Lebensmittelindustrie wählt unrealistische Portionsgrößen

Befragung der Verbraucherzentralen zeigt

(lifePR) ( Potsdam, )
Freiwillige Portionsgrößen auf Lebensmittelverpackungen stimmen häufig nicht mit den tatsächlichen Essgewohnheiten überein. Zu diesem Schluss kommen die Verbraucherzentralen in einer bundesweiten, interaktiven Befragung von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Demnach verzehren die Teilnehmer im Durchschnitt mehr als doppelt so viel Müsli oder Chips wie auf den Etiketten als Portionsgröße deklariert. Die Verbraucherzentralen fordern von der Lebensmittelindustrie sinnvolle Angaben.

Kleinere Portionen suggerieren geringere Zucker- und Fettgehalte

„Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft eine große Lücke“, sagt Veronika Wrobel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit der Angabe von Mini-Portionen ´gesund`. Denn aus kleineren Portionsgrößen ergeben sich automatisch auch geringere Mengen an Zucker oder Fett, die Verbraucher vermeintlich zu sich nehmen.“

Portionsgrößen der Hersteller bestehen Realitätscheck nicht

Rund 1.500 Verbraucher (davon 100 Teilnehmer aus Brandenburg) hatten an der nicht repräsentativen Befragung teilgenommen. Dabei sollten sie die Portion Müsli und Chips abfüllen, die ihren üblichen Essgewohnheiten entspricht. Beim Müsli lag die Portionsgröße bundesweit im Durchschnitt bei 81 Gramm (Brandenburger: 103 Gramm), bei den Chips betrug sie 63 Gramm (Brandenburger: 67 Gramm). Damit waren die tatsächlichen Portionen mehr als doppelt so groß wie die Portion, die die Hersteller auf der Verpackung empfahlen. „Dementsprechend würden die Befragten im Durchschnitt beim Müsli 28 statt der angegebenen 14 Gramm Zucker verzehren, bei den Chips wären es statt 9,9 sogar 20,8 Gramm Fett“, so die Ernährungsexpertin.

Einheitliche Portionsgrößen lassen sich nicht bestimmen

Die Ergebnisse der Umfrage lassen zudem den Schluss zu, dass die realistische Angabe von Portionsgrößen auf Verpackungen bei diesen Produkten gar nicht möglich ist. Denn die von den Verbrauchern eingefüllten Mengen variierten sehr stark. „Die individuellen Portionsgrößen lagen im Test zwischen elf und 302 Gramm beim Müsli und zwischen drei und 250 Gramm bei den Chips“, berichtet Wrobel.

Viele Befragte hatten zudem Schwierigkeiten, die Menge einer Portion überhaupt richtig einzuschätzen. Sie sollten aus vier Schalen mit unterschiedlicher Menge an Müsli oder Chips diejenige herausfinden, die der Portionsgröße auf dem Etikett entsprach. Nur 39 Prozent der Teilnehmer lagen beim Müsli richtig (Brandenburger: 29%), bei den Chips waren es 50 Prozent (Brandenburg: 50%).

Prominent auf der Schauseite der Verpackung angegebene Nährwerte pro Portion sind den meisten bekannt. Über 86 Prozent der Befragten kennen diese Piktogramme, aber nur ein Bruchteil achtet darauf und orientiert sich daran. Die Mehrheit wünscht sich verständlichere und nachvollziehbarere Angaben, wie beispielsweise eine Kennzeichnung, die sich auf 100 Gramm oder eine erkennbare Portion bezieht.

Verbraucherzentralen wollen sinnvolle Portionsangaben auf Verpackungen

Die Verbraucherzentralen fordern: Bei nicht eindeutig portionierbaren Lebensmitteln wie Chips oder Müsli sollen Hersteller auf Portionsangaben verzichten. „Willkürlich gewählte Portionsgrößen verwirren statt zu informieren“, so Wrobel. Lediglich bei Verpackungen mit konkreten Portionen wie etwa einem Riegel, einer Scheibe oder einem Becher können die Informationen auf dem Etikett sinnvoll sein.

Der ausführliche Untersuchungsbericht ist auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Brandenburg zu finden.
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