Samstag, 18. November 2017


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Nach der Diskussion: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht seine Kritik am Film 'Nellys Abenteuer' bestätigt

Film produziert Angst vor dem Fremden

Heidelberg, (lifePR) - Entgegen dem Anspruch des Films ist bei Kindern die Begegnung mit "dem Fremden" – nach dem Anschauen des Films ! – deutlich angstbesetzt.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht sich in seiner Kritik am Kinderfilm 'Nellys Abenteuer', den der SWR in seinem Dritten Programm jetzt vorgezogen ausstrahlt hat, bestätigt.  In der Diskussion nach dem Film wurde ein Einspielfilm mit Reaktionen von Kindern gezeigt, den die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), Dr. Maya Götz, vorstellte.  Über siebzig Kindern war der Film im Rahmen einer Untersuchung zur Medienwirkung gezeigt worden, die danach ihre Eindrücke vor der Kamera schilderten.

Es sei nicht überraschend, daß die Helden des Kinderfilms, Nelly und Tibi, von den Kindern positiv aufgenommen würden, sagte Romani Rose zu den Ergebnissen der Untersuchung, es seien ja sonst wenig positive Figuren vorhanden.  Die Abenteuer der Helden Nelly und Tibi würden von den Kindern sehr wohl mit Spannung verfolgt, sobald jedoch die eigene Situation mit vorstellbar wurde, sei die Ablehnung des Fremden virulent geworden.

Als bemerkenswert bewertet der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma nach der Diskussion vor allen Dingen die Antworten der Kinder auf die zweite Frage, was sie denn aus dem Film gelernt hätten.  Hier sagten die Kinder unisono, daß "Kinder auf ihre Eltern hören" sollten, und daß sie "nicht von den Eltern weglaufen" sollten.  Diese Antworten zeigen für den Zentralrat, daß die Begegnung mit dem Fremden, wie es der Film 'Nellys Abenteuer' präsentiert, von den Kindern als gefährlich eingeschätzt werde.  Entgegen dem Anspruch des Films sei diese Begegnung – nach dem Anschauen des Films ! – deutlich angstbesetzt.

Dies werde nochmals verstärkt durch die von fast allen Kindern ausgedrückte Angst vor Entführung : "Kinder sollen nicht in fremde Autos einsteigen".  Diese Angst sei bei fast allen Kindern zutage getreten – wenn auch (noch) nicht verbunden mit den Begriffen "Roma" oder " Zigeuner".  Genau diese Verbindung werde aber spätestens durch die Begleitmaterialien des Films, die sich insbesondere an Schulen und Eltern wenden, dezidiert hergestellt.  "Kindesentführung" ist eines der ältesten antiziganistischen Vorurteile überhaupt und bildet den Kern von "Nellys Abenteuer".

Vor allen Dingen aber werde die Freundschaft zwischen Nelly und Tibi in diesem Kontext nicht einmal erwähnt.  Offenkundig überwiege die Angst, gerade vor Kindesentführung, und dies bestätigt nach Auffassung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma nachdrücklich die Argumente von Pavel Brunßen, der in der Diskussion erklärte, daß die gezeigten Vorurteile eben nicht aufgelöst würden, sondern vielmehr stehen blieben. 

Damit werde jedenfalls der von Drehbuchautoren bis Regisseur, Produzent und SWR proklamierte Anspruch des Films, die gezeigte Freundschaft von Nelly und Tibi würde die zuvor gezeigten Vorurteile aufgelöst, als gegenstands- und wirkungslos gezeigt.  Der Anspruch des Films, der auf der Film-Webseite formuliert wird, nämlich "mit Minderheiten bekannt zu machen " und "auch eine pädagogische Botschaft zu vermitteln" verkehrt sich ins Gegenteil, nämlich in der Wahrnehmung von Kindern als abschreckende Geschichte, als Warnung vor Kindesentführung und Fremdheit.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht sich deshalb nach der Diskussion im Dritten Programm des SWR in seiner Kritik bestärkt und fordert nochmals den Kinderkanal von ARD und ZDF auf, auf die Ausstrahlung des Films "Nellys Abenteuer" zu verzichten.  Darüber hinaus fordert der Zentralrat die Verleihfirma auf, die Begleitmaterialien zum Film zurückzuziehen. 

Grundsätzlich begrüßt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma den jetzt begonnenen Dialog mit dem SWR wie mit den Filmfördereinrichtungen in Baden-Württemberg.  "Was wir willen sind gute Filme über Sinti und Roma.  "Nellys Abenteuer" gehört nicht dazu.  Antiziganistische Filme gehören nicht in die Fernsehprogramme, genausowenig wie antisemitische Figuren – und ganz besonders nicht in die Kinder- und Jugendprogramme der öffentlich-rechtlichen Anstalten", so Romani Rose nach der Fernsehdiskussion. 

Die Stellungnahmen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und das ausführliche Gutachten von Pavel Brunßen sowie der Kommentar von Professor Urs Heftrich, Universität Heidelberg, finden sich auf der Website des Zentralrats unter http://zentralrat.sintiundroma.de/zentralrat-deutscher-sinti-und-roma-appelliert-an-kika-und-swr-antiziganistischen-kinderfilm-nicht-senden/

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