Dienstag, 26. September 2017


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Saudi - Arabien: Ölmacht in der Krise

Dokumentation für den geopolitischen Sendeplatz, 52 min

Berlin, (lifePR) - Saudi-Arabien ist ein Königreich der Widersprüche: Quasi-Gottesstaat und Partner des Westens, Exporteur eines fundamentalistischen Islamismus und Feind der IS-Terroristen. Die Monarchie galt lange als Stabilitätsanker in der Krisenregion. Doch der Iran, Hauptkonkurrent der Saudis im Nahen Osten, wird immer stärker. Gleichzeitig verfällt der Ölpreis. Zum ersten Mal seit 25 Jahren muss Saudi-Arabien im Ausland Schulden machen. Unter dem neuen Herrscher König Salman fährt das Land außen- wie innenpolitisch einen rigiden Kurs. Wird es dem Königshaus gelingen, sich an der Macht zu halten oder implodiert das Land – mit unabsehbaren Folgen für die Region und damit auch für Europa? Arte strahlt die von Vincent TV produzierte Dokumentation „Saudi-Arabien – Ölmacht in der Krise“ am Dienstag, 5. September 2017 um 21.55 Uhr aus.

„Saudi-Arabien ist schon viel zu lange vom Öl abhängig. Das muss sich sehr bald ändern!“ – Ahmed El Ohal, Vorstandsvorsitzender des petrochemischen Unternehmens SIPCHEM ist ganz deutlich: „Ich verstehe es als einen Warnschuss für uns, dass der Ölpreis fällt.“ – Vor allem die Jugend, die viel zu verwöhnt sei, müsse verstehen, dass die goldenen Zeiten des Ölbooms vorbei seien.

Dass sich etwas ändern muss, spüren viele Menschen in Saudi-Arabien. Die konservative Monarchie am Golf hält seine Bevölkerung seit Jahrzehnten in einem goldenen Käfig gefangen, in enger Abstimmung mit der wahhabitischen Geistlichkeit, einer extrem reaktionären Variante des Islam. Es gilt das islamische Recht der Scharia, das schon für geringe Vergehen drakonische Strafen vorsieht.

Aber das Land ist in Bewegung. Zwei Drittel der Bevölkerung sind unter dreißig Jahre alt, hunderttausende junge Menschen haben in den USA oder Europa studiert und sind nicht bereit, die Spielregeln der Imame widerspruchslos zu befolgen. Zudem bröckelt der Ölpreis und damit die Garantie auf ein sorgenfreies Leben, das der saudische Staat seinen Bürgern bislang garantierte.

Außenpolitisch hat sich das Königreich, in dem der greise König Salman das Regieren inzwischen weitgehend seinem Sohn, Kronprinz Mohammed überlässt, in einen blutigen und bislang erfolglosen Krieg im Jemen verstrickt. Das Land fühlt sich eingekreist vom Erzfeind Iran und dessen Verbündeten. Erleichtert begrüßten die Saudis daher die Ernennung Donald Trumps zum Präsidenten der USA, erhoffen sie sich von ihm doch eine Abkehr der iranfreundlichen Politik Barack Obamas.

Der Westen steht dem Königreich ambivalent gegenüber: Einerseits ist Saudi-Arabien einer der wenig verbliebenen stabilen Staaten in der Region, andererseits sind massive Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Frauenrechte werden mit Füßen getreten. Und die Verbindungen zwischen saudischen Bürgern und Terrororganisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat bleiben undurchsichtig.

Einem ARTE-Team um Filmemacher und Autor Michael Richter ist es nach Monaten zäher Verhandlungen gelungen, das Königreich zu bereisen. Dabei traf das Team auf verschleierte Frauen, die voller Ehrgeiz Karriere machen, Rapper, die vom ersten offiziellen Hiphop-Konzert in ihrer Stadt träumen und Wirtschaftsführer, die einen radikalen Umbau der saudischen Wirtschaft fordern. Die saudische Gesellschaft ist äußerst dynamisch und das Königshaus muss einen Weg finden, nicht nur die Geistlichkeit zu beruhigen sondern auch den Reformkräften Perspektiven zu vermitteln.

„Saudi-Arabien – Ölmacht in der Krise“ ist ein Film von Michael Richter, Redaktion: Kathrin Bronnert, NDR / Arte, Producerin: Nadja Frenz. Produziert von Vincent TV.

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