Jahresrückschau der Verbraucherzentrale Hessen: Auch 2011 immer auf der Seite der Verbraucher

(lifePR) ( Frankfurt am Main, )
Die Verbraucherzentrale Hessen bilanzierte auf der Jahrespressekonferenz ein erfolgreiches Jahr 2011. Mehr als 1,26 Millionen Hessen nutzten die Angebote der Verbraucherzentrale - Information, Bildung und Beratung - und viele verbraucherpolitische Initiativen wurden mit auf den Weg gebracht.

So wurde im letzten Jahr zum Beispiel die Praxis von Inkassofirmen oder die Werbung von Firmen im Internet für glutenfreie Lebensmittel untersucht. In beiden Fällen wurde festgestellt, dass erheblicher gesetzlicher Regelungsbedarf besteht. Die Forderungen der Verbraucherzentralen zu unseriösen Inkassounternehmen stießen beim Bundesjustizministerium auf offene Ohren. Die geplanten Regelungen dürfen aber nicht so lange auf sich warten lassen wie die Button-Lösung im Bereich Internet-Abofallen.

Wirtschaftlich hat sich die Lage der Verbraucherschützer nicht verbessert. "Das magere Budget erschwert den Einsatz für Verbraucherinteressen", so der Vorstand, Jutta Gelbrich. "Unsere gute Arbeit erfordert deshalb einen äußerst effizienten Einsatz der Mittel und sehr viel Engagement!"

1.264.651 Verbraucher nutzen die Informations-, Bildungs- und Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen. Davon informierten sich mehr als eine Million Verbraucher kostenlos auf der Internetseite www.verbraucher.de. 166.450 Ratsuchende nutzen die persönliche und telefonische Beratung oder besuchten Informations- und Bildungsveranstaltungen der Verbraucherzentrale. "Auf diese Zahlen sind wir stolz", so Jutta Gelbrich, "insbesondere vor dem Hintergrund unserer geringen personellen Ressourcen und unserer vielfältigen anderen Aktivitäten."

Der Rückblick auf die Arbeit der Verbraucherzentrale Hessen macht deutlich, wie komplex die Themen sind, zu denen Verbraucher Rat suchen: Neben den klassischen Fragen zum Verbraucherrecht wie Gewinnspielwerbung, Reklamationen und Widerrufsrechte waren unlautere Inkassoforderungen, Datenschutz und digitale Sicherheit besondere Schwerpunkte der Arbeit. Die TelDaFax-Pleite sowie die durch den Atomunfall in Fukushima hervorgerufene Energiewende führten zu einem erhöhten Beratungsbedarf bei Verbrauchern, die auf der Suche nach einem neuen Stromanbieter waren. Im Zusammenhang mit dem Atomunfall traten erneut die Sorgen der Verbraucher vor einer möglichen radioaktiven Belastung von Lebensmitteln zu Tage. Der Lebensmittelskandal um Dioxin in Eiern und Geflügel sowie die Infektionen durch mit EHEC verunreinigte Bockshornkleesamen lösten ebenfalls Besorgnis bei Verbrauchern aus.

Anlass für erfolgreiche Abmahnungen von irreführender Werbung lieferten sowohl Onlineshops, die glutenhaltige Lebensmittel als "glutenfrei" bewarben als auch Figurstudios, die Abnehmwilligen den Fettabbau durch Ultraschallbehandlungen vorgetäuscht hatten.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war die verwirrende Regionalkennzeichnung von Lebensmitteln. Seit Juli 2011 sorgt das Portal www.lebensmittelklarheit.de, das die Verbraucherzentrale Hessen federführend betreut, für Durchblick und Dialog im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung.

Wirtschaftliche Entwicklung

"Die erfolgreiche Arbeit für die hessischen Verbraucher darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Handling des Haushaltes einem überaus sensiblen Balanceakt zwischen rigidem Sparkurs, klugen Investitionen und weit vorausschauender Personalpolitik gleichkommt", betont Gelbrich. Noch immer belegt die Verbraucherzentrale Hessen im Länderranking bei der Finanzierung einen der letzten Plätze. Und 2012 spitzt sich die finanzielle Lage abermals zu. Dafür gibt es zwei Gründe: ein höherer Mehrwertsteuersatz auf Beratungsleistungen und tariflich bedingte Steigerung der Personalkosten. Dankenswerterweise und trotz gesetzlicher Schuldenbremse kürzt das Land Hessen die institutionelle Zuwendung 2012 nicht, sondern erhöht diese um 60.000 € - die voraussichtlichen Kosten der Mehrwertsteuererhöhung. "Damit gehören wir zu den wenigen Verbraucherzentralen, die die zusätzliche steuerliche Belastung nicht auf die Beratungsentgelte umlegen müssen", freut sich Gelbrich. Aber sie macht deutlich, dass auch der Status Quo nicht ausreicht, alle Instrumente der Verbraucherarbeit in gleichem Maße im notwendigen Umfang zum Einsatz zu bringen. Nutzung der Klagebefugnisse, Kontaktpflege mit der Politik, mehr Verbraucherbildung und weitere Beratungsangebote wie E-Mailberatung - dafür wünscht sie sich deutlich mehr Kapazitäten!

