Mittwoch, 13. Dezember 2017


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Die Gesundheit der Patienten steht auf dem Spiel

Kortison-Nasensprays bei Pollenallergie nicht mehr rezeptpflichtig

Wiesbaden, (lifePR) - Kummer sind Pollenallergiker bereits gewohnt: In der Vergangenheit wurde die Therapie der saisonalen allergischen Rhinitis (Pollenallergie, „Heuschnupfen“) immer weiter beschnitten. So wurden die so genannten Antihistaminika bereits vor vielen Jahren aus der Verordnungspflicht und der Erstattungsfähigkeit durch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) genommen. Seit letztem Jahr gilt das auch für kortisonhaltige Nasensprays, die ein wichtiger Bestandteil der Heuschnupfentherapie sind. Für viele dieser Sprays gilt: Sie sind nicht mehr rezeptpflichtig und damit auch nicht mehr erstattungsfähig durch die GKV. Der Patient muss auch diese Medikamente auf eigene Rechnung in der Apotheke kaufen. Die Folgen: Einschnitte in den Geldbeutel der Patienten und – durch fehlende ärztliche Therapiekontrolle – ein erhöhtes Risiko für Krankheitsverschlimmerungen mit ernsten Folgeerkrankungen wie allergischem Asthma. Wie das verhindert werden kann und welche Behandlungsmöglichkeiten auch weiterhin vom Arzt verordnet werden können, darüber informierten Experten im Rahmen eines Pressegesprächs anlässlich des Deutschen Allergiekongresses 2017 in Wiesbaden.

Die Kortison-Wirkstoffe Beclometason, Fluticason, und Mometason kann der Arzt nicht mehr auf „Kassenrezept“ verordnen. Erwachsene Patienten erhalten sie rezeptfrei in der Apotheke unter der Bedingung, dass zuvor die Diagnose „saisonale allergische Rhinitis“ durch einen Arzt gestellt wurde und dass die zulässige Tagesdosis nicht überschritten wird. „Wie soll das in der Praxis gewährleistet werden? Der Apotheker kann unmöglich bei jedem Patienten kontrollieren, ob tatsächlich eine ärztliche Diagnose vorliegt bzw. ob sich der Patient an die Tageshöchstdosis hält. Da sind Behandlungsfehler vorprogrammiert und das ist riskant bei einer Erkrankung, bei der mit ernsten Folgen für die Gesundheit des Patienten gerechnet werden muss“, so Dr. Holger Wrede, HNO-Arzt und Allergologe, Herford. Die Betroffenen sind durch die akuten Beschwerden (u. a. ständig laufende Nase und tränende Augen) deutlich in ihrem Alltag eingeschränkt, so dass sie zeitweise nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können. Die größere Gefahr geht jedoch von den drohenden Folgeerkrankungen wie z. B. einem allergischen Asthma aus.

Bei der Allergie-Behandlung hapert‘s

Experten raten daher dringend zu einer angemessenen Therapie der allergischen Rhinitis, um Verschlimmerung zu verhindern. Doch daran hapert es: Schätzungsweise nur jeder zehnte Allergiker (Pollenallergiker eingeschlossen) wird entsprechend dem heutigen Wissensund Empfehlungsstand therapiert [Biermann J et al; Allergo J 2013;22(6) 366-73 >> Studie zur Versorgung von Allergiepatienten unter der Leitung des Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem, beauftragt vom Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AEDA)]. Der Großteil der Patienten behandelt sich auf eigene Faust oder wird gar nicht therapiert.

„Und die neue Verordnungslage trägt zusätzlich dazu bei, dass sich Patienten von vornherein selbst therapieren ohne jemals einen Arzt aufgesucht zu haben“, so Prof. Dr. Ludger Klimek, Allergiezentrum Wiesbaden. Umso wichtiger ist es zu wissen, dass bestimmte Medikamente bei Pollenallergie weiterhin vom Arzt auf Krankenkassenkosten verordnet werden können. „Darunter fallen auch moderne Kombinationstherapeutika, bei denen ein Antihistaminikum mit einem Kortisonwirkstoff kombiniert ist. Liegen bestimmte Voraussetzungen vor, kann der Arzt diese für den Patienten komfortable Therapie verordnen und den Verlauf der Erkrankung im Auge behalten“, so Klimek.

Bei Allergie zum Arzt

„Die Nutzer unseres Portals geben häufig an, dass die Allergie-Medikamente ja doch nicht helfen und sie sich mit den Beschwerden eben abgefunden hätten“, berichtet Sabine Jossé, von MeinAllergiePortal www.mein-allergie-portal.com. „Man macht es sich aber unnötig schwer und mindert seine Lebensqualität, wenn man seine Beschwerden einfach hinnimmt, denn Allergien sind heute gut behandelbar. Bei vermeintlichen Allergie-Beschwerden empfiehlt es sich immer, zum Arzt zu gehen und abklären zu lassen, ob es sich überhaupt um eine Allergie handelt. Gemeinsam mit dem Arzt sollte dann die individuell passende Therapie ausgewählt werden“, appelliert Jossé.

 

Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden

Der allergische Schnupfen ist hierzulande die am weitesten verbreitete Allergieform. Die häufigsten Auslöser sind Pollen (>> saisonale allergische Rhinitis, Pollenallergie, Heuschnupfen) an erster und Hausstaubmilben an zweiter Stelle. Die Hausstaubmilbenallergie ist eine ganzjährige Form des allergischen Schnupfens. Für die Behandlung dieser Form gelten die Neuerungen in der Verschreibungspflicht ausdrücklich nicht. Der allergische Schnupfen wird nach wie vor bagatellisiert. Da die oberen und unteren Atemwege eine Funktionseinheit bilden, kann sich ein vermeintlich harmloser "Heuschnupfen" oder eine Hausstauboder Tierhaarallergie jedoch zu Asthma ausweiten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass dies bei bis zu 40 % der Patienten mit allergischem Schnupfen der Fall ist [Bousquet J et al. Allergic rhinitis and its impact on asthma (ARIA) 2008. Allergy 2008;63(Suppl 86):8-160]. Zudem kann der allergische Schnupfen - wie alle anderen Allergien auch - jederzeit im Laufe des Lebens auftreten und sich ungünstig auf eine andere bestehende Allergie auswirken, da sich allergische Erkrankungen gegenseitig beeinflussen können.

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