahren Realität sein wird", so DVR-Präsident Dr. Walter Eichendorf zur Eröffnung des Kolloquiums. Während Automatisierung bei Verkehrsträgern wie dem Flugzeug an der Tagesordnung ist, betrachten die Teilnehmer am Individualverkehr das Thema offenbar noch skeptisch. Dabei wäre ein höherer Automatisierungsgrad beim Auto gerade angesichts des demographischen Wandels wohl von Vorteil. "Autonome Autos könnten die Verkehrsteilnehmer entlasten und ihren Komfort steigern", so ARCD-Präsident Wolfgang Dollinger. Assistierende oder hochautomatisierte Systeme können ältere oder in ihrer Beweglichkeit und Fahrtauglichkeit eingeschränkte Menschen dabei unterstützen, ihre individuelle Mobilität möglichst lange zu erhalten. Denn mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung muss man unweigerlich erkennen, dass in Zukunft immer mehr ältere Verkehrsteilnehmer unterwegs sein werden. Wer für sie sinnvolle Mobilitätskonzepte entwickeln will, sollte nach Ansicht des ARCD auch die Automatisierung des Autofahrens integrieren.

Und so konterte ARCD-Präsident Dollinger das Motto des DVR-Kolloquiums mit der Frage: "Brauchen wir noch das Auto?" Seine Antwort: "Wir sagen eindeutig: Ja! Denn es sichert unsere ganz persönliche, individuelle Mobilität, und die ist ein hohes Gut!"

Automatisierung als Weg zur Verbesserung der Verkehrsmoral?

Um diese Mobilität dauerhaft ein Stück sicherer zu machen, hat der ARCD in diesem Jahr seine Verkehrssicherheits-Initiative "Rücksicht statt Risiko" ins Leben gerufen. Auch dafür biete die Automatisierung des Autos viel Potenzial, so Dollinger: "Automatisierung könnte ein wirksames Mittel gegen die zunehmende Aggressivität auf unseren Straßen sein. Um es in der Sprache der IT-Branche zu sagen: Über technische Parameter ließe sich dann Rücksichtnahme in den Straßenverkehr sozusagen hineinkonfigurieren." Damit verband der ARCD-Präsident die Hoffnung, dass sich auf diese Weise gegenseitige Rücksichtnahme auf der Straße und die Einhaltung von Verkehrsregeln zusätzlich verbessern ließen.

Abgeschafft werden könnten die Regeln jedoch auch bei höheren Automatisierungsgraden nicht. Zwar werde die Automatisierung im Straßenverkehr auf der Grundlage aktueller Fahrerassistenzsysteme immer stärker voranschreiten, doch eine weite Verbreitung autonom fahrender Autos liege noch in sehr ferner Zukunft, so die Experten des DVR-Kolloquiums. Daher würden sich noch über Jahrzehnte konventionelle Fahrzeuge und Autos unterschiedlicher Automatisierungsgrade gleichzeitig auf der Straße begegnen. "Das große Thema wird sein: Wie passt das alles zusammen?", so ARCD-Präsident Dollinger. Dabei gehe es neben Einzelfragen auch um das große Ganze: "Als Auto- und Reiseclub interessiert uns natürlich besonders die Frage: Was passiert etwa im grenzüberschreitenden Verkehr? Werden wir überall die gleichen technischen Standards haben, damit wir von Hamburg bis an die Algarve reibungslos automatisch fahren und bereits gut erholt am Urlaubsort ankommen können?"

Auch wenn heute schon vieles möglich ist und in Pilotprojekten konkretisiert wurde, so besteht noch viel Forschungs- und Diskussionsbedarf in allen Disziplinen. In den nächsten Jahren müssten die drei Stränge Technik, Recht und gesellschaftliche Akzeptanz immer wieder miteinander verzahnt werden, so DVR-Präsident Dr. Eichendorf. "Die moderne Technik hilft uns, sicherer auf den Straßen unterwegs zu sein. Aber sie ist nur ein Bestandteil des Ganzen. Die Menschen müssen bereit sein, mit dem hochautomatisierten Fahren umzugehen. Wenn sie es nicht wollen, wird es nicht zu mehr Verkehrssicherheit führen."

Absehbar wird ein Auto ohne Fahrer noch eine Vision bleiben, auch wenn der Fortschritt bei den Systemen in vielen kleinen Schritten in diese Richtung führen wird. Was während des Kolloquiums allerdings besonders deutlich wurde: Neben den vielen noch offenen rein technischen und rechtlichen Fragestellungen müsse der Mensch viel stärker als bisher miteinbezogen und in den Vordergrund gestellt werden. Schließlich müsse er als tatsächlicher Nutzer der neuen Technologien diese letztendlich akzeptieren und anwenden können.

Über ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland e. V.: Der ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland e.V. mit Sitz im fränkischen Bad Windsheim ist Deutschlands erster Auto- und Reiseclub. Von hier aus betreut der ARCD seine über 112.000 Mitglieder individuell und rund um die Uhr - mit eigener, permanent besetzter Notrufzentrale und 1.400 Pannenhelfern allein in Deutschland. Im europäischen Ausland arbeitet der ARCD mit den dort etablierten Assisteuren und Versicherern zusammen. Neben umfassenden Schutzbriefleistungen und der Unterstützung durch einen speziellen Clubhilfe-Fonds bietet der ARCD seinen Mitgliedern vielfältige und exklusive touristische Leistungen. Als Gründungsmitglied des Verbundes Europäischer Automobilclubs EAC mit Büro in Brüssel engagiert sich der ARCD zudem aktiv in allen Fragen der Verkehrspolitik und Verkehrssicherheit im Sinne seiner Mitglieder. Diese informiert der Club mit der Zeitschrift "Auto&Reise" unterhaltsam und kompetent über alles Wissenswerte rund um die Titelthemen des Magazins.

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