Unlautere Inkassoforderungen

Die Untersuchung der Verbraucherzentralen zum Thema "Unlauteres Inkasso" brachte zu Tage: Inkasso braucht Regeln, gesetzliche Informationspflichten, verlässliche Gebührenvorgaben und eine schlagkräftige Aufsicht. Rund 750 Inkassofirmen sind in Deutschland zugelassen und bewegen Forderungsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich. Die Aufsicht ist lax, die schwarzen Schafe sind dagegen zahlreich. Verbraucherschützende Neuregelungen, wie sie bereits vom Bundesjustizministerium geplant sind, dürfen daher nicht so lange dauern, wie bei der Button-Lösung im Bereich Internet-Abofallen.

Bei 4.500 bundesweit ausgewerteten Fällen war nur rund ein Prozent der erhobenen Forderungen berechtigt. 15 Prozent der Forderungen erschienen unklar, 84 Prozent unberechtigt. Es wurde mit negativem SCHUFA-Eintrag, Hausbesuch, Klage oder Zwangsvollstreckung und Verhaftung gedroht - knapp Dreiviertel der Angeschriebenen fühlten sich durch die Inkassobetreiber massiv eingeschüchtert.

Dieses Beispiel verdeutlicht die Marktwächterfunktion der Verbraucherzentralen: "Ohne uns", so Peter Lassek, Referent der Verbraucherzentrale, "wäre nie bekannt geworden, dass jährlich vielen tausend Verbraucher mit diesen Methoden zu Unrecht viel Geld aus der Tasche gezogen wird!"

Das Bundesjustizministerium hat bereits im Dezember 2011 die Kernforderungen der Verbraucherzentralen aufgegriffen und plant, in einem Gesetzespaket unseriöse Inkassopraktiken zu bekämpfen. "Hoffen wir, dass den Worten bald Taten folgen", so Jutta Gelbrich.

Glutenfrei - Irreführende Werbung für Lebensmittel im Internet

Menschen mit einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten müssen das Getreideeiweiß konsequent meiden, sonst drohen schwere Darmschädigungen und Folgeerkrankungen. Manche Internetanbieter bewerben jedoch Babybreie, Backwaren & Co. als glutenfrei, obwohl die Produkte glutenhaltiges Getreide enthalten. Die Verbraucherzentrale Hessen hat beispielhaft 25 Lebensmittelangebote aus zwölf Internetshops auf die Werbung mit "glutenfrei" hin überprüft. Da die Zutatenlisten für verpackte Lebensmittel auf den Angebotsseiten von Internetshops fehlen dürfen, musste die Werbung der Internetanbieter mit den Zutatenlisten und den Kennzeichnungen der Produkthersteller verglichen werden. Skandalöses Ergebnis: Alle von den Internetanbietern als "glutenfrei" beworbenen Lebensmittel enthielten laut der Zutatenliste der Hersteller das Getreideeiweiß. Die Hersteller hatten - bis auf eine Ausnahme - Dinkel-Babybrei, Brot, Grünkernsuppe oder Pizzateig richtig gekennzeichnet und ihrem jeweiligen Produkt nicht das Etikett "glutenfrei" angehängt. Die Verbraucherschützer mahnten die "Schwarzen Schafe" wegen irreführender Werbung mit "glutenfrei" erfolgreich ab. Diese müssen die Verbrauchertäuschung zukünftig unterlassen. Hartmut König, Abteilungsleiter der Verbraucherzentrale Hessen, fordert gesetzliche Regelungen, die auch Internetanbieter zu einer ausreichenden Kennzeichnung von Lebensmitteln, wie der Angabe aller Zutaten, verpflichten sowie eine entsprechende Kontrolle durch die Überwachungsbehörden.

Ausblick

Zum Thema Klimaschutz kann ab 2012 wieder mit zwei Projekten gestartet werden: Hessen Nachhaltig - 10.000 Bürger für den Klimaschutz (gefördert vom Hessischen Sozialministerium). Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Entwicklung von Unterrichtseinheiten zu klimafreundlichem Konsum für die Jahrgangsstufen 9 bis 12 aller Schulformen. Diese Module sollen zukünftig ohne Unterstützung der Verbraucherzentrale von Lehrern eingesetzt werden können und damit ein nachhaltiges Bildungsangebot bereitstellen. Für die Pilotphase werden noch interessierte Schulen im Rhein-Main-Gebiet gesucht! Näheres siehe http://www.verbraucher.de/unterrichtsthema-klimaschutz.

Neustart fürs Klima (gefördert vom Bundesumweltministerium). Neubürger einer Modellkommune sollen Anregung und Orientierung für klimafreundlichen Konsum im neuen Wohnort erhalten. Auch hier sollen modellhaft Formen der Bürgeransprache und Bürgerbeteiligung entwickelt werden, die andere interessierte und engagierte Kommunen übernehmen können.

Ergänzende Informationen für Verbraucher:

- Aktuelle und kostenlose Verbraucherinformationen unter www.verbraucher.de
- Hessenweites Servicetelefon 01805-972010. 0,14 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; aus dem Mobilfunk maximal 0,42 € pro Minute. Informationen über das Beratungs- und Seminarangebote sowie die Öffnungszeiten der Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen; teilweise auch Terminvereinbarung möglich. Keine Beratung!
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